Mitgliederversammlung Hertha BSC  (14. Mai 2018)

Hertha BSC geht mit Rekordetat von 131 Millionen Euro in nächste Saison

Bericht & Fotos: Andreas Düllick

Zur Eröffnung der Mitgliederversammlung am 14. Mai 2018 begrüßte Präsident Werner Gegenbauer die anwesenden 1.219 Mitglieder ganz herzlich. Hertha-Manager Michael Preetz holte dann erst einmal die Profi-Mannschaft auf die Bühne. KapitänVedad Ibišević verabschiedete sich und sein Team von den Mitgliedern mit den Worten, die Mannschaft habe eine lange und anstrengende Saison hinter sich und müsse jetzt schnell mal in den Urlaub.

Danach durfte Cheftrainer Pál Dárdai ans Mikrofon und bilanzierte die Saison so: „Wir haben hart gearbeitet, konnten aber spielerisch nicht oben reinrutschen, wir haben junge Spieler sehr gut integriert, das ist eine gute Basis für nächstes Jahr. Wir werden uns weiterentwickeln, wenn wir das schaffen, haben wir eine gute Zukunft vor uns.“

Dann feierten die Mitglieder Julian Schieber frenetisch zur Verabschiedung; der bedankte sich artig und wünschte sich, öfter mal ins Olympiastadion kommen zu können.

Anschließend gab es traditionell die Ehrung der verstorbenen Vereinsmitglieder, Bericht des Präsidiums, des Aufsichtsrats, des Ältestenrates, die Aussprache zu den Berichten des Hertha BSC e.V, die Wahl der Mitglieder Aufsichtsrates des Hertha BSC e.V., den Bericht der Geschäftsführung des Hertha BSC GmbH & Co KG KGaA und des Beirates der Hertha BSC GmbH & Co KG KGaA.

Es war eine sorgenfreie Spielzeit

Hertha-Manager Michael Preetz bilanzierte dann die abgelaufene Spielzeit. Hertha habe seit acht Jahren erstmals wieder international gespielt und habe die Herausforderung, in drei Wettbewerben antreten zu müssen – Liga, DFB-Pokal und Europapokal – relativ gut gemeistert. Unterm Strich sei es eine sehr ordentliche Saison gewesen mit einer guten Auswärtsbilanz und einer eher schwachen Heimbilanz. Im Olympiastadion habe man zu viele Chancen und Punkte liegengelassen, Platz 10 sei demnach folgerichtig. Es sei eine sorgenfreie Spielzeit gewesen, man habe sich zu keiner Zeit in Gefahr befunden. Als Höhepunkte benannte Preetz, dass das Team als einzige Bundesligamannschaft nicht gegen FC Bayern verloren habe, den Auswärtssieg gegen RB Leipzig sowie die zwei Erfolge gegen Bayer Leverkusen. Es wäre mehr möglich gewesen, aber man habe sich  in der ersten Bundesliga etabliert.

Verein ist eine interessante Adresse für junge Spieler

Dann widmete sich der Manager der nächsten Spielzeit. Erste Pflicht für die Hertha in jeder Saison sei es, Punkte zu sammeln gegen den Abstieg. Der Verein sei eine interessante Adresse für junge, hungrige Spieler, der Weg der Integration der eigenen Spieler werde in den nächsten Jahren konsequent fortgesetzt. Man müsse auch die Wertentwicklung des Kaders beachten, so würden Marvin Plattenhardt Matthew Leckie (Australien) zur Fußball-WM nach Russland fahren. Dazu gebe es einige U-Nationalspieler, darunter Jordan Torunarigha, Sidney Friede, Maximilian Mittelstädt, Florian Baak, Pálko Dárdai und Arne Maier.

Es seien auch bereits einige Weichen für Saison gestellt worden, darunter die Vertragsverlängerungen mit Plattenhardt, Rune Jarstein, Peter Pekarik und Arne Maier. Beim ausgeliehenen Japaner Genki Haraguchi hielte man sich alle Optionen offen.Stolz berichtete Preetz über die Neuverpflichtungendes Niederländers Javairô Dilrosun (19), der ablösefrei von Manchester City kam und zuvor die exzellente Jugendausbildung von Ajax Amsterdam durchlaufenhabe,und U21-Nationalspieler Lukas Klünter 21 vom 1. FC Köln, der auf der Rechtsverteidigerposition Pekarik Konkurrenz machen solle. Die Transferperiode noch lang, da werde noch was kommen. Mitchel Weisers Abgang nach Leverkusen bringt dem Verein übrigens ca. 12 Millionen Euro an, Geld das sehr gut in einen herausragenden Mitfeldspieler investiert werden sollte.

