Pressekonferenz zum 77. ISTAF 24.05.2018

Der letzte Schrei!

In 101 Tagen feiert Robert Harting beim ISTAF im Berliner Olympiastadion seinen Abschied

Bericht & Fotos: Andreas Düllick 

„Das ISTAF ist einfach seit Jahren mein Heimspiel, mein Zuhause. In extremen Situationen freue ich mich, bei meiner Familie, meinen Freunden zu sein – deshalb der Abschied beim ISTAF.“ Das erzählte der Diskus-Olympiasieger von 2012 und mehrfache Welt- und Europameister, Robert Harting, am 24.05.2018 auf der Pressekonferenz zum 77. Internationalen Stadionfest der Leichtathletik (ISTAF) in Berlin. Gemeinsam mit der Top-Sprinterin Gina Lückenkemper und ISTAF-Direktor Martin Seeber informierte Harting über den Stand der Vorbereitungen auf das Event am 2. September im Berliner Olympiastadion und natürlich die kurz davor ebenfalls in Berlin stattfindende Europameisterschaft.

Beim ISTAF wird Robert Harting seinen letzten Wettkampf bestreiten, die Veranstalter wollen ihn dort in seinem „Wohnzimmer“ gebührend verabschieden, berichtete Martin Seeber. Im Mittelpunkt wird der letzte Wurf in der Karriere von Robert Harting stehen. Gemeinsam mit den Fans verabschieden wir nicht nur einen extrem erfolgreichen Athleten, sondern auch einen überragenden Kämpfer für die Werte des Sports. Das wird sicherlich emotional – aber auch ein großes Fest. Gemeinsam mit den Fans verabschieden wir nicht nur einen extrem erfolgreichen Athleten, sondern auch einen überragenden Kämpfer für die Werte des Sports. Das wird sicherlich emotional – aber auch ein großes Fest.“ Ein offener Doppeldecker-Bus werde zum Diskuswurf ins Stadion gefahren und am Ring zur mobilen Bühne für Freunde, Familie und Weggefährten. Zudem werde es einen Harting-Fanblock geben.

Die ARD plant eine Übertragung von ca. 16:30 bis 19:00 Uhr im Ersten.

Stimmen:

Robert Harting:

Zu seiner aktuellen Verletzung

„Die Quadrizepssehne heilt nicht in ein paar Wochen, da braucht es schon acht Monate dafür. Aber es fühlt sich nicht nach Aufgeben an, ich habe keinen Bock, aufzugeben! Mal sehen, wofür es reicht.“

Vorfreude auf die EM

„Ja, es ist neben den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften schon sehr wichtig für den Kopf, wenn man jetzt langsam so auf Tuchfühlung gehen kann mit diesem Großereignis zuhause. Und mit dem deutschen Publikum ist es ja auch etwas anderes, als wenn man international unterwegs ist.“

Der Kampf um die EM-Nominierung

„Das hängt ja von der Nominierung ab, ich kann ja nur meine Leistung bringen, aber ich glaube schon, dass ich es schaffe. Mein Leistungsniveau liegt zurzeit bei 65 Metern. Bei dem ersten Wettkampf hatte ich Probleme mit dem Wurfring, der war zwei Tage zuvor erst neu gemacht worden. Ich werfe mit der Stützwurftechnik, d.h. ich muss die Kraft in den Boden bringen und dann den Körper abbremsen und das geht in sehr glatten Ringen einfach nicht. Aber der Wurf auf die 63,68 Meter war ein absoluter Sicherheitswurf, und das beruhigt mich wirklich sehr. Ich bin da eigentlich ganz entspannt. Am 31. Mai trete ich in Rom bei einem Meeting an, da werde ich wahrscheinlich das erste Mal ein richtiges Feedback bekommen, was mein Leistungsvermögen angeht. (Danach folgen vom 8. bis 12. Juni drei Wettkämpfe binnen vier Tagen – allesamt im Ausland.)Na ja, und ich erinnere mich an die Situation 2016, drei Deutsche hatten über 67 Meter geworfen und ich war im Trainingslager mit einem Muskelfaserriss. Aber am Ende hat es dann doch für mich geklappt. Zum Ende der Saison zeigt sich die wahre Stärke, und ich habe da noch ein bisschen Zeit. Ich mache mir wirklich keine Sorgen, ich bin ein Wettkampftyp.“

Wettkampfstrategie geändert wegen Verletzungen?

