Hertha BSC 1. Runde DFB-Pokal

„Konzentriert bleiben und gewinnen. Möglichst in 90 Minuten.“ Pál Dárdai

Hertha BSC startet mit Pokalspiel gegen Hansa Rostock in die neue Saison

 TEXT & FOTOS: Andreas Düllick

Pál Dárdai, Cheftrainer von Hertha BSC, auf der Pressekonfenferenz vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den FC Hansa Rostock ©Andreas Düllick

Am Montagabend geht es für Hertha BSC wieder los: Im Rostocker Stadion steigt das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den FC Hansa Rostock. Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Hier Hertha BSC, der Aufsteiger der letzten Jahre in der 1. Bundesliga, qualifiziert für den Europapokal. Dort der FC Hansa Rostock, abgerutscht in die dritte Fußballbundesliga und seit Jahren gegen den weiteren Abstieg kämpfend. „Hansa“ hat diverse Trainer verschlissen, ganz zu schweigen von dem wechselnden Spielerpersonal. Trotzdem ist das Spiel keine leichte Aufgabe für die Berliner. Am Samstag informierten Trainer und Manager über den Stand der Vorbereitungen auf dieses Spiel und generell über den Saisonstart.

Chefcoach Pál Dárdai kann aus dem Vollen schöpfen. Nur die U-21-Europameister Davie Selke und Niklas Stark sowie der Neuzugang Valentino Lazaro aus Salzburg werden noch fehlen. Maximilian Mittelstädt verletzte sich im Samstagstraining am Knöchel. Ob er nach Rostock mitreisen kann, ist noch offen. Für ihn steht auf jeden Fall Jordan Torunarigha als Nachrücker bereit. Welche 18 Spieler er mit in die Hansestadt nimmt, dass ließ Dárdai noch offen, dafür berichtete er den Journalisten, worauf es ankommen werde.

Pál Dárdai: „Ich habe meine 18 Spieler schon im Kopf. Die Stimmung ist gut, sogar zu gut. Die Trainingseinheiten in der ganzen Woche liefen vernünftig. Ich habe den Jungs gesagt: Bleibt bitte konzentriert, weil wir gestern gesehen haben, wie schwierig das im Pokal ist. Es gibt da keine sogenannten Favoriten. Man trifft meist auf sehr gute organisierte Mannschaften. Die Erst- und Zweitligamannschaften haben immer Probleme bei den Auswärtsspielen gegen die sogenannten kleinen Mannschaften. Das ist ein Pokalfight, ein Spiel, jeder gibt sein Bestes, und deswegen versuchen wir konzentriert zu bleiben und mit den besten 18 Spielern nach Rostock zu fahren, um zu gewinnen. Möglichst in 90 Minuten und nicht mit Verlängerung.“

Auf die vermeintlichen Stärken von Hansa Rostock angesprochen, sagte Dárdai: „Hansa Rostock hat schon unter Druck gespielt. Das ist eine sehr organisierte Mannschaft. Dazu haben sie den Heimvorteil in einem Pokalfight, dazu das eigene Publikum. Das darf man nicht unterschätzen. Ich glaube, wir haben eine sehr schwierige Aufgabe. Es ist immer etwas anderes unter Druck zu spielen. Diesen Vorteil haben die Mannschaften aus der zweiten Liga, weil sie ja schon angefangen haben. Aber wir schauen auf uns und können sagen, wir sind da, wo wir hinwollten mit der Mannschaft. Wir werden uns anschauen, wie es läuft, und dann werden wir das Spiel lenken bezüglich Spieleröffnung, Torgefahr und Kompaktheit. Aus meiner Sicht haben wir die bislang beste Saisonvorbereitung gemacht. Es ist alles optimal gelaufen. Wenn ich mir das Spiel gegen Galatasaray Istanbul anschaue, das war sehr ordentlich bis auf 20 Minuten. Die haben wir analysiert. Jetzt muss die Mannschaft zeigen, wie sie unter Druck funktioniert.“

Wie immer gab der Trainer nur einen kleine Einblick in seinen Matchplan: „Wir wollen gegen den Ball kompakt arbeiten. Wir wollen den Gegner nicht unterschätzen. Wir wollen strategischen Ballbesitz. Und letztlich wollen wir das, was beim Fußball zählt, torgefährlich sein und Tore machen. Deswegen werden wir mit zwei Stürmern spielen. Wie wollen Tore machen und gewinnen.“

Pál Dárdai gab dann auf Nachfrage seine Einschätzung zum Leistungsstand von Ondrej Duda ab: „Er hat Fortschritte gemacht. Er ist gesund und hat fast komplette durchtrainiert. Er macht einen sehr ordentlichen Eindruck. Er ist in unserem teaminternen Wettbewerb, bei dem die Spieler für den einleitenden Pass, den vorletzten und den letzten Pass und für das Tor Punkte bekommen, einen Tick vorn. Er hat sehr viel Selbstvertrauen getankt. Im Training macht er Tore ohne Ende.Ondrej muss richtig heiß sein, wenn er reinkommt. Er muss torgefährlich sein, Tore vorbereiten und Tore schießen, dafür haben wir ihn geholt.

