Füchse Berlin – Hannover Burgdorf (17.05.2018)

Fabian Wiede macht mit Traumtor wichtigen Sieg gegen Hannover klar

Bericht & Fotos: Andreas Düllick

Man war das eng: Es liefen die letzten beiden Sekunden des Spiels beim Stand von 24:24, die Füchse Berlin bekamen noch einen Freiwurf zugesprochen.Pass  auf Fabian Wiede und der hämmert den Ball in der Schlusssekunde zum spielentscheidenden 25:24 knallhart unter die Latte. Was danach folgte war ein einziger Freudentaumel der Mannschaft und frenetischer Jubel der Füchse-Fans.

Selbst abgebrühte Sportjournalisten vermeldeten nach Spielschluss gesteigerten Adrenalinspiegel und Schweißausbrüche. Was genau war passiert zuvor?

Wie so oft in dieser Saison hatten die Gäste den deutlich besseren Start. Treffer für Treffer setzten sie sich von den Füchsen ab, die in der 6:0-Abwehr schlecht sortiert waren, zu viele technische Fehler begingen und die falschen Wurfentscheidungen suchten. Hinzu kam, dass Schlussmann Silvio Heinevetter anfangs auch nicht gerade glänzte. Sein Gegenüber, der 2,08 m große Malte Semisch, der in der nächsten Saison für die Füchse spielt, zog den Füchse-Angreifern zu oft den Zahn. Die Folge: In der 20. Minute  lagen die Gastgeber schon mit 6:10 zurück, den 6.418 Zuschauer schwante Böses.

Dabei hatte Füchse-Coach Velimir Petkovic nach dem Kanter-Sieg über die Rhein-Neckar Löwen vor den „Recken“ aus Hannover explizit gewarnt. Entweder würde alles nach Plan laufen, so Petkovic. Es könne aber auch sein, dass er in den ersten zehn Minuten zwei Mal eine Auszeit nehmen müsse.

Das musste er schließlich nicht, denn er hatte einen anderen Plan, der extrem gut aufging. Petkovic stellte seine Abwehr auf ein 5:1-System um, was die Gäste komplett aus dem Konzept brachte. Zudem wurde Füchse-Torwart Heinevetter immer besser und parierte einen Torwurf nach dem anderen. Die Füchse legten nun einen 7:2-Lauf hin und gingen mit dem Pausenpfiff durch ein Tor von Fabian Wiede erstmals im Spiel in Führung. Das 13:12 ließ den Berlinern nun alle Möglichkeiten offen für die zweite Hälfte.

Nach der Pause machten die Füchse genauso fokussiert und wild entschlossen weiter. Der wieder genesene Paul Drux trieb sein Team jetzt energisch an und traf selbst. Der Siebenmeter-Schütze vom Dienst, Hans Lindberg traf zwei Strafwürfe von Hans Lindberg und auch der dänische Kreisläufer Johann Koch netzen ein.

Selbst Stipe Mandalinic, der nach seiner Verletzungspause sehr vorsichtig vom Trainer eingesetzt wurde, trug sich mit schönen Toren in die Torschützenliste ein. Plötzlich stand es 17:12 für die Gastgeber, der 10:1-Lauf (!) hatte anscheinend die Moral der „Recken“ gebrochen. Treffer für Treffer erzielten die Füchse jetzt und beim Spielstand von 24:18 in der 51. Minute war eigentlich jeder in der Halle sicher, dass der Sieg und die beiden Punkte im „Fuchsbau“ bleiben.

Doch dann passierte, was eigentlich nicht passieren durfte: Im Angriff wurden die Torchancen leichtfertig vergeben, die Gäste wurden auf einmal dynamischer, insbesondere Nationalspieler Kai Häfner zeigte sich extrem kampfstark. Ein ums andere Mal konterte Hannover die Füchse aus und kam  so Tor um Tor heran. Als Häfner dann zum 24:23-Anschlusstreffer traf, machte sich Angst breit in der Max-Schmeling-Halle. Erst den klaren Sieg vor Augen, jetzt drohte gar eine Niederlage. Denn in der 58. Minute glich der Gast durch den Treffer von Rechtsaußen Timo Kastening zum 24:24 aus.

