Hertha BSC – 1. FC Köln (14.04.2018)

 

Hertha BSC schickt den 1. FC Köln  in die 2. Liga

Davie Selke erzielt den 1.000 Bundesligatreffer für die Berliner

 Bericht & Fotos: Andreas Düllick

Der Youngster war der Blockadelöser – Herthas Mittelstürmer Davie Selke brach den Torebann der Hauptstädter und sicherte seiner Mannschaft mit seinem Doppelpack ganz wichtige drei Punkte. Die taktische Aufstellung der Berliner machte schon vor Anpfiff klar, mit welcher Taktik Hertha-Coach Pál Dárdai den Rheinländern im heimischen Olympiastadion vor knapp 50.000 Zuschauern den Schneid abkaufen wollte. Mit Selke und Ibisevic bot Dárdai am 30. Spieltagnach längerer Zeit (Herbst 2017) wieder ein Sturmduo auf. Volle Attacke, so lautete die Devise des Tabellenelften gegen das Schlusslicht der Liga. 56 Gegentore hatte Köln bis dato kassiert, und das trotz seines zumeist überragenden Torwarts Timo Horn. Bei den Kölnern, die im 4/4/1-System antraten, war Oldie Claudio Pizarro zunächst die einzige Spitze.

Die erste dicke Torchance für die Berliner gab es schon nach 20 Sekunden: Kalou zog nach einer Vorlage von Selke aus zwölf Metern hart ab, Timo Horn rettete mit letztem Einsatz zur ersten Ecke für Hertha BSC. Doch die Kölner versteckten sich keineswegs. In der 3 Minute spielten sie ganz schnell und engagiert nach vorn, die Hertha mühte sich in der Abwehr erst mal Struktur zu finden. Besonders die schnellen Konter über Clemens und Zoller über die linke Seite beeindruckten die Hauptstädter in den ersten zehn Minuten. Hertha musste sehr gut aufpassen auf die beiden, und dann war da ja auch noch Claudio Pizarro, der alte Fuchs, der auf seine Torchance lauerte.

In der 13. Minute waren es dann aber die Berliner, die ihrerseits einen sehenswerten Konter starteten. Leider übersah Kalou seinen mitgelaufenen Mitspieler und schloss selbst ab, doch Kölns Keeper Horn parierte den Schuss in Weltklassemanier. Eigentlich eine hundertprozentige Chance, die Hertha leichtfertig vergab. Nur vier Minuten brachte Valentin Lazaro von rechts die nächste Ecke herein, leider war sie schwach getreten. Trotzdem wurde es noch mal gefährlich, doch Kalou verdribbelt sich in der linken Strafraumhälfte der Kölner erneut. Dárdai hatte für die ersten 15 – 20 Minuten höchsten Druck angekündigt und ein Tor, mit einer Führung im Rücken würde es seinen Spielern insgesamt sicher fallen. Doch leider trafen seine Stürmer in dieser Phase wieder mal nicht!58 Prozent Ballbesitz und 62 Prozent gewonnene Zweikämpfe in diesem Zeitraum für Berlin sprachen allerdings für das beherzte Auftreten der Hertha.

In der 22. Minute musste Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck bereits wechseln:  Simon Zoller musste verletzt raus, für ihn kam Jhon Córdoba. Doch wer nun gedacht hatte, dieser Wechsel sei Rückschlag für das Team und eine Schwächung, sah sich schnell getäuscht. Córdoba zeigte sich extrem bissig und ging sofort in die Spitze, Claudio Pizarro zog sich dafür zurück ins Vierer-Mittelfeld! In der 25. Spielminute dann lief Ibisevic allein auf Kölns Torwart Timo Horn zu, kam aber nicht zum Abschluss, weil Abwehrspieler Jorge Meré ihm den Ball noch in letzter Sekunde wegspitzelte! Kleine Randnotiz: Die Kölner Fan feuerten in dieser Phase ihr Team frenetisch an.