„Es ist so, dass ich im Training in den letzten Würfen immer besser bin. Es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass ich auch wieder in den letzten Würfen meine beste Leistung abrufen werde. Weil ich muss mich ja auch an die Atmosphäre gewöhnen, strategisch ist da eigentlich nicht viel verändert. Ich kämpfe mir mir, ich habe gar nicht die Chance, mich mit den anderen auseinanderzusetzen, mich an ihnen zu reiben. Wir werden es sehen.“

Gina Lückenkemper:

Wie die Vorbereitung lief

„Ich habe am kommenden Samstag meinen Saisoneinstieg in Jena, danach habe ich zwei Diamond League Meetings in Stockholm und Oslo.  Ich freue mich darauf, dass es endlich wieder los geht mit den Wettkämpfen. Ich habe großen Bock wieder richtig schnell zu rennen, vor allem schnell gegen andere Leute zu rennen und hoffentlich vor den anderen Leuten ins Ziel zu kommen! Ich habe gut trainieren können in der letzten Zeit, in bin verletzungsfrei geblieben, und es lief im wahrsten Sinne des Wortes sehr gut bisher. Ich hatte nur eine Pause von zwei Wochen, in denen ich kein Training hatte, nur Ruhe. Und dann ging wieder der Alltagsstress los mit Training und Uni. In den letzten sechs Wochen war ich fünf Wochen lang im Trainingslager, das war schon nicht ohne.“

Start über alle drei Strecken: 100, 200 und 4×100-Meter-Staffel?

„Es steht noch nicht genau fest, was ich bei der EM laufen werde. Bei den Meetings werde ich alles in Angriff nehmen, werde die 100 Meter, die 200 Meter und die Nationalstaffel laufen. Und dann muss ich sehen, was das Beste für die EM ist. Diese Dreifach-Klatsche ist ziemlich heftig, ich wäre bei der EM an jedem Tag im Einsatz, ich bin aber auch nur ein Mensch und keine Maschine. Ich weiß nicht, ob mein Körper das alles verarbeiten könnte.“

Zielstellung bei der EM im eigenen Land

„Ich möchte zwei Medaillen holen! Da ist kein Traum, sondern das ist mein Ziel! Ich möchte unbedingt mit zwei Medaillen von der EM nach Hause fahren. Ich habe das auch bei der EM 2016 in Amsterdam geschafft. Ich bin mir bewusst, dass die Konkurrenz nicht schläft, aber das tue ich auch nicht. Das ist meiner Meinung nach ein sehr realistisches Ziel!“

Wie schnell muss man sein, um Medaillen bei der EM zu gewinnen?

„Sehr schnell! Aber das kann man zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht sagen, weil viele noch gar nicht in die Saison eingestiegen sind. Ich habe ja auch noch kein Rennen gemacht. Um Medaillen zu gewinnen, muss ich aber in der Lage sein, persönliche Bestleistungen über 100 und 200 Meter zu laufen. Und das ist auch mein Ziel. Über die 100 Meter will auch in diesem Jahr wieder unter 11 Sekunden laufen. In Berlin möchte ich in Bestform sein und dazu in der Lage, meine Bestzeiten anzugreifen. Ich bin gespannt, was dann am Ende dabei herumkommt.“

Gina Lückenkemper ist die erste deutsche Sprinterin, die seit Katrin Krabbe die 100 Meter wieder unter 11 Sekunden gelaufen ist. Spürt sie mit ihren erst 21 Jahren zum ersten Mal richtig Druck? 

