GeBALLt gegen Armut – Fußball-Benefiz 2014

Raus aus dem Abseits

Bei »geBALLt gegen ARMUT“ kicken Ex- Profis und Nachwuchsfußballer gegen Armut (2014)

Interview & Fotos: Andreas Düllick

Die Bundeligatrainer Meyer und Falko Götz unterstützen das Benefitzturnier “GeBALLt gegen Armut” in der HOWOGE-Arena ©Andreas Düllick

Unter dem bezeichnenden Motto »GeBALLt gegen Armut« haben nur wenige Tage vor dem Start der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien große Legenden des Fußballs für Würde, Teilhabe und Chancengleichheit in der HOWOGE-Arena »Hans Zoschke« in Berlin-Lichtenberg gekickt. Der frühere rumänischen Nationalspieler, Marcel Răducanu, der sechs Jahre für Borussia Dortmund spielte, trainierte dabei mit benachteiligten Berliner Kindern. Răducanu betreibt in Dortmund eine Fußballschule. Ihm zur Seite stand der griechische Nationalspieler Ioannis Amanatidis, früher beim VfB Stuttgart und bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag.

Reichlich Fußball-Prominenz ©Andreas Düllick

Zu den vielen früheren Bundesligaprofis, die nach Berlin gekommen waren, gehörten u. a. die deutschen Nationalspieler Carsten Ramelow (Hertha BSC und Bayer Leverkusen), Jens Nowotny (Bayer Leverkusen), Maurizio Gaudino (Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart), Martin Pieckenhagen ( Hansa Rostock, HSV), der kroatische Nationalspieler Ivan Klasnić (Werder Bremen), der griechische Nationalspieler Kostas Konstadinidis (Hertha BSC, 1. FC Köln, Hannover 96), der Globetrotter Lutz Pfannstiel (spielte in Teams auf allen Kontinenten) und die Lokalhelden Andreas »Zecke« Neuendorf (Hertha BSC), Axel Kruse (Hertha BSC) Christian Beeck (Union Berlin, Energie Cottbus). Leider musste der Dribblekünstler Pierre Littbarksi kurzfristig absagen.

Im Spiel der Berliner Legenden-Elf mit Ex-Kickern von »Hertha« und »Union« gegen Bundesliga-Legenden gelang Ivan Klasnić übrigens ein tolles Volleytor zum 1:0. Trainer-Legende Hans Meyer (Trainer beim 1. FC Union Berlin und bei Hertha BSC) nach dem Spiel: »Das Tor könnte heute noch Tor des Jahres werden!« 3:2 ging es am Ende für die Berliner Elf aus. Doch das war letztlich natürlich völlig egal. Obwohl die beiden Trainer vor dem Spiel vor Ehrgeiz nur so brannten. Gewinnen wollten beide, unabhängig davon, dass es es »nur« um den guten Zweck ging.

Kultschiedsrichter Walter Eschweiler mit fast 80 Jahren schnell wie ein Pfeil ©Andreas Düllick

Mit dabei war auch die Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler (Die »Pfeife der Nation«). 15 Benefiz-Spiele leitet der 78-Jährige noch in jedem Jahr. Topfit bei kurzen Sprints, und fast immer auf Ballhöhe. Respekt!

Und – auch die neu formierte Rockband »Jupiter Jones« ging an den Start. Leider fanden bei extrem heißem Wetter am Pfingstsamstag nur rund 2.000 Zuschauer den Weg ins Stadion. Dafür war der rbb mit voller »Kapelle« vor Ort: Achtzig Mitarbeiter (!) sorgten dafür, dass die Veranstaltung bei »Radio Eins« und im rbb-Fernsehen live übertragen werden konnte. Großer Dank an dieser Stelle, das war super!

