Borussia Dortmund – Hertha BSC (Vorbericht mit Pál Dárdai Pressekonferenz)

Der erste große Auswärtskracher

Hertha BSC trifft im Spitzenspiel der 1. Bundesliga auf Borussia Dortmund

Vorbericht & Fotos: Andreas Düllick

Pál Dárdai, Cheftrainer von Hertha BSC, auf der Pressekonferenz ©Andreas Düllick

Samstagabend 18:30 Uhr steigt im „Signal Iduna Park“ das Spitzenspiel der 1. Fußball-Bundesliga. Der große Favorit Borussia Dortmund trifft auf den Hauptstadtklub Hertha BSC. Die Ausgangssituation ist klar: Alles andere als ein Sieg der Dortmunder wäre eine Überraschung. Eigentlich. Denn bange machen lassen sich die Berliner um ihren Trainer Pál Dárdai davon überhaupt nicht. Warum auch, haben sie doch in der vergangenen Saison durchweg respektable Leistungen gegen die Borussen gezeigt. Auswärts gab es ein 1:1-Unentschieden, im Olympiastadion einen 2:1-Sieg. Und im DFB-Pokal-Halbfinale unterlag die „Hertha“ in Dortmund erst sehr knapp im Elfmeterschießen. Am Donnerstag gab es die Pressekonferenz zum zweiten Spieltag, auf der Pál Dárdai die Fragen der Journalisten beantwortete:

Zur Ausgangssituation

Pál Dárdai: „Wenn ich ehrlich bin, mit der UEFA Europa League beschäftige ich mich nicht. Gestern habe ich ein tolles Spiel zwischen Liverpool und Hoffenheim gesehen. Ich muss schon sagen, das war so eine tolle Hoffenheimer Mannschaft, für die war es ein wenig schade. Aber so ist das: In der Europa League kann man auch ein gutes oder ein schlechtes Los kriegen, aber damit beschäftige ich mich momentan nicht. Zu unserer eigenen Situation: Es war wichtig, das erste Spiel zu gewinnen. Wir haben gesehen, wo die Mannschaft steht und wo wir uns verbessern müssen. Wie müssen wir die Mannschaft führen, damit wir noch erfolgreicher werden können.

Jetzt haben wir einen richtig guten Gegner, eine gute Atmosphäre (damit meint der „Hertha“-Coach sicher die fast 82.000 Zuschauer in Dortmund), jeder weiß, wie schwer es dort ist. Über einen Sieg dort sollte man rein statistisch gesehen eigentlich gar nicht reden. Und nicht nur wir, denn wie viele Mannschaften waren schon da und haben nicht gewonnen in den vergangenen Jahren. Wir haben im letzten Jahr dort im Pokal Unentschieden gespielt und sind bis ins Elfmeterschießen gekommen.

Jetzt haben wir aber ein ganz anderes Dortmund. Deshalb haben wir auch einen ganz anderen Plan für das Spiel. Meine Mannschaft ist gut vorbereitet, sie hat gut trainiert. Auch die Stimmung im Team ist gut. Und: Ich habe ein Luxusproblem, da alle Spieler das letzte Spiel gegen den VfB Stuttgart gesund überstanden haben. Das ist erst mal schön. Trotzdem kann es sein, dass wir personelle Änderungen vornehmen. Das ist ein anderes Spiel als gegen Stuttgart, da gibt es andere Automatismen, wir müssen anders verteidigen, es gibt eine riesige Schnelligkeit, da gibt es ein Umschaltspiel, das vielleicht ein, zwei Mannschaften in ganz Europa beherrschen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.“

Zum Videobeweis

Pál Dárdai: „Das ist nicht so meine Sache, ich habe das beim ConfedCup gesehen und wir haben von den Schiedsrichtern sauber erklärt bekommen. Ich habe mich daran gewöhnt. Gibt es so eine Szene, dann muss man warten und dann die Entscheidung akzeptieren und respektieren. Wenn die technischen Probleme weitergehen, es in einem Stadion funktioniert und im anderen nicht, dann habe ich damit ein bisschen meine Probleme. Entweder gar nicht oder durchgehend. Wenn der eine Vorteile hat und der andere Nachteile, das wäre nicht gesund. Das wäre auch nicht schön, aber das ist nur meine private Meinung. Ich entscheide das nicht, ich bin zufrieden mit der Entwicklung bis hierher. Wahrscheinlich müssen die Techniker mehr machen, die Schiedsrichter machen einen guten Job. Also lieber noch ein bisschen Zeit lassen damit und dann sauber loslegen.“

Hintergrund: Im Spiel der „Hertha“ gegen den VfB Stuttgart war der Videobeweis auch zum Einsatz gekommen. Schiedsrichter Stegemann hatte ein Foul an Josip Brekalo vom VfB Stuttgart überprüfen lassen. Außerdem ist der Einsatz des Videobeweises am zweiten Bundesliga-Spieltag ist unsicher. Nach den Pannen am Auftakt-Wochenende, auch im Berliner Olympiastadion funktionierte das System erst in der zweiten Halbzeit, seien auch bei weiteren Tests in dieser Woche technische Fehler aufgetreten, die „Bild“-Zeitung heute berichtete. Sollten weitere Prüfungen nicht fehlerfrei verlaufen, könnte der Videobeweis vorerst nicht mehr zum Einsatz kommen.

