Füchse Berlin – TuS N-Lübbecke (25.05.2018)

Komfortzone verlassen, Hausaufgaben erledigt!

Füchse Berlin gewinnen mit 26:20 gegen TuS N-Lübbecke

Bericht & Fotos: Andreas Düllick

6.243 Zuschauer kamen am Donnerstag, den 24. Mai, in die Max-Schmeling-Halle, um die Füchse Berlin nach dem Gewinn des EHF-Pokals gebührend zu feiern und sie im Kampf um die Meisterschaft der Handball Bundesliga lautstark zu unterstützen. Den Anwurf hatte die TuS N-Lübbecke, das erste Tor der Gäste erzielte Marko Bagaric mit einem Nachwurf nach einer Parade von Silvio Heinevetter. Stipe Mandalinic traf aus dem Rückraum zum schnellen Ausgleich für die Füchse. Danach gab es einige technische Fehler, Hans Lindberg stand bei einem Wurfversuch im Kreis, Fabian Wiede hämmerte einen freien Wurf auf den Torwart der Gäste. Erstes Highlight aus Füchse-Sicht: Silvio Heinevetter pariert einen Siebenmeter!

Dann spielten die Füchse eine schöne Sperre für Paul Drux, der sicher zur 6:5-Führung einnetzte. Bis zur 19. Minute ging es hin und her, es tat sich allerding sehr wenig. Dann gab es einen Siebenmeter für die Füchse, den Hans Lindberg sicher zum 7:6 verwandelte. Das Spiel blieb aber auf einem erschreckend niedrigen Niveau, bestes Beispiel war der Wurf von Mandalinic, der deutlich über die Torlatte ging, dann reihte sich auf beiden Seiten ein technischer Fehler an den anderen.

Technische Fehler und vergebene freie Würfe

In der 23. Minute wurde es Gästetrainer Aaron Ziercke dann zu bunt, er nahm das erste Team Timeout, um seine Mannschaft neu einzustellen, doch auch das half nicht. In der 24. Minute kassierte Nils Torbrügge bereits seine zweite Zeitstrafe, diesmal für ein grobes Foul an Paul Drux. Nach einem Konter über Hans Lindberg erhöhten die Berliner auf 13:11, kassierten aber im Gegenzug sofort das 12. Tor.

Das ging viel zu leicht. Füchse-Coach Velimer Petkovic zog dann 15 Sekunden vor der Halbzeitpause auch noch ein Team Timeout und sagte den letzten Spielzug an. Die Gastgeber spielten dann auch eine sehr schöne Variante, leider vergab Fabian Wiede den nächsten freien Wurf, zielte wieder genau auf den Torwart. So blieb aber beim enttäuschenden Halbzeitstand von 13:12. Wie Füchse-Manager Bob Hanning später sagte, hätte seine Mannschaft aber auch locker mit vier, fünf Toren im Rückstand liegen können.

Müde und unkonzentrierte Füchse

Das Fazit zur Halbzeit war ernüchternd, aber plausibel: Die Füchse hatten in den letzten zwei Wochen sechs Spiele zu bestreiten, darunter die extrem schweren Spiele gegen die Rhein-Neckar Löwen, Hannover-Burgdorf und die Spiele gegen Göppingen und Sant Raphael im Final Four des EHF-Pokals. Kein Wunder, dass die Jungs von Velimir Petkovic ein wenig müde und unkonzentriert wirkten und einfach zu viele technische Fehler machten. Hinzu kam das anhaltende Verletzungspech: So durfte Spielmacher Mattias Zachrisson gar nicht auf die Platte, und Rückraumschütze Stipe Mandalinic kam zur zweiten Hälfe nicht mehr zurück. Nach den Ausfällen von Steffen Fäth und Marko Kopljar fehlt den Berlinern nun schon der dritte Shooter im Kampf um den Meistertitel.

Nach der Halbzeitpause ging es erst einmal so weiter wie zuvor. Fabian Wiede hatte wieder einen freien Wurf, den er zielgenau auf den Körper des Lübbecker Torwarts feuerte. Im Gegenzug machte Dener Jaanimaa den 13:13-Ausgleich. Jaanimaa war mit sechs Toren auch der erfolgreichste Schütze der Gäste. Dann leistete sich Paul Drux einen Fehlwurf, doch die Berliner hatten mit Heinevetter wieder mal einen festen Rückhalt, der seine Mannschaft mit einigen tollen Paraden im Spiel hielt. In der 33. Minute traf erneut Hans Lindberg vom Siebenmeterpunkt. Neuer Spielstand 14:13.

Die Füchse drehen richtig auf!