Peter Hermanns und Robert Veltmann sind die Macher von “GeBALLt” ©Andreas Düllick

Veranstaltet wurde dieses Benefizspiel von der GEBEWO – Soziale Dienste GmbH, vom Internationalen Bund, einem der großen Anbieter für Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit in Deutschland, und dem Gangway e.V. – Straßensozialarbeit in Berlin. Die soziale Straßenzeitung strassenfeger war selbstredend mit dabei und produzierte für das Event das Stadionmagazin »stadionfeger «. Zwei Personen haben entscheidenden Anteil daran, dass diese Veranstaltung ein großer Erfolg wurde: Robert Veltmann ist Geschäftsführer der GEBEWO. Peter Hermanns arbeitet beim Internationalen Bund und ist Sportagent. Andreas Düllick sprach mit den beiden engagierten Machern kurz nach dem Event über die Idee, die Planung und das Event selbst.

Sonderausgabe des strassenfeger: Stadionfeger “GeBALLT gegen Armut”

Andreas Düllick: Peter und Robert, »gebBALLt gegen ARMUT« – auf diese Idee muss man erst mal kommen…

Peter Hermanns: Es gab zwei Grundideen: Die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland geht immer weiter auseinander. Genau das Thema wollten wir in der Öffentlichkeit stärker platzieren. Wir haben uns dann für das Medium »Fußball« entschieden, denn Fußball ist übergreifend, den findet fast jeder toll. Und es gibt viele Fußballer, die sich gern sozial engagieren. Ich habe ja selbst gute Kontakte zum Fußball, da lag das nah.

Robert Veltmann: Peter und ich wir arbeiten seit gut vier Jahren in der Fachgruppe »Armutsbegriff« der Landesarmutskonferenz (lak). Und dann saßen wir abends kurz vor Weihnachten 2013 beim Bier und haben weiter Ideen gesponnen. Peter hat mir dabei von seinen Kontakten zu Fußballprofis erzählt und von der Idee, dass er gern mal eine Benefizspiel mit Fußballlegenden organisieren würde. Wir fanden, zu zweit kann man so was besser stemmen, und so haben wir an diesem Abend beschlossen, das zu probieren. Wir mussten das aber mit unseren anderen Kollegen natürlich absprechen. So kam der Ball ins Rollen.

Robert Veltmann freut sich über die gelungene Veranstaltung ©Andreas Düllick

Wir habt Ihr diese Veranstaltung denn so praktisch aus dem Nichts gestemmt:

Robert Veltmann: Die erste Herausforderung war natürlich, einen Ort und einen Zeitpunkt zu finden. Wir hatten wegen der Ligaspiele und der WM nur ein Zeitfenster von zweieinhalb Wochen. Der 7. Juni war der einzige Tag, der dann passte. Beim Ort kamen auch nur wenige in Frage. Relativ schnell fiel dann die Wahl auf die HOWOGE-Arena, weil wir da mit 10.000 Plätzen auch die Größe haben, die wir brauchen.

Peter Hermanns: Mit Hilfe vieler Menschen wie z. B: Andreas Pilz (Sports Consulting) oder »Zecke« Neuendorf, Steffen Baumgart oder Marco Gebhardt – es gab viele Spieler, die sich persönlich engagiert und die vermittelt haben, auch die Jungs vom Magazin »11Freunde«. Wir haben mit 350 Spielern im letzten halben Jahr gesprochen. Davon sind jetzt 31 gekommen, das ist also die Ausbeute. Ich bin froh und glücklich, dass die Jungs alle dabei waren.

“Zecke” Neuendorf von Hertha BSC war auch dabei ©Andreas Düllick

Für so ein Benefizspiel braucht man Spieler, Schiedsrichter, Sponsoren. Wir habt Ihr die rangekriegt?

