Hertha BSC – FC Augsburg (28.04.2018)

 

Ende gut, Anfang katastrophal!

Hertha BSC verdient sich einen Punkt gegen Augsburg

 Bericht & Fotos: Andreas Düllick

Knapp 42.000 Fans wollten einen klaren Sieg ihrer Mannschaft sehen. ©Andreas Düllick

Es war ein hartes Stück Arbeit, wie so oft in dieser Saison im heimischen Olympiastadion. Pál Dárdai hatte zwei Veränderungen zum Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt vorgenommen. Niklas Stark nahm nach seinem Aussetzen wegen eines Nasenbeinbruchs wieder seinen Platz in der Innenverteidigung ein – Jordan Torunarigha musste für ihn auf die Bank – und Salomon Kalou ersetzte den zuletzt eher schwachen Ondrej Duda im Mittelfeld. Bei herrlichem Fußballwetter erwarteten die Fans in der Ostkurve ein munteres und engagiertes Spiel im eigenen Stadion und feuerten ihre Jungs dementsprechend an.

Klare Ansage der Hertha-Fans… ©Andreas Düllick

Doch obwohl die Berliner schon vor dem 32. Spieltag gegen den FC Augsburg aller Abstiegssorgen ledig waren, spielte das Team von Dárdai bis zur 80. Minute einen Fußball zum Vergessen. Anstatt vor den knapp 41.000 Fans locker und befreit aufzutreten, standen sich die Hauptstädter meist selbst im Weg. Zwar sorgte Nationalspieler Marvin Plattenhardt schon in der 4. Minute für den ersten Aufreger, als er eine scharf getretene Flanke in Richtung Augsburger Tor schickte. Doch der Gästetorwart Andreas Luthe rettete den gefährlichen Ball mit einer Hand, der Nachschuss von Peter Pekarik verfehlte sein Ziel dann allerdings deutlich. In der 7. Minute dann brachte Plattenhardt einen Eckball von rechts rein. Der segelte durch den Strafraum und landete schließlich bei Salomon Kalou, der aber von diesem Geschenk eher überrascht war und den Ball nicht richtig traf; kein Problem für den Gästekeeper. Das war’s aber schon mit der Hertha-Herrlichkeit. Wie schon so oft in den Spielen zuvor, als die Berliner in der ersten Viertelstunde stark begannen, war es auch diesmal, allerdings dauerte die Druckphase nur zehn Minuten lang.

Zum Spielbeginn gab’s erst mal Pyroalarm im Gästeblock ©Andreas Düllick

Bereits mit dem ersten Vorstoß der Augsburger in der 10. Minute wurde es brandgefährlich. Jonathan Schmid kam nach Hereingabe von der linken Seite an den Ball und schoss flach auf’s Tor ab. Hertha-Torwart Rune Jarstein konnte den Schuss gerade noch so mit dem Fuß abwehren. Nur drei Minuten später schlenzte Phillip Max einen Freistoß in den Berliner Strafraum, wo Martin Hinteregger den Ball mit dem Kopf knapp übers Tor verlängerte. Nach einem Handspiel von Karim Rekik in der 15. Minute gab es bereits den nächsten Freistoß. Dieses Mal versuchte sich Hinteregger mit einem wuchtigen Direktschuss, den Jarstein gerade noch so zur Ecke klären konnte.

Der Hertha-Spezialist von der Berliner Zeitung, Michael Jahn, hatte vorher schon ein mulmiges Gefühl ©Andreas Düllick

Salomon Kalou sorgte in der 20. Spielminute für etwas Entlastung. Der Ivorer zog energisch über die linke Seite in den Strafraum der Augsburger ein und spielte einen Pass in die Mitte auf Matthew Leckie. Doch ein Augsburger bekam den Fuß noch an den Ball und klärte. Nur drei Minuten später leistete sich Mittelfeldmann Pjer Skjelbred einen fatalen Fehler. Er übersah den in seinem Rücken lauernden Alfred Finnbogason und spielte den Ball viel zu kurz zurück auf Torwart Jarstein. Der war allerdings wie immer extrem aufmerksam und konnte die Situation gerade noch entschärfen.

