Rosa von Praunheim – Interview (Juni 2013)

Rosas Welt

Der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim

Interview: Andreas Düllick 

Rosa von Praunheim auf dem roten Teppich zur Preisverleihung der Berlinale 2015 (Quelle: Queryzo / Wikipedia CC-BY-SA 4.0 )

Rosa von Praunheim wurde am 25. November 1942 in Riga, Lettland, geboren. Er ist wohl mit Abstand der wichtigste und erfolgreichste schwule Filmregisseur der Welt. Mit seinem Dokumentarfilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) war er der öffentliche Wegbereiter und einer der Mitbegründer der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland.

Großes Aufsehen erregte Praunheim, als er am 10. Dezember 1991 in der RTL-plus-Sendung „Explosiv – Der heiße Stuhl“ u. a. den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling öffentlich als schwul outete. Praunheim war bis 2006 Professur für Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Er wohnt in Berlin und lebt in einer festen Beziehung mit seinem Mitarbeiter Oliver Sechting.

Für seine Dokumentation „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“, die bei der Berlinale 2011 uraufgeführt wurde, erhielt er 2012 den „Grimme-Preis“. Vom 24. bis 25. November 2012 zeigte der rbb in Zusammenarbeit mit arte zu Praunheims 70. Geburtstag unter dem Titel „Rosas Welt“ 70 Kurzfilme des Filmemachers. 2013 hat Praunheim auf den 63. Internationalen Filmfestspielen Berlin die „Berlinale Kamera“ erhalten.

Banksy – 60. Berlinale

„Exit Through the Gift Shop“ – Streetart-Künstler Banksy & Mr. Brainwash

Text: Andreas Düllick

(6/2010)

Banksy (Quelle: www.banksyfilm.com)

Die Ratte im Business-Dress mit Regenschirm, intelligente Affen: Diese Streetart-Motive kennen viele; wer der Erfinder ist, wissen die wenigsten. Banksy, der wohl berühmteste Streetart-Künstler der Welt, zieht es vor, anonym zu bleiben. Und das aus gutem Grund, denn er hinterlässt seine Spuren überall dort, wo er es nicht darf. Auf so ziemlich alle Mauern und andere „repräsentativen“ Flächen dieser Welt hat er seine Botschaften gesprüht. Manche Menschen – vor allem Hausbesitzer – nennen das „Sachbeschädigung im großen Stil“. Deshalb steht er in vielen Ländern sicher ganz oben auf der Fahndungsliste der Polizei.

Die Ratte mit dem Regenschirm ist eines der berühmtesten Motive Banksys (Quelle: www.banksyfilm.com)

66. Internationale Filmfestspiele Berlin

»Alle Menschen haben ein Recht auf Glück«

Die 66. Berliner Filmfestspiele

BERICHT: Andreas Düllick

Der rote Teppich ist ausgerollt

Der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ist ein ambitionierter Mensch: Seine Berlinale soll vor allem immer höchst politisch sein. Dies geht leider oft zu Lasten des Cineastischen. Dabei wäre es wunderbar, wenn die ausgewählten Filme beides zusammenbringen wurden: die tagesaktuelle Politik und die große Kinokunst. In den vergangenen Jahren hat das schon eher selten funktioniert. In diesem Jahr ist es noch schwieriger. Kosslick hat das Motto ausgegeben: »Alle Menschen haben ein Recht auf Glück.« Auf der Berlinale wollte er einen öffentlichen Diskurs über das aktuelle Flüchtlingsdrama. Deshalb hat sein Team gezielt Filme ausgesucht, die sich mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Kosslick dazu, dass die Berlinale sich schon immer für die Armen und Entrechteten engagiert habe. Das Filmfestival könne einen Beitrag dazu leisten, Menschen einen Blick in andere Leben, Situationen und Perspektiven zu gewähren, die sie sonst nicht zu Gesicht bekämen und so Empathie und Verständnis fördern. »Das ist die erste brutale Antwort auf eine ungebremste ökonomische Globalisierung.« In seiner Einschätzung der derzeitigen Weltpolitik mag Kosslick richtig liegen. In der Auswahl der Filme, nun ja…

Festivalchef Dieter Kosslick will eine politische Berlinale (Quelle: Wikipedia Commens)

65. Internationale Filmfestspiele Berlin

 »Als wir träumten« 

Wenn die Welt der Erwachsenen nach Kinderherzen greift

INTERVIEW: Andreas Düllick

»Ich erzähle Geschichten über Menschen. Es gibt eine Kraft der Menschlichkeit, die Leute über die Geschichten hinwegträgt. Auch durch die größten Unbilden. Das fasziniert mich.«

Der Regisseur Andreas Dresen im Interview  ©Andreas Düllick

Andreas Dresen war auf der 65. Berlinale mit seinem neuen Film »Als wir träumten« im Wettbewerb vertreten. Vorlage für den Film ist der wilde Roman des Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer. In der Beschreibung des Verleihs heißt es: »Als wir träumten« war der Stadtrand von Leipzig die Welt. Die DDR war weg und wir waren noch da. Pitbull war noch kein Dealer. Mark war noch nicht tot. Rico war der größte Boxer und Sternchen war das schönste Mädchen, doch sie hat mich nicht so geliebt, wie ich sie. Alles kam anders. Aber es war unsere schönste Zeit. Dani, Mark, Rico, Pitbull und Paul leben im Rausch einer besonderen Zeit. Jahre, in denen Gesellschaften und Systeme aufeinander prallen und alles, wirklich alles möglich scheint. Die Jungs sind dreizehn, als die Geschichte in der DDR beginnt, siebzehn, als sie im neuen Deutschland endet.« Das allein klingt schon spannend und aufregend. Und dann gibt es ja auch noch das wunderschöne Mädchen Sternchen… Grund genug für strassenfeger-Chefredakteur Andreas Düllick, den Regisseur Andreas Dresen am Rande der Filmfestspiele zum Interview zu treffen.