Peter Hermanns: Wir haben einen Haushalt aufgestellt und geschaut, was haben wir an Einnahmen und Ausgaben. Dieser Haushalt ist relativ schnell über den Haufen geworfen worden, weil die Einnahmen weniger wurden, die Ausgaben aber auch. Eine Erkenntnis daraus ist: Armut ist kein Thema, mit dem sich Unternehmen gern beschäftigen. D. h. mit der Organisation von Sponsoren war es sehr schwer. Andererseits haben uns doch einige Spender Geld gegeben, sodass wir sagen können: Das Projekt, dass wir unterstützen wollen, das können wir auch unterstützen.

Für die Veranstalter Peter Hermanns und Robert Veltmann war es ein hartes Stück Arbeit ©Andreas Düllick

Robert Veltmann: Die Spieler hat ja der Peter alle organisiert über seine Kontakte. Der finanzielle Aufwand ist natürlich ganz erheblich. Es war klar, dass man auch genügend Zuschauer ins Stadion locken muss, auch wenn die Spieler, Schiedsrichter etc. das alles kostenlos machen. Das Problem bei der Sponsorensuche war, dass ein halbes Jahr Vorbereitungszeit zu kurz ist. Die großen Firmen, die viel Geld haben, machen die Sponsoringplanung schon sehr früh, dann sind diese Etats vergeben. Die kleineren Firmen haben nicht so viel Geld. Und weil es auch die erste Veranstaltung dieser Art war, waren die Sponsoren auch erst mal sehr zurückhaltend.

Das Engagement Berlins war eher dürftig…

Robert Veltmann: (lacht) Das Land Berlin und Geld – das ist so ein ganz spezielles Thema, wie wir alle wissen. Wir haben es ja immerhin geschafft, ein Grußwort des Regierenden Bürgermeisters zu bekommen. Eine finanzielle Unterstützung gab es leider nicht. Der Sozialsenator Mario Szaja, der ja eigentlich für das Thema »Armut« zuständig ist, hat sich für das Thema gar nicht interessiert. Nur das Bezirksamt Lichtenberg, gerade in Person des Bürgermeisters Andreas Geisel, hat uns ganz praktisch unterstützt.

Peter Hermanns: Es gibt Menschen aus der Landespolitik, die für das Projekt geworben haben, z. B. Martin Beck (Bündnis 90/Die Grünen). Ich glaube, dass man mit der Politik nicht so rechnen kann, dafür sind die Unternehmen eher in der Pflicht. Weil die ja am Ende auch etwas davon haben, wenn es um den Kampf gegen Armut geht. Insgesamt müssen wir bei den Sponsoren im nächsten Jahr nachlegen.

Axel Kruse – immer zu einem Spaß bereit ©Andreas Düllick

Wie haben sich die großen Berliner Klubs Hertha BSC und der 1. FC Union positioniert?

Robert Veltmann: Am Anfang gar nicht, weil ja der Ligabetrieb noch lief. Zum Schluss hin gab es Unterstützung. Beide Klubs haben in ihren letzten Ligaspielen auf die Veranstaltung hingewiesen. Von »Hertha« haben wir Fanartikel bekommen, die wir für die beteiligten Kinder am Training mit Răducanu zur Verfügung gestellt haben.

Ganz besonders herausstellen muss man ganz sicher das großartige Engagement des rbb?

Robert Veltmann: Wir sind dem rbb sehr dankbar für dieses tolle Engagement! Dass war eine ganz große Nummer, dass so ein Benefizspiel live im Radio und im Fernsehen übertragen wird. Anfang Januar hatten wir mit dem rbb-Sportchef Klawitter gesprochen. Der von unserer Idee sehr begeistert und hat auch relativ schnell zugesagt, dass der rbb im Boot ist und auch live übertragen wird. Das hat uns auch noch mal einen Schub gegeben, uns voll dahinter zu klemmen.