Liegt Dortmunder Spielweise der „Hertha“?

Pál Dárdai: In den Bundesligaspielen haben wir dort auswärts verloren, im Pokal richtig gut ausgesehen. Zuhause haben wir es geschafft sie zu schlagen, weil wir heimstark sind und mit unserem Publikum im Rücken. Jetzt geht es um die Tagesform. Wenn wir die Räume eng halten, dann verhindern wir, dass die Dortmunder ihre Endgeschwindigkeit erreichen. In den letzten Spielen haben wir das ganz gut hingekriegt. Sie haben keinen richtig guten Konter hingekriegt, sondern mussten sich mit ihrem Spielaufbau beschäftigen. Und beim Aufbauspiel macht auch Dortmund Fehler, sodass auch wir kontern können. Wir haben ja unsere Schnelligkeit auch verbessert. Aber alles hängt von der Tagesform ab. Wir müssen leiden. müssen diszipliniert verteidigen, müssen die Räume eng halten, dann haben wir eine Chance. Wenn nicht, dann kann man wie viele andere Mannschaften auch vier, fünf Gegentore kriegen. Das habe ich als Spieler selbst auch erlebt, und ich wollte gewinnen.

Das ist Dortmund. Ich muss es hier nicht übertreiben. Wir gehen mit einem riesigen Respekt dorthin. Wir wollen ein Punkt mitnehmen oder vielleicht auch eine Überraschung mit einem Sieg schaffen. Der ganze Trainerstab, die Spieler und auch ich – wir können alle gut schlafen, weil wir uns gut vorbereitet und alles erledigt haben, was wir wollten. Jetzt werden wir unsere Köpfe mal freihalten, damit wir richtig frisch sind. Morgen gibt es noch ein kleines Abschlusstraining, und wenn der Schiedsrichter anpfeift, müssen wir 90 oder 97 Minuten bereit sein und gut verteidigen.“

Niklas Stark

Pál Dárdái: „Niklas hat einen guten Eindruck gemacht in der Zeit, die er gespielt hat gegen Stuttgart. Wegen seiner Größe und Präsenz, seiner Balleroberungsfähigkeiten und seiner Schnelligkeit brauchen wir ihn. Es kann aber sein, dass es nur für 60 Minuten reicht, wenn er von Anfang an spielt. Ich überlege aber auch, ihn in der Endphase zu bringen, um Stabilität zu haben. Aber 90 Minuten sind wahrscheinlich zu viel für ihn, wir wollen ja auch kein Eigentor schießen. Der ursprüngliche Plan in der letzten Woche war eigentlich, dass er 60 Minuten in der U23 spielt. Jetzt kann es sein, dass er 60 Minuten lang gegen Dortmund spielt.

Die Abwehrformation

Pál Dárdai: „Hinten sind wir stabil. Bastian Langkamp hat gegen Dortmund immer gute Spiele gemacht. Er ist vielleicht nicht der Schnellste, aber seine Schnelligkeit im Kopf und seine spielerischen Fähigkeiten sind gut, sein Stellungsspiel ist überragend, sein Kopfballspiel brauchen wir. Und mit Karim Rekik hat er sich gut eingespielt für so eine kurze Zeit von zwei Monaten. Das sieht sehr ordentlich aus. Das sollten wir nicht zerstören. Wir haben zweimal zu Null gespielt, Rostock hat nicht einmal aufs Tor geschossen und Stuttgart erst nach unserer Führung.“

Matthew Leckie – macht er Druck auf die anderen Stürmer?

Pál Dárdái: Nein, unter Druck setzt er keinen der anderen Stürmer. Die machen sich selbst genug Druck, wenn die dreimal nicht treffen, dann blockieren die sich selbst. Ich kann nur eins sagen: Man muss sich noch einmal das Spiel gegen Stuttgart anschauen. „Lex“ hat zwei Tore geschossen, einmal gab hatte Stuttgart den ball erobert und meine Mannschaft steht in diesem Moment sehr hoch. Was macht „Lecki“ da? Er ist sofort extrem schnell zurückgesprintet, das ist nicht mehr normal, aber das ist sein Charakter: Nach zwei Torschüssen bleibt er nicht einfach stehen. Er ist ein guter Junge, und das vom ersten Trainingstag an bei uns. Die Basics funktionieren bi ihm, dafür hat er mein Lob bekommen, nicht für die beiden Tore.

Und mit dem Druck ist das so eine Sache: Im vergangenen Jahr hat sich Genki Haraguchi selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Er hat überall rumerzählt, er will fünf Tore machen und jede Menge Assists. Und wenn er das nicht schafft, gehöre er nicht in die 1. Bundesliga. Er war dadurch das ganze Jahr blockiert. Jetzt erzählt er nichts, sondern arbeitet. Vielleicht macht er jetzt gegen Dortmund ein, zwei Tore. Da sind wir schon wieder bei der Psychologie: Unnötigen Druck brauchen wir nicht. Ich bin sehr zufrieden mit all meinen Stürmern.“

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