Er arbeitet auch sehr gut gegen den Ball. Seine Querpässe hat er schon verbessert. Vertikal darf man sich Fehlpässe leisten, dann sind wir da, machen ein organisiertes Gegenpressing. Aber in der Bundesliga Querpässe schlampig zu spielen, das geht nicht, weil die Gegenspieler das Spiel lesen, antizipieren und dann den Ball klauen. Wir haben in der letzten Saison rund 15 Tore durch solche Umschaltaktionen kassiert. Das wollen wir nicht, wir brauchen da den strategischen Ballbesitz, das versteht Ondre langsam.“

Auch zu Spielmacher Vladimír Darida äußerte sich Dárdái: „Er macht Fortschritte und zeigt im Training auch wieder Fernschüsse, die im Netz landen. Strategisch denkt er auch mehr mit. Das ist jetzt unsere Aufgabe, das hinzukriegen auf der Position, auf der er gerade spielt. Er darf sich nicht nur am Ballbesitz und offensivem Spiel orientieren, sondern er muss mehr strategisch denken. Er soll durch die Mitte spielen und die Mannschaft führen. Wenn wir das hinkriegen mit ihm, dann ist er ein Topspieler für diese Position.“

Der Trainer informierte ebenfalls über die geplante Rotation im Tor: „In Rostock wird Stammkeeper Rune Jarstein im Tor stehen, er ist die Nummer 1. Wenn er sich nicht verletzt, dann wird er auch gegen Stuttgart die Nummer 1 sein. Dann wird Torwarttainer Zsolt Petry uns informieren, wie das wird, aber eine Rotation im Tor ist geplant.“ Hintergrund sind die Mehrfachbelastungen. So könnte Thomas Kraft in den Spielen der Europa-League seine Einsätze bekommen. Eine schlechte Nachricht gab’s am Sonnabend vom dritten Torhüter Jonathan Klinsmann. Er fällt wegen einer Bänderverletzung am rechten Sprunggelenk voraussichtlich mehrere Wochen aus.

Natürlich gab es auf der ersten Pressekonferenz der neuen Saison auch Fragen an den Trainer und den Manager nach den Saisonzielen. Pál Dárdai: Im DFB-Pokal wollen wir weiterkommen. Wir wollen ja alle unbedingt ins Pokalfinale, das ist unser Ziel. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir unser erstes Ziel schon verpasst. In den letzten beiden Jahren haben wir das knapp verpasst. Aber wir haben dabei Erfahrungen gesammelt und wissen, dass wir das Spiel am Montag ernst nehmen müssen. Über die Ziele für die Bundesliga sprechen wir dann nach dem Spiel in Rostock.

Michael Preetz: „Unser erstes Ziel ist, dass wir auch am Montag nach dem Abpfiff immer noch in dieser schönen Glaskugel drin sind, um ein Kandidat für die zweite Pokalrunde zu sein. Darum geht es am Montagabend in Rostock und um nichts anderes. Wie schwierig das ist, davon hat ja jeder bei den Spielen gestern einen Geschmack bekommen. Wir erinnern uns auch noch an die beiden Auswärtsspiele – gegen Bielefeld vor zwei Jahren und gegen Regensburg im letzten Jahr. Rostock ist ein ähnlicher Gegner, ein ambitionierter Drittligist, schwierige Aufgabe, am Ende steht das Weiterkommen, das ist das Ziel. Und dann sprechen wir vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart über unsere Ziele in der Bundesliga und international.“

Thema war auch der irrsinnige Transfer des Brasilianers Neymar von CF Barcelona zu Paris St. Germain für unfassbare 222 Millionen Euro. Dazu kommen noch die zu leistende Steuerzahlung und das Gehalt des Spielers von ca. 150 Millionen für die kommenden fünf Jahre. Michael Preetz dazu: „Die UEFA ist gut beraten, diesen Transfer gewissenhaft zu überprüfen. Financial Fairplay ist eine Regelung die natürlich auf dem Prüfstand steht, insbesondere im Zusammenhang mit so einem Transfer. Ich hoffe sehr, dass die Herren bei der UEFA diesen Transfer unter die Lupe nehmen und die Ergebnisse transparent machen.“

Das Spiel wird am Montag um 20.45 Uhr live in der ARD übertragen. 2.000 Fans fahren nach Rostock.

Zwei Nachrichten am Rande: Mathew Leckie ist Vater einer Tochter geworden. Und: Manager Michael Preetz feiert am nächsten Donnerstag, seinen 50. Geburtstag.

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