Der rbb im vollen Einsatz ©Andreas Düllick

Peter Hermanns: Der rbb hat ein tolles Konzept entwickelt und einen Riesenaufwand betrieben. Das hat uns eine Menge an Aufmerksamkeit gebracht. Jetzt müssen wir mal schauen, wie der rbb selbst dieses großartige Engagement sieht. Wir haben im Juli eine gemeinsame Auswertung und hoffen sehr, dass der rbb im nächsten Jahr wieder so im Boot ist.

Welches Fazit zieht Ihr direkt nach der Veranstaltung?

Peter Hermanns: Wenn ich Politiker wäre, würde ich sagen: Das ist jetzt gerade mal zwei Stunden her, jetzt muss ich das erst mal in Ruhe analysieren. Aber ich bin ja keiner. Es gab drei Veranstalter – die GEBEWO, den Internationalen Bund und Gangway. Das funktioniert ja nicht immer reibungslos. Wir haben aber sehr gut zueinander gefunden und einen gemeinsamen Spirit entwickelt. Wir können sicherlich noch nachlegen in vielen organisatorischen Feinheiten. Wir sind ja nicht diejenigen, die normalerweise solche Benefizspiele organisieren, sondern wir machen soziale Arbeit. Wir müssen uns noch ein wenig Know-how draufschaufeln. Der Pfingstsamstag ist ganz sicher nicht der beste Termin, das haben wir gemerkt. Dann war es wahrscheinlich nicht ganz glücklich, es eine Woche vor dem Start der WM das zu machen, weil einige Fußballer schon in Brasilien sind. Aber für das erste Mal bin ich sehr zufrieden.

Robert Veltmann: Es war mega viel Arbeit! Aber diese Arbeit hat sich gelohnt, wir haben heute einen ganz wunderbaren Tag erlebt. Wir haben ein tolles Spiel gesehen. Es gab ein tolles Miteinander von Ehrenamtlern und Helfern. Wir haben viel gestemmt mit dem »BALL der Talente«, mit der Trainingseinheit, mit dem »BALL der Stars«, mit dem Straßenfest vor der Arena. Leider haben wir nicht so viele Zuschauer angelockt wie wir uns eigentlich erhofft hatten. So ein Veranstaltungsformat muss man anscheinend auch erst mal in Berlin etablieren.

Maurizio Gaudino hat alles gegeben ©Andreas Düllick

Geht es weiter und wenn ja, wie? Soll die Benefizveranstaltung »geBALLt gegen ARMUT« zu einer starken sozialen Marke entwickelt werden?

Peter Hermanns: Das ist auf jeden Fall mein großes Ziel! Mein Wunsch ist es, dass wir im nächsten Jahr weitermachen. Ich würde auch gern schon im Juli anfangen, eine Folgeveranstaltung vorzubereiten, weil die einfach Potenzial hat. Wenn man da wirklich dranbleibt, dann kann man gemeinsam wirklich etwas Tolles aufbauen. Das kann und darf keine Eintagsfliege bleiben!

Robert Veltmann: Viele Akteure bei der GEBEWO haben große Lust, das zu wiederholen. Ich habe von vielen Seiten gehört, dass »geBALLt gegen ARMUT« ein ganz tolles Format ist. Wenn wir diesen ganzen Stress, den wir hatten, verarbeitet haben, kann ich mir gut vorstellen, dass wir uns wieder auf dieses Abenteuer einlassen. Ganz wichtig ist mir aber auch: Wenn wir heute über Armut sprechen, reden wir über eine sehr starke Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen. Dieses Missverhältnis zwischen Reichtum und Armut lässt sich nur bewältigen, wenn ganz viele unterschiedliche Akteure der Gesellschaft daran beteiligen. Und wenn wir dass in so einer Veranstaltung thematisieren, dann wünsche ich mir schon sehr, dass das Land Berlin und auch andere sich stärker daran beteiligen und sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Da ist also noch sehr viel Luft nach oben. Ihr wolltet mit dem Benefizspiel auch das »nepia«-Feriencamp finanzieren. Wie steht es darum?

