Vernissage „Der liebende Blick“ (04.09.2017)

Bundesfamilienministerin Katarina Barley eröffnet Ausstellung „Der liebende Blick

Die Straßenkinderporträts der Münchner Malerin Babette Brühl

Text & Fotos & Videoschnipsel: Andreas Düllick

Vernissage von Straßenkinder-Bildern von Babette Brühl im Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugen und Kindern mit Ministerin Katarina Barley und Mitgliedern von MOMO – The Voice of disconnected Youth ©Andreas Düllick

„Mich faszinieren diese eigenwilligen Persönlichkeiten, ihre Verschiedenheit, ihr ausgeprägter Charakter. Deswegen fing ich an, sie zu zeichnen und zu malen und suchte ihren Blickkontakt, um einzutauchen in das, was wir Seele nennen und was uns vielleicht mit allem verbindet und uns zugleich einzigartig macht.“ Babette Brühl

Babette Brühl „Der liebende Blick“

„Perspektiven anbieten durch Berühren“

Ein Grußwort zur Ausstellung „Der liebende Blick“ von Babette Brühl

von Andreas Düllick

Die Münchner Malerin Babette Brühl beim Flashmob mit Bildern aus ihrer Straßenkinder-Serie „Der liebende Blick“ auf dem Berliner Alexanderplatz ©Andreas Düllick

„Mich faszinieren diese eigenwilligen Persönlichkeiten, ihre Verschiedenheit, ihr ausgeprägter Charakter. Deswegen fing ich an, sie zu zeichnen und zu malen und suchte ihren Blickkontakt, um einzutauchen in das, was wir Seele nennen und was uns vielleicht mit allem verbindet und uns zugleich einzigartig macht.“ Babette Brühl

Vernissage von Straßenkinder-Bildern von Babette Brühl im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ©Andreas Düllick

„Kunst ist Waffe!“ Unter dieser Maxime nahm Wolf (Arzt, Schriftsteller und Kommunist) Stellung zu den brennenden Problemen seiner Zeit. Diese Maxime wird heute leider viel zu selten angewandt. Die Malerin Babette Brühl tut es nun, schlägt dabei aber mit ihrem Konzept „Der Liebende Blick“ eine sehr feine Klinge. Denn Kunst kann, wenn sie denn nicht nur einfach so agitatorisch daherkommt, sondern in einem schönen Gewande, will sagen anspruchsvoll und gelungen umgesetzt wird, viel, ja sehr viel bewegen. Menschen lassen sich gern in ihrem Innersten anrühren, berühren. Babette Brühl hat das zärtliche Gefühl, das schon Hermann van Veen in einem seiner wohl anrührendsten Lied besungen hat. Sie hat ein zärtliches Gefühl für diese Kinder, Straßenkinder, die uns oft schon so erwachsen scheinen, aber meist noch Kinder sind und seien wollen, weil sie um ihre Kindheit betrogen worden.

Rosa von Praunheim – Interview (Juni 2013)

Rosas Welt

Der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim

Interview: Andreas Düllick 

Rosa von Praunheim auf dem roten Teppich zur Preisverleihung der Berlinale 2015 (Quelle: Queryzo / Wikipedia CC-BY-SA 4.0 )

Rosa von Praunheim wurde am 25. November 1942 in Riga, Lettland, geboren. Er ist wohl mit Abstand der wichtigste und erfolgreichste schwule Filmregisseur der Welt. Mit seinem Dokumentarfilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) war er der öffentliche Wegbereiter und einer der Mitbegründer der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland.

Großes Aufsehen erregte Praunheim, als er am 10. Dezember 1991 in der RTL-plus-Sendung „Explosiv – Der heiße Stuhl“ u. a. den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling öffentlich als schwul outete. Praunheim war bis 2006 Professur für Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Er wohnt in Berlin und lebt in einer festen Beziehung mit seinem Mitarbeiter Oliver Sechting.

