Carolin Emcke – Exklusivinterview im Schweizer Straßenmagazin SURPRISE

Dem Hass im Alltag muss widersprochen werden!

VON: ANDREAS DÜLLICK und AMIR ALI (INTERVIEW)

Cover des Schweizer Straßenmagazins SURPRISE mit Carolin Emcke

Es lässt sich kaum verhehlen: Die  neue Ausgabe macht uns ein wenig stolz. Wann hat man schon eine der bedeutendsten deutschsprachigen Gesellschaftskritikerinnen der Gegenwart auf dem Titel?

Carolin Emcke über fehlenden Gemeinsinn, die Freiheit der anderen und ihre Sorge um die Grundlagen unseres Zusammenlebens: „Die Tatsache, dass debattiert wird, bedeu­tet ja noch nicht, dass auch wirklich mit­ einander und füreinander debattiert wird.“ Im exklusiven Interview mit Andreas Düllick und Amir Ali.

„Das Werk von Carolin Emcke ist Vorbild für gesellschaftliches Handeln in einer Zeit, in der politische, religiöse und kulturelle Konflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen. Sie beweist, dass er möglich ist, und ihr Werk mahnt, dass wir uns dieser Aufgabe stellen müssen“

(Aus der Begründung der Jury zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.)

Sie haben in Ihrer Juni-Kolumne für die Süddeutsche Zeitung über das «Wir», den «Gemeinsinn» geschrieben. Was genau verstehen Sie unter «Gemeinsinn» und «Wir»?

Carolin Emcke: Unter „Gemeinsinn“ verstehe ich das Wissen darum, dass es in einer Gesellschaft darum geht, das zu entdecken und zu fördern und zu schützen, was alle angeht. Der „Gemeinsinn“ hängt also an der Einsicht, dass es jenseits der radikalen Individualität jedes und jeder Einzelnen und jenseits der partikularen Interessen von Gruppen auch etwas gibt, das allgemein ist. Ich kann mich als Individuum natürlich immer in unterschiedlichen „Wirs“ verorten, ich kann über die soziale Klasse, über den religiösen Glauben, über die sexuelle Orientierung mich definieren und auch artikulieren. Aber in einer pluralen Gesellschaft muss auch verhandelt werden, was allen gemeinsam ist, was die öffentlichen Güter sind, die wir gemeinsam besitzen, was von öffentlichem Belang für alle ist. Es muss auch an und in einem Wir gedacht und gesprochen werden, das alle anspricht.

https://surprise.ngo/angebote/strassenmagazin/aktuelles-heft/

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