Wenn man vorne die Tore nicht macht, kriegt man sie hinten. Jeder Fan kennt diese Fußballweisheit, für die man schon mal ins Phrasenschein einzahlen muss. In der 29. Minute passierte es: Nach einem katastrophalen Abwehrfehler von Mitchel Weiser steht es plötzlich 0:1. Nach einem weiten Abschlag von Torhüter Horn, den Córdoba verlängerte, schaffte Weiser es nicht, Leonardo Bittencourt zu kontrollieren. Bittencourt konnte ziemlich unbedrängt schießen, und auch Hertha-Keeper Rune Jarstein sah ganz schlecht aus und wurde getunnelt! Der Ball kullerte an ihm vorbei ins leere Tor…

Das gefiel den Berliner Spielern natürlich ganz und gar nicht. Vorgeführt vom Tabellenletzten im eigenen Stadion! Der Gegentreffer schien die Hauptstädter zusätzlich anzuspornen, die nun ihrerseits den Druck deutlich erhöhten. In der 33. Minute war es Davie Selke, der die Chance auf den Ausgleich hatte. Er legte sich den Ball an Horn vorbei, leider aber etwas zu weit, sodass der Ball ins Toraus geht.

In der 36. Spielminute kassierte Kölns Christian Clemens die Karte für sein Foul an Marvin  Plattenhardt. Es gab zudem Freistoß für Hertha von der linken Strafraumkante, aber drei Berliner Plattenhardt, Kalou und Lazaro wählten eine ganz schlechte Variante und verbaselten diese Chance komplett. Drei Minuten später gelang den berlinern dann ein schöner Spielzug über links, Plattenhardt flankte diesmal sehr gekonnt auf den Elfmeterpunkt, aber Ibisevic verpasst erneut. In der 42. Minute machten sich wieder einmal Selke und Kalou auf den Weg Richtung Kölner Tor, verstolperten allerdings wieder einmal den Ball. Die anschließende Ecke von links brachte nichts ein. Dagegen hatte im Gegenzug Köln die Chance, auf 2:0 zu erhöhen. Eine Minute vor Ende der Halbzeit konterte die Hertha wieder, diesmal waren vier (!) Berliner beteiligt. Lazaro spielt über die rechte Seite schließlich Selke an, der eine ganz schwache Flanke in den Strafraum schickte, die die Kölner zur nächsten Ecke klären konnten. Kein Wunder, dass die Hertha-Fans ihr Team mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause verabschiedeten. Fazit der 1. Halbzeit: Viel Aufwand, aber wenig Ertrag für Hertha BSC, der 1. FC Köln dagegen kann sehr zufrieden sein.

Selke mit dem Doppelpack

Zur 2. Hälfte ließ Dárdai ziemlich folgerichtig den formschwachen und wechselwilligen Mitchel Weiser in der Kabine. Für ihn kam der Australier Matthew Leckie ins Spiel, der weiter für ordentlich Druck auf der rechten Seite sorgen sollte.

In der 49. Minute schoss sich Davie Selke all seinen Frust von der Seele und netzte ganz energisch und unhaltbar zum 1:1-Ausgleich ein. Plattenhardt hatte ihn von der linken Seite aus mit einer super Bananenflanke perfekt bedient. Ganz nebenbei war es dann auch der 1.000. Treffer der Berliner in der Bundesliga! Das wurde aber auch Zeit, wahrscheinlich hatte es eine ordentliche Kabinenansprache von Dárdai in der Halbzeitpause gegeben! Nur drei Minuten später dann der Doppelschlag von Selke. Zwar war die Flanke von Plattenhardt diesmal etwas verunglückt, trotzdem kam Selke irgendwie noch in die Nähe des Balls und musste nur den Fuß reinhalten!