Doch die Gäste waren seit der 10. Minuten eindeutig besser im Spiel und hielten den Ball zumeist in der Hälfte der Hertha. Dabei waren sie körperlich viel präsenter, gewannen mehr Zweikämpfe, zeigten viel mehr Leidenschaft. Insbesondere die Spieleröffnung der Hertha war schwach, und viel zu oft wurde der Ball einfach zurück auf Torwart Jarstein gespielt. Ziemlich folgerichtig dann das 0:1 in der 31. Minute: Augsburgs Spielmacher Michael Gregoritsch bekam wieder einmal viel zu viel Raum im Zentrum und konnte mit seinem linken Fuß aus 20 Metern ungehindert auf’s Tor draufhalten. Vladimír Darida fälschte den Ball noch ab, sodass er als Bogenlampe über Jarstein hinweg ins Tor fiel. Ein echtes Slapsticktor!

Die Fans der Ostkurve haben Torwart Marius Gersbeck nicht vergessen ©Andreas Düllick

In der 34. Minute gab es dann wieder ein kleines Aufbäumen der Gastgeber. Über die rechte Seite kam der Ball zu Außenverteidiger Peter Pekarik, der von der Strafraumkante gefährlich abzog. Doch Augsburgs Torwart Luthe fischte den Ball aus dem Torwinkel. Danach nahmen sich beide Teams eine fast zehnminütige Auszeit, ehe wieder Gregoritsch in der 42. Minute aus 20 Metern auf den Kasten von Jarstein zielte. Zum Glück für den Hauptstadtklub ging der Schuss aber weit vorbei am Tor vorbei. Kurz vor dem Pausenpfiff versuchte Matthew Leckie, den Ball über Andreas Luthe hinweg zu spitzeln, aber die Aktion misslang. So gingen die Gäste vollkommen verdient mit der 1:0-Führung in die Pause. Die Ostkurven-Fans der Hertha begleiteten ihre Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine.

Erst das zweite Gegentor, dann Elfmeter und Last-Minute-Tor

Hertha kam mit viel Schwung und Engagement aus der Kabine zurück, wahrscheinlich hatte der Trainer dort eine deftige Ansprache an seine Mannschaft gehalten. Kurz nach Wiederanpfiff war es Mittelstürmer Davie Selke, der eine Flanke von Peter Pekarik sehr knapp verpasste. In der 54. Minute legte Salomon Kalou seinem Stürmerkollegen Selke den Ball erneut auf, Hinteregger konnte gerade noch zur nächsten Ecke für die Berliner klären. In der 58 Minute verletzte sich dann Augsburgs Spielmacher Gregoritsch nach einem erneuten Vorstoß in den Strafraum der Berliner. Gregoritsch musste runter, für ihn brachte Augsburgs Coach Baum den Venezolaner Sergio Córdova.

Auch Hertha wechselte jetzt: In der 60. Minute kam Ondrej Duda für Peter Pekarik. Doch dieser sehr offensive Wechsel von Dárdai sollte sich gleich rächen. Nur eine Minute später passte Caiuby den Ball im Strafraum der Berliner auf Córdova. Der konnte sich viel zu einfach um seinen Gegenspieler Niklas Stark drehen und schlenzte den Ball gefühlvoll zum 0:2 ins lange Eck. Keine Chance für Torwart Jarstein und wieder einmal äußerst pomadig von Innenverteidiger Stark, der anscheinend in jedem Spiel für gefühlt einen schweren Fehler gut ist! Die Augsburger legten danach sofort nach. In Spielminute erzielte Rani Khedira fast das dritte Tor für die Gäste. Sein Schuss aus zentraler Position verfehlte das Hertha-Tor nur um Zentimeter. Das war extrem viel Glück für Berlin!