Für seine Dokumentation „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“, die bei der Berlinale 2011 uraufgeführt wurde, erhielt er 2012 den „Grimme-Preis“. Vom 24. bis 25. November 2012 zeigte der rbb in Zusammenarbeit mit arte zu Praunheims 70. Geburtstag unter dem Titel „Rosas Welt“ 70 Kurzfilme des Filmemachers. 2013 hat Praunheim auf den 63. Internationalen Filmfestspielen Berlin die „Berlinale Kamera“ erhalten.

Sven Regner – Interview (April/Mai 2013)

„Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club“

Sven Regener über die Tournee, die neue Platte, seinen Film und den neuen Roman 

Text & Fotos: Andreas Düllick

Wortakrobat Sven Regener…. ©Andreas Düllick

Sie haben es auf ihrer Webseite lange vorher und groß angekündigt: „Liebe Freunde, jetzt muss es raus, kein Gemunkel mehr, die Sache ist ja schon eingestielt, wie der moderne Marketing-Freak sagen würde, eingetütet, der Sack ist zu, der Drops gelutscht, also Folgendes: Element of Crime spielen im nächsten Frühjahr Clubkonzerte in Köln, Hamburg, Berlin, München und Frankfurt. Und nicht nur eins pro Stadt, nein, immer gleich mehrere sollen es sein, denn das Motto dieser kleinen Spezialtournee heißt: „Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club. Und es bringt ja auch nichts, das Angebot künstlich zu verknappen, bloß weil man lieber mal wieder in einem Club statt in einer großen Halle spielen will, denn darum geht es hier: Die Zeit zwischen zwei Alben, zwischen Baum und Borke, in der Grauzone zwischen dem Vergessen der alten und dem Schreiben neuer Songs mal wieder im Club zu spielen, und dann eben mehrmals.“

Im Klartext heißt das: 24 Konzerte vom 18. März bis 14. Juni 2013 in den kleinen Klubs von Frankfurt, Köln, München, Hamburg, Berlin, und dann auch noch in der Schweiz. In Berlin bespielten Sven Regener & Co an sechs aufeinander folgenden Tagen das „Lido“ in Kreuzberg. Natürlich war jeder Gig ausverkauft. Die Fans waren extrem hungrig auf die „Elements“, und sie wurden selbstredend nicht enttäuscht. Andreas Düllick traf einen sehr entspannten Sven Regener zum Interview nach dem Soundcheck vorm ersten Konzert.

OL – der Cartoonist im Interview

60 Jahre OL – Die Retroperspektive

INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

„OL hat ein normales Herrengesäß, das gut zu seinen langen Beinen und zu seinem frechen Gesicht passt.“ (Max Goldt)

Quelle: OL/Wikipedia CC BY-SA 2.0 de

Viele unserer Leser, aber auch die der Berliner Zeitung bzw. von TIP und zitty freuen sich immer wieder diebisch, wenn sie in den genannten Druck-Erzeugnissen einen neuen OL entdecken. OL steht für Olaf Schwarzbach, einen der besten Comiczeichner Berlins, nein, ohne jetzt zu übertreiben – Deutschlands, Europas – ja wohl der gesamten Welt! Geboren vor 45 Jahren in Berlin-Friedrichshain zeichnet sich der Mann mit der Berliner Schnauze seit 60 Jahren (sagt er selbst!) in die Herzen seiner Fans.

Seit einiger Zeit darf er auch für die beste Straßenzeitung der Welt (sagen wir selbst!) arbeiten und das tut er nun: Mürrisch, faul und ablehnend. Fragt man ihn, wo der fällige Cartoon denn bleibt, schließlich sei gestern bereits Redaktionsschluss gewesen, antwortet er entweder gar nicht oder schreibt einem, er hätte gerade den Blues und eigentlich nee und überhaupt …

Am Ende flattert uns dann doch immer wieder ein famoser Witz auf den Redaktionstisch, den wir dann sofort an unsere Leser weiterreichen. OL findet nun, dass es endlich Zeit ist für eine anständige Retrospektive seines Werks aus diesen sechs Jahrzehnten. Wir finden das auch und haben ihn gebeten, sich und seine Arbeit an dieser Stelle mal kurz und knapp vorzustellen.