Finanzen, Zuschauer und fankritik

Finanzboss Ingo Schiller erläuterte den Mitgliedern die finanzielle Lage des Hertha BSC GmBH & Co KG KGaA (siehe unten). Dann nahm er Stellung zum Zuschauerrückgang um rund 5.000 Fans pro Heimspiel und präsentierte einige Maßnahmen, wie der Verein wieder mehr Zuschauer in Stadion holen wolle. Darunter finden sich die Punkte mehr Print-, -Außen- und Internetwerbung für die Heimspiele. Außerdem bietet Hertha demnächst verbilligte Kartenpreise für an, u.a. sollen Kinder unter vierzehn Jahren in 15 der 17 Heimspiele gar ganz ohne Eintrittsgeld ins Stadion dürfen.

 

Schiller positionierte sich auch zum Unmut der Ostkurven-Fans bezüglich der Digitalisierung bei der Hertha und speziell zur überaus harten Kritik der Fans am Digitalchef Paul Keuter. Man müsse im Dialog bleiben, Personen dürften nicht diffamiert werden.

Stadionfrage

Zum Schluss stellte er die Pläne des Vereins zur Stadionfrage, sprich dem Neubau eines eigenen Hertha-Stadions auf dem Gelände des Olympiaparks vor. 2025 will Hertha BSC in einem eigenen Stadion mit einer Kapazität von 55.000 Plätzen, davon 10.000 Stehplätze in der Ostkurve, direkt am U-Bahnhof Olympiastadion spielen. Zuckerl für die Fans: Es soll ein Fan-Haus und hinter der Ostkurve eine Fan-Gastronomie geben. Über die Kosten des Neubaus und woher das Geld dafür kommen soll, sagte Schiller nichts Konkretes. Nur so viel: Es werde wohl eine Mischung aus Eigenkapital, gesparter Miete und Mehreinnahmen sowie Sponsorengeldern geben. Leider verzichtete Schiller auf die Vorstellung der Pläne des Berliner Senats zum Umbau des Olympiastadions. Fairerweise hätten die Mitglieder natürlich auch über diese Pläne informiert werden müssen.

Dann gab’s die Aussprache zu den Berichten, die wie immer etwas kontrovers verlief. Speziell gab es Unmut zu den Fan-Aktivitäten des Vereins zum 125. Geburtstag, zum Hertha-Dampfer und der mangelnden Beteiligung des Hertha-Vorstands an der Finanzierung per Schiffs-Aktien sowie zur Digitalisierungsoffensive.

Schiphorst erst im zweiten Wahlgang in den Aufsichtsrat

Nach der Auszählung der Stimmen für die Wahl für den Aufsichtsrat – 500 Stimmen brauchte jeder Kandidat – wurde folgendes Ergebnis verkündet: Im ersten Wahlgang gewählt wurden Andreas Schmidt (957 Stimmen), Torsten-Jörn Klein (843), Scott Körber (779) und Klaus Brüggemann (723). Bernd Schiphorst, langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrats, verfehlte mit 494 Stimmen die erforderliche absolute Mehrheit. Aber auch Sabine Klabe und Nils Korte erreichten nicht die erforderlichen Stimmen. Daraus folgte die Notwendigkeit, einen zweiten Wahlgang abzuhalten, die Satzung sieht fünf Mitglieder im Aufsichtsrat vor. Diesmal erhielt Schiphorst 391 Stimmen (389 Stimmen waren notwendig)und zog erneut in den Aufsichtsrat ein.

Danach sollte es wie immer noch einmal richtig spannend werden: Es ging um die Anträge der Mitglieder, darunter die Abwahl des Vizepräsidenten Thorsten Manske. Der steht zurzeit in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Hertha-Profi Maik Franz und lässt deswegen sein Amt ruhen. Da es nicht genügend Stimmen für eine Abwahl gab, bleibt Manske im Amt.

Hertha mit neuem Rekordetat

Der Bundesliga-Zehnte Hertha BSC plant für die Saison 2018/19 mit Rekord-Erträgen von 131,4 Millionen Euro und Ausgaben von 131,0 Millionen Euro. Diese Zahlen hatte Hertha-Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller am Montag im Vorfeld der Mitgliederversammlung bekanntgegeben. 65,6 Millionen Euro kommen davon aus dem Bereich TV/Radio.

Der Personalaufwand schlägt mit 59,1 Millionen Euro zu Buche, davon gibt der Verein 50,1 Millionen Euro für seine Lizenzspielerabteilung auf. Als weitere Planungsvorgaben für die Spielzeit 2018/19 nannte Schiller 45 Punkte in der Bundesliga, den Einzug in die 2. Runde des DFB-Pokals und einen Zuschauerschnitt von 47.400. Zum Vergleich: Herthas Schnitt sank laut Klub in der abgelaufenen Saison um rund 5.000 auf 45.289.