Vernissage “Der liebende Blick” (04.09.2017)

Bundesfamilienministerin Katarina Barley eröffnet Ausstellung “Der liebende Blick

Die Straßenkinderporträts der Münchner Malerin Babette Brühl

Text & Fotos & Videoschnipsel: Andreas Düllick

Vernissage von Straßenkinder-Bildern von Babette Brühl im Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugen und Kindern mit Ministerin Katarina Barley und Mitgliedern von MOMO – The Voice of disconnected Youth ©Andreas Düllick

„Mich faszinieren diese eigenwilligen Persönlichkeiten, ihre Verschiedenheit, ihr ausgeprägter Charakter. Deswegen fing ich an, sie zu zeichnen und zu malen und suchte ihren Blickkontakt, um einzutauchen in das, was wir Seele nennen und was uns vielleicht mit allem verbindet und uns zugleich einzigartig macht.“ Babette Brühl

Die Idee, Straßenkinder-Porträts von Babette Brühl  im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche auszustellen, entstand ziemlich spontan. Wir hatten gerade die 3. Bundeskonferenz der Straßenkinder im Justus-Delbrück-Haus, der Akademie mit Mitbestimmung, im Bahnhof Jamlitz (Lieberose) erfolgreich beendet und präsentierten der Jugendministerin Katarina Barley die Ergebnisse – Ideen, Utopien – auf einem LKW direkt vor ihrem Ministerium. Im LKW hatten wir ein paar der Porträts von Babette ausgestellt. Die Mitglieder der Jugendbewegung MOMO – The Voice of disconnected Youth, vertreten von  Laura, Sophia, Isy, Shula, Chris, Halkut und Pablo berichteten der Ministerin von den aufregenden und inspirierenden Tagen auf der Bundeskonferenz. Und: Sie stellten ihre Utopien für die Jugendhilfe vor und forderten zum Dialog drüber auf.

Ministerin Katarina Barley mit Nicki von MOMO – The Voice of disconnected Youth und Jörg Richert (KARUNA) ©Andreas Düllick

„Wir wollen mehr Straßenkinder zu Sozialarbeitern ausbilden!“ Das war einer der Vorschläge zur Verbesserung der Lebenssituation entkoppelter Jugendlicher, die Flo am 12. Juni mit sechs weiteren Mitgliedern von MOMO – The Voice of disconnected Youth im Namen der Teilnehmer der 3. Bundeskonferenz der Straßenkinder Bundesjugendministerin Katarina Barley überbrachte. Die MOMO’s schlugen dafür ein Modellprojekt vor, bei dem ehemalige Straßenjugendliche im Tandem mit Sozialarbeitern drei Jahre lang aufsuchende Sozialarbeit leisten und danach an einer Hochschule Soziale Arbeit studieren können.

Ein weiterer Vorschlag war, dass Werbeträger einen bestimmten Prozentsatz Sozialwerbung schalten müssen, nach dem Vorbild des sozialen Wohnungsbaus. So könnten Kinderrechte, Einrichtungen der Jugendhilfe und Ombudsstellen, bei denen Kinder und Jugendliche sich beschweren können, beworben werden. Die MOMO’s forderten generell faire Chancen, ihre Fähigkeiten und Talente nutzen können – um sich so in die Gesellschaft einzubringen.

Katarina Barley im Gespräch mit Babette Brühl und Mitgliedern von MOMO – The Voice of disconnected Youth ©Andreas Düllick

Katarina Barley war beeindruckt und versprach, sich mit den Vorschlägen und Forderungen der MOMO’s auseinanderzusetzen. Sie bat darum, bei der nächsten Bundeskonferenz der Straßenkinder 2018 teilnehmen zu dürfen. Irgendwie kam die Sprache dann auf die wunderbaren Porträts von Babette Brühl. Schnell war klar, diese Bilder müssen im Bundesministerium in einer besonderen Ausstellung gezeigt werden. Die Ministerin hielt Wort, und nun können sich die Besucher*innen des Bundesministeriums diese Porträts anschauen.

