74. ISTAF in Berlin (2015)

Eine Weltbestzeit und zwei deutsche Siege

Beim 74. ISTAF der Leichtathleten glänzten neben den Werfern vor allem die Läufer auf den Mittelstrecken mit Topleistungen

(2015)

BERICHT: Andreas Düllick und Christoph Mews / FOTOS: Andreas Düllick

Vorstellung der Athlet*innen für das ISTAF ©Andreas Düllick

Zwei Siege durch deutsche Leichtathletik-Asse, eine Weltbestzeit über die wenig gelaufenen 2.000 Meter Hindernis und zwei schnelle Runden über die doppelte Stadionrunde haben das Berliner ISTAF erneut zu einem Highlight unter den internationalen Leichtathletik-Sportfesten gemacht. Bei der 74. Auflage des größten und ältesten Eintages-Meetings der Welt gewannen am 6. September bei mäßigem Leichtathletik-Wetter – aber Super-Stimmung – im Berliner Olympiastadion Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz und Hammerwerferin Kathrin Klaas ihre Wettbewerbe gegen starke internationale Konkurrenz. Hindernis-Läuferin Virginia Nganga aus Kenia glänzte mit neuer Weltbestzeit über die fünf Stadionrunden und die Britin Lynsey Sharp und Nijel Amos aus Botswana liefen mit 1:57,71 beziehungsweise 1:43,28 Topzeiten über die 800 Meter.

Beindruckende Erfolgsserie

Für den ersten deutschen Sieg in der rund sechsstündigen Veranstaltung mit viel Pyrotechnik, Nebel und fetten Musik- Sound sorgte Kugelstoßerin Christina Schwanitz vom LV 90 Erzgebirge. Für die gebürtige Dresdnerin, die eine Woche zuvor in Peking mit dem WM-Titel ihren größten sportlichen Erfolg in ihrer Karriere gefeiert hat, war es bereits der sechste Sieg in Serie. Trotz schwieriger Bedingungen im Ring wuchtete Schwanitz die Kugel auf gute 19,66 Meter und verwies damit die beiden US-Girls Michelle Carter (19,11 m) und Tia Brooks (18,31 m) auf die weiteren Plätze. »Es war kein tolles Wetter, 15 Grad Temperatur-Unterschied zu Peking. Ich hatte mir natürlich mehr erhofft, aber die Power hat gefehlt« sagte eine nicht ganz zufriedene Seriensiegerin nach dem Wettkampf.

Kurz zuvor hatte bereits Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor versucht, der Kälte (16 Grad) und den wechselnden Winden zu trotzen. »Die Woche war ganz schön anstrengend. Montag kamen wir aus Peking zurück, am Mittwoch ging es weiter nach Zürich. Deswegen war ich heut etwas platt.«, meinte eine von leichten Achillessehnenproblemen geplagte Molitor. Am Ende einer langen Saison reichte es noch einmal zu 61,19 Meter, was Platz zwei hinter der Israelin Marharyta Dorozhon (63,24 m) bedeutete.

Klaas gewinnt Hammerwurf-Konkurrenz

Für einen weiteren Erfolg aus Sicht der deutschen Leichtathletik sorgte Hammerwerferin Kathrin Klaas. In Abwesenheit von Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk aus Polen und Mannschaftskollegin Betty Heidler – beide hatten krankheitsbedingt abgesagt – gewann sie die spannende Hammerwurfkonkurrenz mit 72,09 Meter vor Amber Campell aus den USA (70,94 m). Das es zu Würfen an oder über die 75-m-Marke an diesem Tag nicht reichte, war für Klaas nicht so wichtig: »Es gibt Wettkämpfe, da geht es um Weite. Und es gibt Wettkämpfe, da geht es um die Platzierung. Heute war so ein Wettkampf. Für die Zuschauer war es super, weil es Spannung und Führungswechsel gab.«

Und auch Vizeweltmeister David Storl und Diskuswerfer Christoph Harting hauten noch mal ein ordentliches Pfund raus. Der Chemnitzer Storl belegte mit beachtlichen 21,19 Metern in einer starken Kugelstoß-Konkurrenz den zweiten Platz hinter dem Neuseeländer Thomas Walsh (21,47 m), der WM-Achte Harting (65,15 m) lieferte sich einen tollen Kampf mit dem Weltmeister Piotr Malachowski (66,13 m) aus Polen.

Gesa Felicatas Krause rennt deutschen Rekord beim ISTAF im Berliner Olympiastadion ©Andreas Düllick

Deutscher Rekord durch Gesa Krause 

Für den absoluten Höhepunkt des diesjährigen ISTAF sorgten aber die Läuferinnen über die 2.000 m Hindernis. Bereits vor dem Start waren dabei die Augen der rund 45.000 Zuschauer insbesondere auf die Überraschungs-Dritte der WM, Gesa Felicitas Krause, gerichtet. Die 23jährige Frankfurterin hatte in Peking mit ihrem beherzten Rennen über die 3.000 m Hindernis für die erste deutsche Laufmedaille bei einer WM nach 14 Jahren gesorgt. Und auch in Berlin sollte die sympathische Läuferin nicht enttäuschen. In einem hochklassigen Rennen pulverisierte Krause als Drittplatzierte ihren erst im Mai dieses Jahres aufgestellten Rekord um mehr als elf Sekunden auf 6:04,20 Minuten. Schneller waren nur die Kenianerin Virginia Nganga in neuer Weltbestzeit (6:02,16) und Landsfrau Beatrice Chepkoech 6:02,47). Siegerin Nganga, die in Peking noch mit Platz sieben enttäuschte, richtete bereits kurz nach dem Rennen den Blick nach vorn: »Das Wetter war sehr gut für mich, ich denke das es bei diesen Temperaturen auch möglich ist unter sechs Minuten zu laufen.«

Verena Sailer sagt ade

Für Sprinterin Verena Sailer war dagegen der fünfte Platz im 100-Meter-Lauf die Abschiedsvorstellung vom aktiven Sport. Die 29jährige Europameisterin von Barcelona 2010 über 100 Meter und WM-Dritte 2009 mit der 4x100m-Staffel hatte einen Tag zuvor überraschend ihren Rücktritt erklärt. Nach den letzten 100 Metern ihrer langen und erfolgreichen Karriere und einer emotionalen Ehrenrunde sagte eine bewegte Sailer ade: »Es war etwas Besonderes, das letzte Rennen meiner Karriere hier in Berlin zu absolvieren. Danke Berlin, ich habe die Ehrenrunde genossen.«

Shawn Barber (Kanada) war einer der Stars beim ISTAF in Berlin ©Andreas Düllick

Zufrieden mit dem Berliner Traditionsevent, dessen TV-Bilder in 160 Ländern über die Bildschirme flimmerten, war auch Meeting-Direktor Martin Seeber: »Das Wetter hat uns heute 10.000 Leute gekostet. Die nicht da waren, die Karten hatten und nicht gekommen sind. Das ist ein bisschen schade. Ansonsten sind wir zufrieden. Ganz klar, wir haben unser Konzept weiter entwickelt. Die Pyrotechnik-Geschichten werden wir weiter machen. Ich glaube, das ist der richtige Weg für die Leichtathletik.«

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