Dieser Doppelpack war die reine Erlösung für den Youngster, der im Januar zum letzten Mal getroffen hatte. Zehn Spiele ohne Torerfolg sind für einen Mittelstürmer ziemlich frustrierend. Normalerweise feiert Selke seine Tore sehr speziell, doch diesmal vergaß er seinen Torjubel ganz offensichtlich. Sein Kommentar: „Ganz ehrlich, zu dem Zeitpunkt hatte ich etwas anderes im Kopf. Mein erstes Tor war ein Befreiungsschlag.“

In der 60. Minute dann hätte Leckie nach Flanke von Lazaro per Kopfball fast das 3:1 erzielt. Doch der starke und Kopfball Timo Horn gab wieder einmal alles und rettete sensationell! 61‘ Und dann war sie da, die Chance zum Ausgleich für Köln, weil die Hertha in der Abwehr wieder mal nicht richtig aufpasst. Bei 60 Prozent Ballbesitz und 9:3 Torchancen für die Gastgeber wäre der Ausgleich aber auch nicht wirklich verdient gewesen. Zwischenzeitlich sangen die Kölner Fans in ihrer Kurve: „Gute Freunde kann niemand trennen…“ Bezeichnend!

In der 76. Minute wechselte Hertha aus: Kalou ging raus, Julian Schieber kam rein. Bei den Kölnern brachte Ruthenbeck endlich Simon Terodde für Clemens. Als sich dann in der 78. Minute Marvin Plattenhardt in der Abwehr wie ein Schülerspieler verhielt, brachte er seine Hertha noch mal in extreme Gefahr. Córdoba agierte sehr geschickt im Berliner Strafraum, zum Glück für Berlin konnte der Abschluss von Bittencourt geblockt werden. In der 80. Minute dann erneute die Chance zum 3:1 für Hertha BSC, doch Timo Horn warf sich mutig gegen Selke rein, der von Ondrej Duda perfekt angespielt worden war; und auch der Nachschuss von Schieber wurde geklärt. Hertha BSC ging wieder mal sehr fahrlässig mit den Chancen um!

Ab der 84. Minute drückte Köln mehr und mehr und gab alles. Eine echte Abwehrschlacht für die Hertha, die sich besser und einfacher hätte befreien müssen.

Frederik Sörensen köpfte danach noch unbedrängt knapp am linken Pfosten vorbei, und auch der Heber von Córdoba im 1:1 gegen Jarstein geht knapp über die Latte! Vier Minuten Nachspielzeit mussten die Gastgeber dann noch überstehen, doch dann war er da, der schwer erkämpfte und so wichtige Heimsieg! Herthas Keeper Rune Jarstein war völlig fertig und lag nach Spielschluss minutenlang völlig erschöpft auf dem Rasen. Hertha blieb mit nunmehr 39 Punkten ohne Abstiegssorgen auf Platz 9, Köln Tabellenletzter und war wohl abgestiegen!

Stimmen nach dem Spiel

Pal Dardai: „Wir sind aus der Halbzeit sehr gut herausgekommen. Ich bin froh, dass wir viele klare Torchancen gehabt haben. Zum Schluss haben die Jungs das 2:1 sehr gut verteidigt. Ich hoffe, damit ist unsere Blockade erst mal durch. Wir sind sehr zufrieden.“

Stefan Ruthenbeck: „Das war ein sehr emotionales Spiel heute. Die Mannschaft hat viel investiert und gekämpft bis zur letzten Sekunde. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen. Im Laufe des Spiels haben wir es offener austragen können und machen das 1:0. Nach der Halbzeit waren wir nicht präsent in den Zweikämpfen, und durch einen Doppelschlag läufst du dann hinterher. Uns fehlt da etwas die Abgezocktheit vor dem Tor. Wenn wir eine andere Situation hätten, holen wir hier einen Punkt. Aber unter dem Druck, immer gewinnen zu müssen, ist es sehr schwierig.“

Aufstellung

Hertha: Jarstein, Skjelbred, Rekik, Stark, Darida, Kalou, Ibisevic, Lazaro, Plattenhardt, Weiser, Selke

Bank: Kraft, Pekarik, Duda, Leckie, Schieber, Maier, Baak

Köln: Horn, Heintz, Sörensen, Höger, Zoller, Osako, Hector, Clemens, Bittencourt, Meré Pérez, Pizarro

Bank: Kessler, Risse, Jojic, Terodde, Cordoba, Lehmann, Koziello

Schiedsrichter: SörenStöcks, Thorben Siewer, Sven Wwaschitzki, Jan Seidel (4.), Markus Schmidt (Video)

©Andreas Düllick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.