Robert Veltmann: Es gibt eine Vereinbarung zwischen der GEBEWO und dem Internationalen Bund, dass – egal wie das Event läuft – wir das absichern. Weil wir leider weniger Zuschauer als erwartet hatten, haben wir natürlich weniger Geld eingenommen dafür. Wir werden es aber trotzdem finanzieren aus eigenen Mitteln der beiden Träger, wollen aber gern auch noch Spenden in der Öffentlichkeit einwerben.

»Holt Euch den Pott!«

»GeBALLt gegen ARMUT«, die Fußball-WM und das deutsche Team

Text & Fotos: Andreas Düllick

Während der Veranstaltung haben wir die beteiligten Spieler, Trainer, den Schiedsrichter und Gäste um ihre Statements zu »geBALLt gegen ARMUT« und zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gebeten.

Echte Legenden: Axel Kruse, Maurizio Gaudino… ©Andreas Düllick

Warum engagieren Sie sich für »geBALLt gegen ARMUT«?

Hans Meyer: Ich bin von den Veranstaltern gefragt worden, ob ich mitmachen will. Es gibt ja eine ganze Menge Aktivitäten in dieser Richtung, und das ist gut so. Es ist fantastisch, dass es Menschen gibt, die sich Gedanken machen, wie wir das Problem der Armut anpacken können. Jahrelang hat sich da nichts getan. Die große Politik ist gefordert, viel mehr dafür zu tun, dass sich daran etwas ändert. Deshalb bin ich hier in Berlin!

Falko Götz: Wenn man etwas für Kinder tun kann, denen es nicht so gut geht, dann muss man einfach dabei sein. Noch dazu in meiner Heimatstadt Berlin. Deshalb habe ich nicht lange überlegt, sondern schnell zugesagt, hier mitzumachen.

Gefragte Interviewpartner: Falko Götz und Hans Meyer ©Andreas Düllick

Walter Eschweiler: Uns geht es durch den Fußball sehr gut. Deshalb haben wir auch die verdammte Pflicht, den Menschen, denen es nicht so gut geht, zu helfen. Das mache ich sehr gern. Wir verzichten hier ja auch alle auf ein Honorar. Wir kriegen nur von einer hübschen Dame einen Handkuss, das muss reichen.

Carsten Ramelow: Ganz einfach, weil ich gefragt wurde. Und weil es eine gute Sache ist. Wenn wir Spieler durch unsere Anwesenheit hier unseren Teil dazu beitragen können, das wir hier mit guten Mannschaften am Start sind, dass viele Zuschauer kommen, dass gut Geld eingespielt wird, dann freue ich mich sehr darüber und deswegen habe ich auch zugesagt.

Fachsimpeln… ©Andreas Düllick

Andreas »Zecke« Neuendorf: Es ist doch so, dass wir hier in Berlin um uns herum nicht nur Könige und Kaiser haben, sondern es gibt sehr viele Menschen, denen es nicht so gut geht. Und bei einer Sache wie dieser heute ist es selbstverständlich für mich, dabei zu sein. Wenn dabei der eine oder andere Euro reinkommt durch uns für den guten Zweck, armen Kindern unter fachlicher Anleitung ein Training zu ermöglichen, dann bin ich immer wieder sehr gern mit von der Partie!

Ein wenig außer Puste – Christian Beeck ©Andreas Düllick

Christian Beeck: Ich finde die Aktion so schön, weil in unserer Gesellschaft die Schere zwischen arm und reich so weit auseinander klafft. Die Möglichkeiten, Geld zu verdienen oder eben auch nicht, sind so unterschiedlich geworden. Menschen bereichern sich an anderen Menschen. Ich komme aus dem Osten, ich habe das schon in der Schule gelernt, wie das funktioniert – die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Und wenn so eine Aktion wie diese dazu beiträgt, dass wir uns alle mal wieder ein wenig erden, ruhiger werden, auch mal an den anderen denken und nicht immer nur versuchen, den anderen übers Ohr zu hauen, wenn das dazu beiträgt, dann können wir so eine Veranstaltung jede Woche machen! Übrigens: Ja, im Fußball wird sehr viel Geld verdient, da ist die Relation schon sehr verschoben. Aber wir Fußballer haben uns ja den Sport nicht mit sechs Jahren wegen des Geldes verdient. Und von hundert Fußballern haben 90 nach dem Karriereende kein Geld mehr.

