Fabian Wiede (Füchse Berlin)

Schwere Zeiten für die „Füchse Berlin“

Tolle Aufgabe für Nationalspieler Fabian Wiede bei der EM in Polen

INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

Fabian Wieder ist Stammspieler bei den „Füchsen Berlin“ und in der Nationalmannschaft ©Andreas Düllick

Es gab schmerzliche Niederlagen, Abgänge von Leistungsträgern und eine lange Liste von Verletzten. Die Hinrunde der Handball-Bundesliga war für die „Füchse Berlin“ eher durchwachsen. Vielleicht sind die Ansprüche in Berlin auch zu hoch an den EHF-Pokalsieger und Klub-Weltmeister. Die Personaldecke ist einfach zu dünn, den „Füchsen fehlt schlicht und einfach das Geld, um viele teure ausländische Stars wie  Kiel, Flensburg oder die Rhein-Neckar Löwen zu verpflichten. Hinzu kamen viele langwierige Verletzungen, die wohl schmerzhafteste war die von Jungstar Paul Drux. Die Folge waren das frühe Ausscheiden in den Pokalwettbewerben und einige vermeidbare Punktverluste in der Liga. Andreas Düllick sprach mit Fabian Wiede, dem Eigengewächs der „Füchse“ und mittlerweile Leistungsträger und Nationalspieler, über den Hinrunde der Handball-Bundesliga und die bevorstehende Handball-Europameisterschaft in Polen.

Wie schätzt Du den bisherigen Saisonverlauf der „Füchse“ ein?

Fabian Wiede: Wir haben sehr gut angefangen mit dem Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft. Wir haben dann auch in der Bundesliga einen sehr guten Start hingelegt. Dann haben wir ein paar Punkte abgegeben durch Unentschieden gegen Magdeburg und Hannover. Die Spiele, die wir verloren haben gegen Göppingen, gegen die Rhein-Neckar-Löwen und gegen Kiel, die kann man alle verlieren. Darin liegt also nicht unser Problem. Im DHB-Pokal hatten wir es auch schwer. Gegen die Rhein-Neckar-Löwen haben wir uns gut geschlagen, sind aber leider ausgeschieden. Das Schlimmste war, dass wir im EHF-Pokal rausgeflogen sind. Die beiden Spiele gegen Chambery Savoie waren nicht so gut. Deshalb können wir nicht zufrieden sein, insbesondere mit dem EHF-Cup.

Woran lag es letztlich?

Fabian Wiede: Es ist immer schwierig zu sagen, woran es genau gelegen hat. Im EHF-Pokal hätten wir im Hinspiel in Berlin schon den Sack zumachen müssen. Wir haben zwei Mal mit vier Toren Vorsprung geführt, geben das aber innerhalb von ein paar Minuten wieder einfach aus der Hand. Wir wussten, dass es in Chambery sehr schwer werden würde, und das hat man dann auch gesehen. Gegen die Rhein-Neckar Löwen im Pokal – die sind eine Weltklassemannschaft, sind nicht umsonst Tabellenführer in der Bundesliga – das war für uns das schwerste Los überhaupt. Wir haben alles probiert, aber es hat einfach nicht geklappt.

Wie beurteilst Du Deine eigene Leistung bislang?

Fabian Wiede: Im Großen und Ganzen ist sie wohl eigentlich ganz gut. Ich habe in den Spielen gegen Hamburg und Göppingen, die wir verloren haben, nicht so gut gespielt. Aber in den meisten Spielen war ich sehr zufrieden mit meiner Leistung.

Warum gelingt es Euch so selten über die gesamte Spielzeit, die Konzentration hoch zu halten und Eure Angriffe ruhig und souverän zu Ende zu spielen?

Fabian Wiede: An der Abstimmung liegt es nicht, wir sind jetzt lange genug zusammen. Wir wissen, was der andere Spieler macht. Es fehlt uns an Variabilität. Wir sind sehr berechenbar, haben nur vier Rückraumspieler, die wirklich spielen. Das ist für die gegnerischen Mannschaften leicht zu lesen, was da auf sie zukommt. Daher können sie sich immer sehr gut auf uns einstellen. Ich denke, das ist unser großes Manko. Wir müssen mehr überraschende Dinge ins Spiel bringen, um die Gegner vor ständig neue Aufgaben zu stellen. Konzentration – na ja wir müssen viel spielen, müssen alle sehr lang spielen, haben auch viele Spiele hinter uns, das ist dann auch klar, dass es manchmal an der Konzentration ein wenig fehlt. Daran müssen wir arbeiten.

Wie sehr fehlen Euch die Langzeitverletzten wie Paul Drux & Co?

Fabian Wiede: Die fehlen uns natürlich sehr! Wir haben nicht so viele Rückraumspieler und Paul ist unser einziger Halblinker zurzeit, den hätten wir schon sehr gut gebrauchen können. Deshalb hoffe ich, dass er bald wieder zurückkommen kann. Das wird dann ganz sicher ein ganz anderes Spiel von uns. Paul hat aber auch in der Abwehr im Innenblock und halblinks sehr gut gespielt. Deshalb wird er uns ganz sicher in der zweiten Saisonhälfte sehr helfen können, wenn er wieder fit ist.