Rammstein

»Es wird Musik sein, die anders ist als die Songs auf den alten Platten, es wird aber doch unverkennbar Rammstein sein« (Flake)

Flake über Rammstein, Lieblingsmusik und Radio machen ©Andreas Düllick

INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

Lange war es still um eine der berühmtesten und erfolgreichsten Bands Deutschland. Die Jungs von Rammstein haben sich rar gemacht, sich eine lange Auszeit genommen. Ein paar haben an eigenen Projekten gebastelt, manche haben einfach mal die Seele baumeln lassen. Irgendwann hörte ich, dass die Jungs wieder im Proberaum sein sollen. Ich fragte an, ob ich die Bandmitglieder zum Interview treffen könne. Ich hatte Glück: Der Rammstein-Keyboarder Christian Flake Lorenz sagte ganz exklusiv für mich und den „strassenfeger“ zu. Wir trafen uns kurz vor Weihnachten in Prenzlauer Berg, plauschten eine ganze Weile ganz entspannt und machten dann ein paar schöne Fotos.

Fotograf Harald Hauswald (I)

Ein Novum: Der Fotograf Harald Hauswald in Farbe

TEXT & FOTOS: Andreas Düllick

Harald Hauswald „Ferner Osten“ Lehmstedt-Verlag

Der Fotograf Harald Hauswald ist ein bekannter Fotograf. Er ist einer der wichtigsten Chronisten der DDR. Hauswald (geb. 1956) kam nach der Ausbildung zum Fotografen 1977 nach Berlin. Er arbeitete in verschiedenen Jobs und ab 1983 als Fotograf für die evangelische Stephanus-Stiftung. Seine Aufnahmen vom DDR-Alltag entstanden alle im Eigenauftrag bzw. ab 1986 auch für westliche Medien. 1989 gehörte er zu den Gründern der Agentur Ostkreuz. 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Im Pressetext zu Hauswalds gerade erschienenem Fotoband „Ferner Osten“ (Fotografien 1986-1990) heißt es: „Wie nahezu alle ostdeutschen Fotorealisten verdankt auch Harald Hauswald seinen Ruf ungeschönten und eindringlichen Schwarz-Weiß- Aufnahmen.“ Umso mehr erstaunt, dass er – bedingt durch seine „illegale“ Arbeit für westliche Medien – schon in den letzten Jahren der DDR mehrere tausend Farbaufnahmen machte. Hauswald selbst fand es übrigens eine große Enttäuschung für sich, als er in seiner Stasiakte ein Gutachten über die GEO-Geschichte fand, in dem stand: „Hauswald zeichnet ein düsteres Schwarz-Weiß-Bild der Hauptstadt.“ Dabei war es seine erste Farbfoto-Reportage! „strassenfeger“-Chefredakteur Andreas Düllick sprach mit Harald Hauswald über den neuen Fotoband, seine Arbeit als Dozent der Kunsthochschule Weissensee und neue Herausforderungen.

Harald Hauswald 60

„Mich interessieren Menschen in Räumen“

Der Fotograf Harald Hauswald: „Querbeet“ zum Sechzigsten Geburtstag

Interview & Fotos: Andreas Düllick

Der Fotograf Harald Hauswald wird 60 ©Andreas Düllick

Harald Hauswald, der berühmte „Ostkreuz“-Fotograf, feierte am 3. Mai seinen 60. Geburtstag. Passend dazu wurde ein paar Tage später die Ausstellung „Querbeet“ in der Fotogalerie Friedrichshain eröffnet. Dort kann man bekannte und neue, bisher unveröffentlichte Fotos von Hauswald entdecken. Der Schriftsteller Peter Wawerzinek sagt über ihn: „Harald Hauswald kam wie ich als Telegrammzusteller in die Hinterhöfe der Häuser. Er hat die abweisenden Winkel, das unspektakuläre Leben der einfachen Bürger von unten kennengelernt. Er hat die unbekannte Welt abgelichtet und im Tun grafische Sicherheit gewonnen. Die Architektur, die alle seine Bilder auszeichnet. In Berlin hat er mit der Kamera sein Lebensfeeling gefunden. ‚Die vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die einem in dieser Stadt zustoßen, sind einfach wunderbar‘. Den intimen Bildern Hauswalds sind sanfte Kühle und Reserviertheit anzumerken. Wer sich unter die Leute mischte, war mitunter ein Verwandlungswesen, ein Chamäleon, das seine Farben wechselte. Hauswald konnte mit der Kamera Eckensteher, Hooligan, Hausbesetzer oder Tangotänzer im schummrigen Saal werden.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weggefährten ©Andreas Düllick