Doch dann schlug die Stunde, besser gesagt die Minute von Torwart „Heine“ und Führungsspieler „Fabi“: Erst parierte Heinevetter überragend beim blitzschnellen Konter gegen Casper Mortensen.

Und dann kam Fabian Wiede. Wild entschlossen ging er über die rechte Seite aufs Hannover-Tor und netzte ein. Doch das Schiedsrichter-Gespann gab den Treffer nicht. Schon zuvor hatten die beiden Unparteiischen durch diverse Fehlentscheidungen den berechtigten Unmut des fachkundigen Publikums auf sich gezogen. Es gab schließlich einen Freiwurf für die Füchse zwei Sekunden vor Spielschluss. Was dann passierte…

Bester Torschütze bei den Füchsen war übrigens Johan Koch mit sechs Treffern. Vielleicht reift der Däne in Berlin noch zum Nationalspieler?

Die Füchse bleiben nach dem Sieg auf Tabellenplatz 3 hinter den Rhein-Neckar Löwen und Flensburg und haben es in den ausstehenden drei Ligaspielen selbst in der Hand, sich einen Platz in der Champions League zu sichern. Mit den beiden schwer erkämpften Erfolgserlebnissen im Rücken reiste das nach wie vor ersatzgeschwächte Team zum Final Four des EHF-Pokals. Dort trifft die Mannschaft im Halbfinale auf Frischauf Göppingen. Eine schwere Aufgabe, zumal die Göppinger durch die kaum noch nachvollziehbaren Spielansetzungen viel mehr Pause und somit Zeit zum Relaxen und Vorbereiten hatte. Auf geht’s Füchse!

Stimmen zum Spiel:

Velimir Petkovic:

„Ich bin leer. Meine Mannschaft war nicht von Anfang an wach und man hat gesehen, dass wir vor vier Tagen ein schweres Spiel hatten, das uns Kraft gekostet hat. Wir haben ganz schlecht angefangen im Angriff und sind dann dennoch mit einem Tor in Führung in die Halbzeit gegangen. In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, warum wir stehen wo wir stehen. Wir haben phänomenal gekämpft, mit sechs Toren geführt gegen diese Top-Mannschaft. Was in den letzten sieben, acht, neun Minuten passiert ist, kann ich nicht erklären. Uns hat am Ende etwas die Kraft gefehlt, wir hatten Pech beim Wurf und der Torwart hat auch einige Bälle gehalten. Das Tor von Fabian Wiede hat uns zwei Punkte gebracht und auch Energie für mein Team. In 48 Stunden steht eine große Aufgabe gegen Göppingen in Magdeburg an.“

Bob Hanning:

„Entscheidend war die Umstellung beim 7:11 auf die 5:1-Deckung. Wir haben dann einen 10:1-Lauf hingelegt und davon gezehrt. Wir waren dann sicher, dass das Ding in der Kiste ist, haben jedoch ganz klare Chancen liegen gelassen. Wir haben gewusst, dass das heute ein großer Schritt Richtung Platz drei sein kann. Ich bin sehr glücklich, dass wir das so geschafft und umgesetzt haben und mit einem positiven Gefühl nach dem letzten Ball in die wichtigen Spiele am Wochenende gegen eine ausgeruhte Göppinger Mannschaft gehen. Wir müssen einfach aus der Komfortszene rauskommen.“ Zum Siegtreffer von Fabian Wiede meinte Hanning: „Es war klar, dass nur einer den Ball nimmt. Wir können uns glücklich schätzen, mit Fabi so einen Individualisten in unseren Reihen zu haben.

Statistik: Heinevetter, Stochl, Wiede 4, Elisson 2, Milde, Vukovic, Struck, Mandalinic 3, Gojun 1, Lindberg 5/5, Zachrisson 1, Schmidt, Reißky 1, Koch 6, Drux 2