Hertha BSC – FC Hansa Rostock

Heftige Fankrawalle überschatten spannendes Pokalspiel

Hertha BSC zieht mit einem 2:0–Sieg gegen Hansa Rostock in die zweite Runde des DFB-Pokals ein

 Text: Andreas Düllick

Pyrotechnik im Block des FC Bayern München ©2017 Andreas Düllick

Eins vorweg: Es war ein munteres und durchaus spannendes Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen Hertha BSC und dem FC Hansa Rostock. Am Ende hatten die Berliner vollkommen verdient das bessere Ende für sich, sie gewannen mit 2:0. Leider hatte (und hat) das Spiel einen sehr bitteren Beigeschmack: Fans, die keine echten Fans sind, haben dafür gesorgt, dass das Spiel unterbrochen werden musste, ja fast vor dem endgültigen Abbruch stand. Es war skandalös, was sich Fangruppen von Hertha BSC und Hansa Rostock leisteten.

In der 76. Minute wurde wie bereits zuvor schon einmal Pyrotechnik gezündet, wurden Feuerwerkskörper und Raketen in die gegnerischen Fanblocks geschossen. Ein gestohlenes Hertha BSC-Fanbanner wurde von vermummten Rostocker Fans im gesperrten Block erst provozierend präsentiert und dann dort verbrannt. Dann brannten Sitzschalen und schwarzer Rauch zog durch das Stadion und über das Spielfeld. Die Sondereinsatzkräfte schauten dem kriminellen Treiben der vermummten Chaoten übrigens unverständlicher Weise minutenlang zu.

Schiedsrichter Robert Hartmann musste beide Mannschaften dann für rund eine Viertelstunde in die Kabinen schicken. Der Sport geriet dadurch zur absoluten Nebensache. Beide Vereine müssen wegen des Fehlverhaltens ihrer Fans sicher mit empfindlichen Strafen rechnen müssen. Den Rostockern droht der Ausschluss aus der nächsten DFB-Pokalsaison. Vollkommen unverständlich ist, wie die Fans beider Vereine bei dem als Hochrisikospiel eingestuften Match überhaupt Pyrotechnik mit ins Stadion bringen konnten.

Zurück zum Sport:

Das Spiel lief in der ersten Hälfe wie von „Hertha“-Coach Pál Dárdai vorausgesagt. Hans Rostock stand sehr kompakt und geordnet in der Abwehr, die tiefe Staffelung machte es den „Herthanern“ extrem schwer, vor das Tor der Hanseaten zu gelangen. Zudem war die Spieleröffnung von den beiden Innenverteidigern Sebastian Langkamp und Karim Rekik viel zu zaghaft, zu vorsichtig, zu langsam. Es fehlte zu oft am vertikalen Spiel, auch Per Skjelbred spielte den Ball immer wieder lieber sicher zurück, mit etwas Risiko nach vorn. Generell fehlte den Berlinern in der ersten Viertelstunde die notwendige Bissigkeit, das Gegenhalten, das Nachsetzen gegen aufopferungsvoll kämpfende Gastgeber. Auffällig: Salomon Kalou war extrem unkonzentriert und fahrig, spielte einen Fehlpass nach dem anderen.

Die Rostocker standen dagegen zeitweise extrem hoch und attackierten die „Hertha“-Spieler überraschender Weise schon an deren eigenen Strafraum. Berlin wiederum stand in dieser Phase des Spiels steht viel zu tief, speziell Darida und Skjelbred als eigentliche Antreiber und Organisatoren. Auffällig auch, dass die meisten „Herthaner“ die Bälle zumeist mit dem Rücken zum Tor angenommen haben, so konnte es keine Überraschungsmomente, keinen echten Tempofußball geben. Langsames Quergepasse der vor dem eigenen Tor anstatt vertikal zu spielen, kein Druck, kein Tempo, kein Spielwitz, keine Überraschungen – schön anzusehen war es für den neutralen Beobachter nicht.