Euer Kapitän, „Freddy“ Petersen, hat Euch mitten in der Saison in einer schwierigen Phase verlassen… Wie ist die Stimmung im Team?

Fabian Wiede: Die Stimmung ist eigentlich gut. Aber wir wissen alle, dass Spieler auch mal gehen und sich neue Ziele setzen. Und das war bei „Freddy“ so. Er war sicher auch ein wenig unzufrieden, weil er länger mal nicht gespielt hat. Da war dann auch die logische Konsequenz seitens des Vereins, da er uns nicht mehr so weitergeholfen hat wie in den vergangenen Jahren, dass sich beide Seiten dann auf eine Trennung verständigt haben.

Ihr habt mit Silvio Heinevetter und Petr Štochl zwei richtig gute Torhüter, was schätzt Du an Ihnen?

Fabian Wiede: Sie können beide immer Top-Leistungen abrufen. Sie sind immer unberechenbar, vor allem „Heine“. Bei dem weiß man vorher nie, was er macht. Es kann gut ausgehen, es kann schlecht ausgehen. Der hat immer die verschiedensten Paraden drauf. Bei Petr weiß man, dass er immer sehr gut mit seinen Abwehrspielern spielt. Er ist sehr abwehrorganisiert, er geht richtig gut in seine Ecken rein und macht dann da die Dinger zu. Das ist eine sehr gute Variabilität mit dem auf seine Abwehr sehr gut eingestellten Štochl, wenn die Abwehr mal nicht so gut funktioniert, dann kann „Heine“ reinkommen und was anderes machen, was die Gegner vielleicht nicht erwarten.

Die Europameisterschaft steht vor der Tür, der Nationaltrainer Dagur Sigurdsson, Dein Ex-Heim-Trainer, hat Dich nominiert…

Fabian Wiede: Ich bin natürlich sehr glücklich darüber, dass er mich in den Kader für die EM aufgenommen hat. Ich freue mich einfach sehr darüber, dabei sein zu dürfen. Das ist meine erste Europameisterschaft bei den Männern. Ich hoffe natürlich auch darauf, spielen zu können. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es ablaufen und was auf mich zukommen wird.

Bei der letzten Weltmeisterschaft warst Du nicht dabei, jetzt fehlen Deine Mannschaftskameraden Paul Drux und Silvio Heinevettter… schon komisch oder?

Fabian Wiede: Ach komisch, es gibt immer mal Phasen, in denen man mal gut oder schlecht spielt. Der Bundestrainer sieht das auch, er schaut sich viele Videos an, er geht in vielen Hallen zu den Spielen, er sieht wer eine gute Form hat und auf wen er setzen kann. Das war bei mir im vergangenen Jahr nicht der Fall, da hatte ich eine schlechte Form und war nicht gut drauf. Von daher war es die logische Konsequenz, dass ich nicht mitgefahren bin nach Katar. Und bei „Heine“ ist es gerade ähnlich, er ist auch gerade nicht in seiner besten Form und deshalb lässt der Bundestrainer ihn für dir EM zuhause. Im nächsten Jahr kann das dann schon wieder ganz anders sein.

Aber es wäre schon cool gewesen, mit den beiden bei der EM gemeinsam zu spielen…

Fabian Wiede: Ja, natürlich! Es ist immer cool, mit seinen Berliner Klubkameraden auch in der Nationalmannschaft zusammen zu spielen. Das ist immer schön, aber wie gesagt, zurzeit sind andere besser und Paul ist noch nicht wieder fit. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass die beiden in Polen nicht mit dabei sind.

Mit welchem Ziel gehst Du in die EM?

 Fabian Wiede: Wir wollen natürlich ganz vorn mitspielen. Ob das schon so gut klappen wird, das wissen wir nicht. Erst mal wollen wir die Gruppenphase überstehen, weil wir auch momentan ein sehr junges Team haben. Wir haben eine sehr schwere Gruppe. Wenn wir die Gruppenphase schaffen und in die nächste Runde einziehen, dann ist alles möglich. Das sind dann KO-Spiele, und ich denke, dass wir da jede Mannschaft schlagen können.

Seid Ihr wieder mal reif für einen Titel?

Fabian Wiede: Wir haben gerade einen Umbruch hinter uns. Wir sind eine noch sehr junge Mannschaft, relativ unerfahren. Wenn wir dann gegen Dänemark, Spanien und Frankreich spielen, treffen wir auf enorm erfahrene Spieler, Weltklassespieler. Von daher wird es natürlich sehr, sehr schwer. Mit dem Titel kann man nicht rechnen. Viele hoffen auf eine Überraschung, aber ich glaube, da brauchen wir noch ein paar Jahre dafür.

Was wünschst Du Dir persönlich für das Jahr 2016?

Fabian Wiede: Das wir hier im Verein alle sehr gut miteinander klar kommen, miteinander wieder Spiele gewinnen und wieder oben dabei sind bei den Top 5. Und natürlich will ich gesund bleiben, will hart an mir weiter arbeiten im Training und dann den nächsten Schritt nach vorn machen.

Am 16. Januar beginnt für die deutsche Nationalmannschaft die EM mit der Partie gegen Spanien (live im ZDF). Am Montag, 18. Januar, geht’s um 20.30 Uhr gegen Schweden (live in der ARD).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.