Paul Drux (Füchse Berlin)

»Ich mag es ganz gern, Verantwortung zu übernehmen!«

BERICHT & INTERVIEW & FOTO: Andreas Düllick (strassenfeger 10/2015)

Paul Drux – im Höllentempo vom Nachwuchsmann zum Nationalspieler ©Andreas Düllick

Das hatte sich der »Jungsfuchs« Paul Drux ganz anders vorgestellt. Sein Team stand schließlich gleich in zwei Pokal-Halbfinalspielen: Am ersten Mai-Wochenende im DHB-Pokal in Hamburg und am Wochenende darauf im EHF-Pokal im heimischen »Fuchsbau«. Die äußerst knappe Niederlage im Halbfinale des DHB-Pokals gegen den SC Magdeburg war sehr schmerzvoll. Lange führten die »Füchse« gegen die favorisierten Bördestädter, teilweise sogar mit vier Toren. Leider ging ihnen in der zweiten Hälfte die Puste aus. In der Abwehr war man nicht aufmerksam genug, und die oft überragenden Torhüter Silvio Heinevetter und Petr Štochl boten nur Durchschnittliches. Im Angriff fehlten die Ideen und die Durchschlagskraft. Pech hatte Fabian Wiede in den Schlusssekunden, als er am Magdeburger Torwart scheiterte. Dass die Magdeburger im Endspiel mit einem Unentschieden nach Verlängerung dann äußerst knapp erst im Siebenmeterwerfen an der HSG Flensburg-Handewitt scheiterten, konnte die Berliner nicht versöhnen. Trotzdem war die Stimmung beim Training vor dem EHF-Final-Four extrem gut und auch Trainer Dagur Sigurðsson war sehr zuversichtlich. (Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.) Andreas Düllick traf Paul Drux anlässlich der beiden Final-Fours und sprach mit ihm über die Saison, die Handball-WM in Qatar und seine Vorbilder.

Andreas Düllick: Die Leistungen der Füchse in der Bundesligasaison waren extrem wechselhaft?

Paul Drux: Na ja, wir hatten viele verletzte Spieler schon seit Anfang der Saison. Das war nicht einfach zu kompensieren. Sagen muss man auch, dass wir ein paar richtig schlechte Spiele gemacht haben. Das darf uns so eigentlich nicht passieren bei dem Anspruch, den wir haben. Und dann haben wir auch wieder ein paar ganz gute Spiele gemacht. Erklären kann ich das nicht, so ist der Sport.

Schaut man sich das Torverhältnis der Bundesligaklubs an, sieht man, dass die Füchse schlechter sind als die Spitzenklubs…

Paul Drux: 27 Tore pro Spiel, damit kann man schon relativ viele Spiele gewinnen. Das ist eigentlich gar nicht so schlecht. Aber wir haben einige extrem schwache Spiele abgeliefert, das zieht den Schnitt nach unten.

Deine Torstatistik lautet: 83 Tore, 80 Feldtore, drei Siebenmeter, macht eine Quote von 2,7 Toren pro Spiel… Ausreichend oder verbesserungswürdig?

Paul Drux: Ich denke, für meine erste Saison in der Männermannschaft ist das ganz ordentlich. Aber sicherlich muss da demnächst noch ein bisschen mehr kommen. Aber so ist das, ich habe einige richtig gute Spiele gemacht, und es gab welche, in denen ich nicht ein einziges Mal aufs Tor geworfen habe, weil ich nur wenig oder fast nur in der Abwehr gespielt habe.

Du spielst die erste Saison in der Männermannschaft. Wer sind Deine Vorbilder und »Lehrer«?

Paul Drux: Ganz klar Iker Romero! Der hat mir schon viel beigebracht. Auch schon im letzten Jahr, als ich noch nicht so richtig zur ersten Mannschaft der Füchse gehörte. Der hilft mir sehr viel. Aber auch Pavel Horak, der auch auf meiner Position spielt. Das sind die beiden Spieler, die mir am meisten mitgeben.

“Paule” Drux hat mittlerweile reichlich Erfahrung mit Interviews ©Andreas Düllick

Du spielst jetzt in der Bundesliga, warst auch bei der WM dabei. Du hast jetzt viel Druck…

Paul Drux: Ich mag es ganz gern, Verantwortung zu übernehmen, solche Spiele, wo ich das machen muss, machen mir am meisten Spaß. Außerdem habe ich das schon in der A-Jugend gelernt. Von daher kann ich damit ganz gut umgehen.

Stichwort Bob Hanning und Dagur Sigurðsson?

Paul Drux: Die machen beide eine sehr gute Arbeit hier! Sie geben mir viel Vertrauen, und sie haben natürlich auch viel Mut bewiesen, so junge Spieler wie mich oder Fabian Wiede hier einzusetzen. Dafür bin ich sehr dankbar und ich hoffe, ich kann dieses Vertrauen zurückzahlen.

Wie hast Du Deine erste Männer-WM erlebt?

Paul Drux: Ich habe ja schon ein paar Turniere gespielt in den Jugend- und Junioren-Nationalmannschaften, aber im Männerbereich ist das schon noch was ganz anderes. Wenn man früher so einen Topstar wie Mikkel Hansen im Fernsehen gesehen hat, und plötzlich steht man vor dem und spielt gegen ihn… Es war einfach ein geiles Erlebnis, einfach überwältigend!

Was war mit Euch los im Spiel gegen Qatar?

Paul Drux: Die hatten wirklich ein sehr gutes Team! Wie dieses Team zustande gekommen ist, das ist eine ganz andere Frage. Aber dieses Team war sehr stark, und wir haben das schlechteste Spiel der gesamten Weltmeisterschaft abgeliefert. Und dann verliert man. Das war schon echt traurig, weil wir kurz davor waren, ins Halbfinale einzuziehen und dann so bitter auszuscheiden…

Was hast Du mitgenommen von dieser WM: Erfahrungen, Spielsysteme…

Paul Drux: Spieltechnisch eher weniger. Das meiste war wirklich Erfahrung.

Steckbrief Paul Drux:

Alter: 20 Jahre

Geburtsort: Gummersbach

Position: Linker Rückraum, Rechtshänder

Größe: 192 cm

Gewicht: 95 kg

Spiele Bundesliga 2014/2105: 31

Tore: 78

Nationalmannschaft: Teilnahme WM 2104, 7. Platz

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