Trainerlegenden unter sich… ©Andreas Düllick

Was erwarten Sie von der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien?

Hans Meyer: Zu den Chancen unserer Mannschaft kann ich momentan wenig sagen. Das Einzige, was aus meiner Sicht momentan für Deutschland spricht, ist, dass die Erwartungshaltung sich auf ein sehr normales Niveau begeben hat. Vor zwei Jahren noch hat man permanent den Jogi und dessen Jungs unter Druck gesetzt nach dem Motto: Wenn Ihr nicht endlich Weltmeister werdet, seid ihr blinde Fußballer!« Das hat sich aber offensichtlich durch die letzten Resultate, durch die Verletzungen von Spielern – jetzt noch diese Scheißverletzung von Marco Reus – zum Glück ein wenig auf ein normales Maß reduziert. Ich schaue mir die WM ganz optimistisch an und gehe davon aus, dass sich Deutschland immer steigern konnte, dann werden wir sehen. Ich bin auch zufrieden, wenn sie gut gespielt haben und wir sind »nur Vierter« geworden. Favorit ist immer der Gastgeber, vor allem wenn er Brasilien heißt. Außerdem sind Argentinien und Spanien zu erwähnen. Und dann muss man mal sehen.

Falko Götz: Den 6:1-Sieg gegen Armenien sollte man nicht überbewerten. Es ist gut, dass die Jungs mal ordentlich Tore gemacht haben und sich der eine oder andere Spieler Selbstvertrauen geholt hat, aber Armenien ist auch nicht der Über gegner gewesen. Da kommen jetzt ganz andere Kaliber. Schade ist es es, dass der Marco Reus sich verletzt hat, weil er wirklich eine ganz tolle Entwicklung gemacht hat. Was unser Spielsystem angeht, na dass werden wir zur WM sehen, wie das funktioniert.

Ich denke dass wir mit Portugal, Ghana und den USA schon sehr starke Gegner erwischt haben. Und da wird sich dann einiges einspielen. Ich glaube auch nicht, dass das System vom ersten Spiel an durch das Turnier hindurch gespielt werden wird. Ich glaube, dass unsere Mannschaft sehr variabel spielen muss, um die Gegner aus dem Weg zu räumen, die schon in der Gruppe auf sie warten. Wir haben viele Spieler die sehr offensiv ausgerichtet sind, haben ein sehr offensives Mittelfeld, deshalb denke ich schon, dass wir da genug Offensivpower drinsteckt, auch wenn Miro Klose nominell der einzige Stürmer im Aufgebot ist. Favoriten sind für mich die Südamerikaner – Brasilien und Argentinien, und natürlich Spanien.

Walter Eschweiler hat auch mit 78 Jahren den Durchblick ©Andreas Düllick

Walter Eschweiler: Wir kommen unter die letzten vier und wenn der Fußballgott ein Deutscher ist, dann wird er danach alles richten. Ich bin dienstlich abgeordnet an die deutsche Botschaft in Brasilia und fliege am 10. Juni.