„Nee! Ich bin relaxt!

 

Der erste Start beim ISTAF

„Ich war 18 Jahre alt, als ich 2015 zum ersten Mal beim ISTAF am Start war, das war auf jeden Fall etwas ganz Besonderes für mich. Das war das erste größere internationale Meeting, was ich gemacht habe, das war einige Wochen nach der Leichtathletik-WM in Peking. Als ich dann die Nachricht bekam, dass ich in Berlin laufen darf, habe ich sofort gesagt: Oh, ich mache das! Weil ich schon immer mal in so einem Stadion laufen wollte. Denn für mich ist das Olympiastadion eines der schönsten weltweit. Da habe ich mich damals riesig drüber gefreut, dass ich dort laufen durfte. Ich bin im Rennen von Verena Sailer gelaufen, die dort verabschiedet wurde. Das war ganz witzig, die eine Athletin ist abgetreten und die andere stand in den Startlöchern. Mir hat des sehr gefallen, und deshalb freue ich mich jedes Jahr sehr auf das ISTAF!“

 

Martin Seeber:

Das Besondere am ISTAF

„Ich freue mich sehr, dass wir drei Wochen nach der EM hier im Berliner Olympiastadion mit dem 77. ISTAF die größte Leichtathletikveranstaltung der Welt haben werden. Ich hoffe natürlich, dass viele deutsche Athleten bei der EM Medaillen gewinnen werden, das ist für uns als Veranstalter sehr wichtig. Das ISTAF ist sozusagen die Zugabe zur Europameisterschaft, wo noch einmal alles komprimiert zusammenkommt wie auf einer After-Show-Party. Wir haben gegenüber einer Meisterschaft den großen Vorteil, dass wir nicht so ein straffes Programm haben. Wir können mehr machen, um Emotionen zu erzeugen. Wir werden absolute Weltklasse-Athleten am Start haben, natürlich die besten deutsch Sportler, und wir geben Nachwuchsathleten eine Chance, das erste Mal bei einem großen internationalen Meeting dabei zu sein.

Welche Wettbewerbe wird es geben und kommen die Topstars?

„Natürlich werden wir Diskuswerfen auf dem Plan haben, dann unsere Speerwerfer, Stabhochsprung mit Renaud Lavinellie und Raphael Holzdeppe, den Weitsprung der Frauen mit Ivana Spanovic und den deutschen Springerinnen, den Hürdensprint der Frauen und natürlich die 3000-Meter-Hinderniss mit Gesa Krause. Und dann schauen wir mal, was dazu kommt, vielleicht das Kugelstoßen der Männer und Frauen, der Hochsprung Männer und Frauen, Dreisprung, die 4-mal-100-Meter-Staffel, alles davon abhängig, wie die EM läuft. Wir wollen eigentlich alle deutschen EM-Medaillengewinner an den Start bringen.“

Haltung zur Stadionfrage Olympiastadion

„Ich bin der Meinung, ein Umbau des Olympiastadions würde dieses Monument verschandeln. Das ist ja nicht einfach ein Sportstadion, das ist ein gesellschaftliches Werk. Hertha BSC wäre mit einem Umbau nicht glücklich. Ich glaube ein Neubau wäre für alle Parteien die beste Variante. Privatfinanziert, denn man sieht ja, was passiert, wenn da Land selbst baut. Natürlich muss man sich für das Olympiastadion dann eine Nachnutzung überlegen. Da sind wir mit dem ISTAF sicher ein kleiner Teil. Aber es gibt auch weitere Möglichkeiten siehe Schalke mit dem Biathlon. Da muss man sich in Ruhe hinsetzen und Konzepte entwickeln. Ich kann die Haltung von Hertha BSC dazu gut verstehen, wir haben uns da bewusst ein wenig zurückgehalten.“