Doch dann entschieden sich die Berliner Spieler endlich dafür, viel höher zu stehen und die Rostocker schon an deren Strafraum ganz energisch zu attackieren. Kein Wunder, dass dann in der 19. Minute Mitchel Weiser auf Vedad Ibisevic passen konnte, der wiederum Alexander Esswein wunderbar bediente. Essweins Schuss , ging leider rechts neben das Tor. Aber immerhin, das war die erste tolle Chance für Hertha BSC!

Einen echten Aufreger gab es in der 20. Minute: Nach Flanke von Marvin Plattenhardt gab’s ein eindeutiges Handspiel eines Rostockers im eigenen Strafraum. Eigentlich ein glasklarer Elfmeter, warum Schiedrichter Hartmann den nicht gepfiffen hat, weiß er ganz allein. Pjer Skjelbred sah dann in der 21. Minute die gelbe Karte für ein zu hartes Einsteigen gegen „Hansa“-Stürmer Marcel Ziemer. Hertha BSC blieb zwar spielbestimmend, aber echte Torgefahr sprang dabei nicht heraus. Es gab viel zu wenig Spiel über die schnellen Außen wie Mitchel Weiser, der allerdings auch viel zu weit hinten agieren musste. Nach 25 Minuten musste man auch eine wirklich unterirdische Pass- und Zweikampfquote von Salomon Kalou notieren. Von einem Weltklassespieler wie ihm, darf und muss man viel mehr erwarten.

Aber auch Mathew Leckie gelang fast nichts, der Neuling hatte null Bindung im Spiel, kaum Aktionen, keine Schnelligkeit. Was extrem auffiel: „Hertha“ fehlt einfach die Torgeilheit! Hinzu kam, es gab keine Ideen aus dem Mittelfeld, aber auch keine anspielbaren Stürmer. Ein paar exemplarische Szenen aus dieser Spielphase: In der 34. Minute Anspiel von Leckie auf Kalou, der kann den Ball wieder mal nicht kontrollieren. In der 39. Minute müsste es eigentlich Gelb für Sebastian Langkamp geben für ein böses Foul an Ziemer, Schiri Hartmann verzichtete darauf. Glück für Hertha BSC. In der 45. Minute flankte Weiser auf Ibisivic, doch der köpfte hoch über’s Tor der Rostocker. Nach 45 plus einer Minute Nachspielzeit pfiff der Schiri die erste Hälfte ab. Hertha BSC musste sich was einfallen lassen!

In der zweiten Halbzeit wird es turbulent!

Bereits in der 46. Minute brannten „Hertha“-Fans Pyrotechnik ab und schossen Raketen in den Rostocker Block. Die Folge war die erste Spielunterbrechung. Total sinnlos!

Danach besann sich die „Hertha“ und trat viel energischer auf, so wie es sich für einen ambitionierten Erstligisten gehört. In der 49. Minute zog Darida einen Fernschuss knapp links neben den Pfosten. Nur ein paar Minuten später, in der 54. Minute, versuchte Darida einen Querpass im Mittelfeld zu spielen. Der war so schwach, dass die Rostocker ihn direkt abfingen und konterten. Genau das wollte „Hertha“-Coach Dárdai nicht sehen! In der 55. Minute bediente Weiser dann Leckie, der wiederum Kalou einsetzte. Der Ivorer schoss aus zwölf Metern leider knapp rechts am Tor vorbei rechts, das war die erste 100prozentige Torchance für Berlin.

In der 63. Minute hätte dann das 1:0 für die Gäste aus Berlin fallen müssen: Erst hämmert Darida den Ball an den rechten Pfosten. Dann brilliert Kalou mit einem coolen Seitfallzieher, scheitert aber am herausragenden „Hansa“-Keeper Blaswich!

Vor der Spielunterbrechung wegen der Fanrandale baute Berlin einen extrem hohen Druck auf, dem die Rostocker kaum standhalten konnten. Einigen arg müden Rostocker Spielern kam die Zwangspause sehr zupass, konnten sie so doch ein wenig durchschnaufen.