Und noch ein klare Ansage der Fans zum Zuschauerschwund… ©Andreas Düllick

In der 71. Minute reichte es dem Hertha-Coach. Dárdai wechselte gleich doppelt: Vedad Ibišević kam für Per Skjelbred. Außerdem feierte der 19-jährige Sohn des Trainers, Palko Dárdai, sein Bundesliga-Debüt. Er kam für den Mittelfeldman  Per Skjelbred. Dieser Wechsel brachte den nötigen Schwung nach vorn für die Schlussviertelstunde. In der 83. Minute drängte Davie Selke sehr energisch in den Augsburger Strafraum, verfolgt vom gerade eingewechselten Ex-Berliner Christoph Janker. Der zog Selke im Strafraum ziemlich unbedarft am Trikot. Keine Frage für Schiedsrichter Marco Fritz, der sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Herthas Elfmeter-Schütze vom Dienst Vedad Ibišević nahm sich den Ball und verwandelte eiskalt rechts unten zum Anschlusstreffer. Nun wachte auch die Ostkurve wieder auf und feuerte ihr Team lautstark an. Und wieder war es Mittelstürmer Selke, der sich in der 87. Minute nach einem langen Pass auf Ibisevic, den dieser per Kopf verlängerte, ganz stark auf der halbrechten Position gegen Christoph Janker durchsetzte. Mit einem straffen Flachschuss ins linke Eck überwand er Augsburgs Schlussmann zum 2:2. Danach drängte Hertha sogar noch auf den Siegtreffer. Palko Dárdai marschierte in der 90. Minute mit dem Ball am Fuß direkt in Richtung Augsburger Tor, aber Marcel Heller trat ihm bei seinem Abwehrversuch von hinten in die Hacken und brachte ihn so zu Fall. Schiedsrichter Fritz schickte ihn für dieses rüde Foul mit einer glatt Roten Karte vom Feld. Eine absolut vertretbare Entscheidung, denn bei diesem Konter hätten die Berliner den Siegtreffer erzielen können. Zwei Minuten Nachspielzeit gab es dann noch oben drauf, doch es blieb beim letztlich etwas glücklichen 2:2-Unentschieden für die Berliner.

Hertha-Coach Pál Dárdai musste nach dem Spiel erstmal etwas Dampf ablassen ©Andreas Düllick

Pál Dárdai war ziemlich angefressen

„Das Spiel kann auch 0:4 verloren gehen, denn die erste Halbzeit kannst du in die Tonne schmeißen.“ Dárdai war vor allem von seinen Führungsspielern enttäuscht: „Das kann ich nicht akzeptieren und habe ich so auch angesprochen. Er konnte dem Spiel letztlich dann noch etwas Positives abgewinnen: „Respekt vor der Moral, die meine Mannschaft am Ende zeigte, wenn das Spiel zehn Minuten länger geht, gewinnen wir. Wir waren psychologisch im Vorteil – so ist Fußball.“ Zu den Ambitionen auf eine UEFA-Cup-Teilnahme meinte ein sichtlich angefressener Dárdai: „Mit dem Druck kommen wir nicht richtig klar. Ich glaube, die Berliner Medien sind Träumer, aber diese Träumereien müssen wir nicht auf die Mannschaft übertragen. Ich bin zu Hause auch ein Träumer, aber hier bin ich Realist.“

Augsburgs Trainer Manuel Baum war sichtlich genervt ©Andreas Düllick

Manuel Baum zum Spiel:

„Wir sind natürlich bitter enttäuscht, dass wir hier gefühlt verloren haben. Am Ende haben die Herthaner leider ihre Qualität gezeigt und den Punkt geholt. Wenn ich auf die beiden Duelle gegen die Berliner schaue, sind zwei Zähler für uns zu wenig.“

Die Aussichten der Hertha nach dem 32. Spieltag

Nach dem Unentschieden gegen Augsburg belegt die Hertha in der Tabelle mit 43 Zählern den 9. Platz. Der Rückstand auf Eintracht Frankfurt, den Tabellensiebenten, beträgt nur drei Punkte. Wenn die Berliner die Hessen noch einholen, würde das Team von Dárdái in der kommenden Europa-League-Qualifikation starten dürfen. Vorausgesetzt, Frankfurt gewinnt nicht das Finale im DFB-Pokal gegen Bayern München.

 

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