Bis zum 15:15 in der 36. Spielminute ging es weiter hin und her. Doch dann zogen die Füchse auf einmal deutlich an. Fabian Wiede aus dem Rückraum, Bjarki Elisson per blitzschnellem Konter und Paul Drux im 1:1 schraubten den Vorsprung binnen drei Minuten auf drei Tore hoch zum 18:15. Absolutes Highlight der zweiten Hälfte dann in der 44. Minute das perfekte Zuspiel von Fabian Wiede auf seinen Kumpel Paul Drux, der in den Kreis flog und per Kempa-Trick zum 20:16 einschoss.

Die Füchse waren jetzt bissiger, griffiger und zeigten den Gästen deutlich deren Grenzen auf. Nils Torbrügge hatte in der 49. Minute nach einem Foul – sein Arm ging regelwidrig zum Hals Fabian Wiede – seine dritte Zeitstrafe kassiert und musste mit Rot vom Platz. Hans Lindberg legte dann einen frechen Dreher von Rechtsaußen ins Netz und traf auch noch per Kontertor zum 25:17. Danach war das Spiel entschieden, die Füchse ließen es jetzt ruhiger angehen und brachten ihre jungen Spieler Oliver Milde und Christoph Reißky auf die Platte. Oliver Milde jagte dann zum Abschluß noch einen Rückraumkracher zum 26:20-Sieg unter die Latte. Mit diesem wichtigen Erfolg gewannen die Füchse das nunmehr siebte Spiel in Folge. Wie gesagt: Komfortzone verlassen, Hausaufgaben erledigt!

Löwen und Magdeburg patzen

Das kann man von den direkten Gegnern nicht behaupten. Der SC Magdeburg verlor auswärts mit 29:31 gegen den HC Erlangen. Die Füchse haben damit zwei Spiele vor dem Ende der Saison bereits den dritten Tabellenplatz sicher. Und da auch die Rhein-Neckar Löwen im Saisonfinale erneut patzen – gegen bärenstarke Melsunger unterlagen sie zuhause völlig überraschend mit 23:24 – ergeben sich für die Füchse Berlin durchaus gute Chancen, noch mehr zu erreichen als Platz 3. Die Hauptstädter haben nun exakt genauso viele Punkte wie der amtierende Meister und Pokalsieger, leider aber das deutlich schlechtere Torverhältnis. Nur einen einzigen Punkt vor den Mannheimer Löwen und den Füchsen liegt Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt.

Die Füchse müssen ihr schweres Auswärtspiel gegen Melsungen unbedingt gewinnen und ihr letztes Heimspiel gegen Hüttenberg ebenfalls. Und sie müssen auf weitere Stolperer der Löwen und von Flensburg hoffen. Dann könnte…

Aufstellung:Heinevetter, Stochl, Wiede 3, Elisson 3, Milde 1, Vukovic 1, Struck 1, Mandalinic 2, Gojun, Lindberg 8/3, Zachrisson, Schmidt 1, Reißky, Koch 1, Drux 5

 Stimmen:

Velimir Petkovic:

Meine Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit wieder gezeigt, warum wir so erfolgreich sind. Wir waren nicht müde, wir haben nur mehr Zeit gebraucht zum warm machen. Wir haben aber Probleme gehabt mit ihren langen Angriffen und waren immer zu spät im Zweikampf. Unser Angriff war unbeweglich, und wir sind schwer in Tritt gekommen. In der Halbzeit war dann unsere Deckung beweglicher. Wir sind zu einigen einfachen Toren gekommen, was uns Selbstvertrauen für den Angriff gegeben hat, wenn du nicht mehr jeden Angriff erfolgreich abschließen musst.

Bob Hanning:

Die erste Halbzeit war sehr schwierig. Nettelstedt war gut eingestellt und hat Vieles richtig gemacht. Meine Jungs haben mir leidgetan. Du hast diese Situation, dass du willst, aber die Beine sagen „Nee, komm leck mich am Arsch.“ Heine hat uns in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten, da hätten wir auch locker mit drei oder vier Toren hinten liegen können. Das wäre dann auch nicht unverdient gewesen. Wir sind dann aber in der Abwehr in die Bewegung gekommen und haben das gut zu Ende gespielt und souverän gelöst.

Eigentlich wäre es für uns viel besser gewesen, wenn mit dem heutigen Spieltag die Situation klar gewesen wäre. Wir haben Stipe Mandalinic, der verletzt ist und nicht spielen wird. Wir haben Mattias Zachrisson, der verletzt ist und nicht spielen wird. Aber es läuft gerade einfach zu gut, als dass man einen Gang zurückschalten könnte.