Zur Vernissage kamen viele Freunde und Wegbegleiter, aber auch zahlreiche Fans seiner Kunst. Die Galerie platzte förmlich aus allen Nähten. Die Laudatio hielt auf ausdrücklichen Wunsch Hauswalds Marianne Birthler, früherer DDR-Bürgerrechtlerin und ehemalige Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde. Musik gab’s von der „Sogenannten Anarchistischen Musikwirtschaft“. Andreas Düllick traf Hauswald kurz vor der Ausstellung.

Sven Regener Interview

„Wir versprechen niemandem einen Rosengarten!

Wo ‚Element of Crime’ draufsteht, ist auch „Element‘ drin“ – Sven Regener über Spaß, Erfolg, Politik, Bier und Herrn Lehmann

INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

(strassenfeger 22/2010)

Sven Regener im Interview ©Andreas Düllick

Was soll man eigentlich über die Band „Element of Crime“ und ihren Sänger Sven Regener (spielt naü̈rlich auch Gitarre und Trompete!) noch sagen? Seit 25 Jahren gibt es sie und sie sind mittlerweile wahrlich Kult. Warum sie so erfolgreich sind, wissen sie selbst nicht so genau. Viele Fans glauben, es liege vor allem an den famosen Texten von Sven Regener, die ja immer suggerieren, ihr Autor habe die beschriebenen Momente gerade höchst selbst durchlebt. Musikkritiker meinen, es läge eher an der kongenialen Musik von Regeners Kollegen – aktuell sind das Jakob Friderichs (Gitarre), David Young (Bass) und Schlagzeuger Richard Pappig. Was lag da näher, als Sven Regener selbst danach zu fragen vor einem Konzert in der Berliner ‚ARENA‘.

Oliver Rath (* 14. April 1978 in Heidelberg; † 18. August 2016 in Berlin)

Alles Anarchie bei mir!

Ein schönes Galeriegespräch mit dem Fotografen Oliver Rath

STICHWORTE: Andreas Düllick | ANTWORTEN: Oliver Rath

(strassenfeger 8/2014)

Oliver Rath – ein Getriebener ©Andreas Düllick

Oliver Rath ist ein sehr erfolgreicher Fotograf. Wenn man ihn zum ersten Mal trifft, ist man perplex und verängstigt. Am ganzen Körper tätowiert, schwarze Sonnenbrille, extravagante Kleidung. Man spürt sofort: Der Typ ist alles andere als angepasst! Ein Rebell sei er, und er liebe Rebellen, sagt Oliver Rath über sich selbst. Das stimmt. Und – man sieht es auch an seinen Fotografien. Auf den ersten Blick sind sie einfach nur provozierend, schockierend, nichts für Spießer. Es geht um Sex, um Anarchie, um das Brechen von Normen.

Immer für eine charmante Provokation gut  ©Andreas Düllick

Das seine Fotos auch extrem schön sind, erschließt sich vielen Betrachtern erst auf den zweiten oder dritten Blick. Ein paar Jahre hat es gedauert, bis sich Oliver Rath im Haifischbecken Berlin durchsetzen konnte. Mittlerweile ist er angekommen. Für den strassenfeger hat er die Spendenkampagne »ONE WARM WINTER« perfekt ins Bild gesetzt. Grund genug für mich, Oli endlich mal in seiner Galerie in der Rosenthaler Straße 66 zu einem etwas anderen Gespräch zu treffen. Ich schlage ihm vor, dass ich nur Stichworte vorgebe, die ich über ihn gefunden habe bzw. ganz generelle, und dass er bitte kurz darauf antworten soll. Das gefällt ihm ganz ausgezeichnet, und wir legen los:

Zu Besuch in Oliver Raths Galerie ©Andreas Düllick