Boxtrainer Uli Wegener war auch zur Unterstützung im Stadion ©Andreas Düllick

Uli Wegener: Das der Marco verletzt ist, das ist ein schwerer Schlag. Aber wir haben im Sturm, auf seiner Position, noch einige sehr gute Spieler. Was mir beim Team von Jogi aber wirklich auffällt: Es gibt keinen General! Typen wie Ballack oder Matthäus fehlen, ein Beckenbauer sowieso! Kein Overath, kein Netzer da… Sie sind alle viel zu lieb zueinander! Daran werden wir scheitern. Die wollen doch alle nur gute Freunde sen. Keiner ist da, der da mal richtig dazwischen haut und den anderen die Meinung geigt. Deutschland hat momentan tolle Einzelspieler, wir spielen tolle Kombinationen. Es fehlt aber ein richtiger Mittelstürmer. Klose ist doch schon lange über seinen Zenit. Ich bin fair und drücke die Daumen. Aber da uns ein General fehlt, werden wir es nicht schaffen. Brasilien und Spanien sind für mich die Favoriten, aber man muss auch auf Belgien aufpassen! Dass die gut sind, hat noch gar keiner so richtig mitgekriegt.

Carsten Ramelow: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist. Gegen Armenien lief es ganz gut, davor war es ein wenig holprig. Aber auf diese ganzen Vorbereitungsspiele sollte man nicht zu viel geben. Wenn es dann richtig los geht in Brasilien, dann ist es eine ganz andere Geschichte. Das wissen die Spieler von Jogi auch, und die sind auch ganz froh, wenn es dann endlich wirklich losgeht. Wenn das erste Spiel ansteht und du ganz heiß darauf bist. Es war eine sehr lange Saison, gerade für die Bayern- und Dortmund-Spieler, dann diese ganze Vorbereitung im Trainingslager… Irgendwann wird es Zeit, dass es dann losgeht.

Vieles hängt von der Fitness ab. Die Hitze und die Höhe bei der WM sind ganz interessant. Aber wenn unsere Jungs fit sind, dann können wir natürlich ein sehr gutes WM-Turnier spielen. Ich tippe auf Brasilien, dann auf Spanien, die ja immer eine gute Rolle spielen, vielleicht spielen sich aber auch ganz andere Teams in den Vordergrund, die wir momentan noch gar nicht auf dem Zettel haben. Belgien zum Beispiel! Aber für den WM-Titel setze ich ganz stark auf Brasilien! Ich werde das ganz entspannt zuhause anschauen und bin froh, wenn es jetzt endlich losgeht.

“Zecke” Neuendorf und Carsten Ramelow ©Andreas Düllick

Andreas »Zecke« Neuendorf: Ich hoffe, dass wir weit kommen. Minimum Halbfinale! Jeder hat die Chance, Weltmeister zu werden, warum nicht auch wir?! Nur weil wir in der letzten Zeit nicht ganz so gut aufgespielt haben und ein paar unser guten Jungs verletzt sind… Auch vor vier Jahren, als Micha Ballack verletzt ausfiel, sind andere in seine Fußstapfen getreten und haben ihre Sache auch gut gemacht. Hauptsache es wird eine schöne WM! Ich hoffe auch, dass eines der kleineren südamerikanischen Teams weit kommt – Paraguay oder Chile.

Christian Beeck: Ich bin immer ehrlich, mir gefällt das überhaupt nicht. Das sind alles keine Auftritte, die mich inspirieren, wo ich merke, da brennt eine Mannschaft bis unter die Haarspitzen. Die Jungs haben so viele Spiele, die haben eine Reizüberflutung durch die Bundesliga und die Champions League. Ich wünsche mir, dass sie trotzdem eine gute WM spielen. Dass wir auch hier in Deutschland eine gute Stimmung haben werden. Aber an den ganz großen Erfolg glaube ich nicht. Und nun fällt mit Marco Reus auch noch ein richtig guter Kicker, der erste Sahne ist, aus, das tut richtig weh. Dadurch wird es eher noch schwerer. Aber ich hoffe, dass sie die Vorrunde erst mal überstehen. Favoriten sind natürlich die üblichen Verdächtigen.

Link:

http://www.geballt-gegen-armut.de

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