Vernissage von Straßenkinder-Bildern von Babette Brühl im Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugen und Kindern mit Ministerin Katarina Barley und Mitgliedern von MOMO – The Voice of disconnected Youth ©Andreas Düllick

Zur Vernissage waren zahlreiche Gäste geladen, darunter natürlich die Straßenkinder, die MOMO’s, aber auch Vertreter von KARUNA – Zukunft für Jugendliche und Kinder in Not e.V. und der KARUNA Sozialgenossenschaft mit Familiensinn e.V.. Selbstverständlich wurden ein paar Reden gehalten, wurden die Bilder bewundert, ein paar Erinnerungsfotos gemacht und sich rege ausgetauscht über das harte Leben von Jugendlichen auf der Straße.

Straßen- und Flüchtlingskinder in Deutschland teilen sehr ähnliche Schicksale und Lebensumstände. Einer Studie des Deutschen Jugendinstituts zufolge leben 21.000 Jugendliche, die hier geboren wurden, zurzeit auf der Straße. Sie tauchen unter in der Anonymität der Großstädte, aus Angst und wegen schlechter Erfahrungen wenden sie sich nicht an die Jugendämter.

Chris war ein Straßenkind, er wurde von KARUNA aufgenommen und arbeitet jetzt für KARUNA und ist Mitglied von MOMO – The Voice of disconnected Youth ©Andreas Düllick

Auf der Straße kommen sie zusammen mit unbegleiteten, jungen Flüchtlingen, die vor Krieg, Hunger und Armut, die meisten im Augenblick aus Syrien und Afghanistan, zu uns nach Deutschland geflohen sind. Widrige Umstände bei der Aufnahme, kulturelle Unterschiede, die Sprachbarriere und vor allem die traumatischen Erlebnisse haben allein im Jahr 2015 von 42.000 Jungen und Mädchen geschätzte 1.000 verzweifelt die Hilfeeinrichtungen verlassen und schlagen sich auf der Straße durch: als Obdachlose mit dem Verkauf von Straßenzeitungen, mit Betteln, mit Prostitution – so wie auch die Straßenkinder mit deutschem Pass.

Im Dialog:  Babette Brühl mit Katarina Barley und Mitgliedern von MOMO – The Voice of disconnected Youth ©Andreas Düllick

Auf der Vernissage berichtete Jörg Richert auch über die Arbeit von KARUNA – Zukunft für Jugendliche und Kinder in Not und die KARUNA Sozialgenossenschaft. Er präsentierte der Ministerin gemeinsam mit der Straßenjugendlichen Nicki die erste Broschüre über die 3. Bundeskonferenz der Straßenkinder und die erste Ausgabe der neuen Zeitschrift KARUNA KOMPASS.

Die KARUNA Sozialgenossenschaftler*innen Chris, Babette Brühl, der Musiker Markus Siebert und KARUNA-Vorstand Jörg Richert ©Andreas Düllick

Babette Brühl unterstützt übrigens seit mittlerweile 22 Jahren mit ihren Arbeiten KARUNA und neuerdings auch die Jugendinitiative MOMO – The Voice of disconnected Youth, in der sich diese Kinder und Jugendlichen zusammengeschlossen haben, um sich selbst zu helfen. Gerade hat sie die MOMO’s bei der Entwicklung der Hilfefinder-App MOKLI für die entkoppelten Mädchen und Jungen auf der Straße künstlerisch unterstützt. Sie entwarf deren Logo und die 28 Icons. Mit MOKLI kann man z.B. Notschlafplätze finden, eine Essens­ausgabe oder einen Arzt. Zudem gibt es Adressen von Suchtberatungen, Rechtshilfen, Seelsorgen sowie Anlaufstellen für Jungen und Mädchen, die weg von der Straße wollen. Über 3.000 Versorgungs- und Beratungsstellen bundesweit sind in der App zu finden.

MOKLI-help – die Hilfefinder-App von MOMO – THe Voice of disconnectewd Youth und KARUNA ©Andreas Düllick

Anbei ein paar Videoschnipsel von der Vernissage:

Bundesfamilienministerin fordert: Kinderrechte in Grundgesetz!:

Familieninisterin Katarina Barley zur Eröffnung:

https://www.youtube.com/watch?v=GPyRhH_NRv4

Babette Brühl: 

https://www.youtube.com/watch?v=Wb2bGsl7THE

Jörg Richert

https://www.youtube.com/watch?v=gWtv3mY3pZM

Chris von den MOMO’s:

https://www.youtube.com/watch?v=NslaoCe6WVY

Jörg Richert: 

Links: 

https://www.momo-voice.de

http://cms.karuna-ev.de

https://www.karuna-sozialgenossenschaft.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.