Doch nach Wiederaufnahme des Spiels war es der beste Spieler auf dem Platz, der das Spiel entschied: In 86. Minute schoss Mitchel Weiser volley mit rechts in den linken Winkel zum 1:0 ein. Was für ein Traumtor! Sicher ein Kandidat für das „Tor des Monats“. Die Rostocker mussten jetzt alles riskieren, sackten sich so ganz zwangsläufig einen Berliner Konter ein. Gleich drei „Herthaner“ liefen dann völlig frei auf’s Rostocker Tor zu. Mathew Leckie spielt den Ball klug ab auf Vedad Ibisevic, der ihn konzentriert zum 2:0 ins leere Tor einschob. Das war’s dann. Hertha BSC zog damit sehr verdient in die nächste Runde des DFB-Pokals ein.

Stimmen zum Spiel:

Pál Dárdai: „Mitch Weiser hat das Klasse gemacht, und dann war es für mich nur eine Frage der Zeit, dass das 2:0 oder 3:0 fallen würde. Unsere Sechser müssen mehr vertikal spielen. Elan und Wille war, Mentalität da. Der Gegner musste sehr viel laufen. Ich bin sehr zufrieden, für den Start war das sehr wichtig.“

Michael Preetz: „Am Ende wurde unser Druck so groß, dass es am Ende zum 2:0 gereicht hat für uns. Normalerweise freut man sich nach einem Auswärtssieg im Pokal. Diese Freude will sich bei mir nicht einstellen, weil wir viele unschöne Szenen gesehen haben. Das will niemand bei einem Fußballspiel sehen.“

Pavel Dotchev: „Wir haben sehr gut gegen Ball gearbeitet, das hat sehr viel Kraft gekostet. Uns hat dann das Selbstvertrauen und die Kraft gefehlt für die Konter. Ich habe auf einen Lucky Punch gehofft. Es war eine ordentliche Leistung von uns, aber das Durchsetzungsvermögen war nicht vorhanden, weil wir zu viel nach hinten arbeiten mussten. Und: „Solche Sachen gehören nicht zum Sport. Wir distanzieren uns davon. Das schadet uns allen. Leider gibt es so schwarze Schafe, die alles kaputt machen.“

Aufstellung Hertha BSC: Jarstein, Weier, Langkamp, Rekik, Plattenhardt, Darida, Skjelbred, Leckie, Kalou, Esswein, Ibisevic
Einwechslungen: 80. Haraguchi für Kalou, 90. + 3 Duda für Esswein

Auswechselspieler: Kraft (Torwart), Pekarik, Stark, Torunarigha, Lustenberger

Aufstellung FC Hansa Rostock: Blaswich, Nadeau, Hüsing, Riedel, Holthaus, Henning, Bischoff, Hilßner, Owusu, Wannenwetsch, Ziemer

Einwechslungen: 70.  S. Benyamina für Owusus, 87. Bouziane für Br. Henning, 87. Alibaz für Ziemer

Auswechselspieler: K. Eisele (Torwart), Fehr, Scherff, Värynen

Anmerkung:

Die Polizei wirft Offiziellen des FC Hansa Rostock Mitwisserschaft vor: „Bereits während unserer heutigen Einsatzbesprechung informierte mich der Verein F.C. Hansa Rostock, dass laut Informationen der Vereinsführung sich das gestohlene Banner bereits im Stadion befinde und auch zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgerollt werden solle“, so Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock.

Daher wurde die Südtribüne gründlich durch auswärtige Ordnungskräfte und Polizeikräfte durchsucht, das Banner konnte dabei jedoch nicht gefunden werden. Da die durchsuchenden Ordnungskräfte keinerlei Bezug zum F.C. Hansa Rostock haben, kann nahezu ausgeschlossen werden, dass das Banner durch sie ins Stadion gelangte oder bei Kontrollen unentdeckt blieb. „Somit liegt die Vermutung nahe, dass das Banner über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen ins Stadion gelangen konnte“, so Michael Ebert.

Dazu muss man sagen, dass das Verhältnis zwischen der Rotocker Polizei und dem FC Hansa Rostock nicht das Beste ist. Die Polizei bemängelt immer wieder mangelnde Sicherheitskontrollen des Vereins.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.