Robert Conrad – Fotograf

„Festgehalten“ & „Zerfall und Abriss“

Der Kampf des Fotografen Robert Conrad um den Erhalt historischer Architektur

TEXT: Andreas Düllick

Cover „Zerfall & Abriss“, Robert Conrad, Lukasverlag

Mehr als 15.000 Menschen haben in den vergangenen Wochen eine großartige Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum Greifswald besucht: Der Fotograf Robert Conrad hat dabei mit 140 Architekturfotografien und einem 20minütigen Super-8-Film das Sterben der Altstadt in den 1980er Jahren dokumentiert. Wegen des riesigen Interesses wurde die Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft der Bundeszentrale für Politische Bildung stand, bis Anfang März verlängert. Viele begeisterte Besucher erwarben Fotoabzüge der limitierten Auflage zur Exposition; prominentester Erwerber ist Bundespräsident Joachim Gauck. Das zur Ausstellung editierte Fotobuch „Zerfall und Abriss“ ist inzwischen ausverkauft. Ob es eine Neuauflage oder einen gänzlich neuen Band geben wird, ist derzeit in der Diskussion; das Interesse daran ist jedenfalls riesengroß. Für Robert Conrad hat sich mit der Vollendung dieses Projekts über seine Heimatstadt auf jeden Fall eine Herzensangelegenheit erfüllt. Aber, er wird dranbleiben am Thema und für den Erhalt der noch erhaltenen historischen Bauten in Greifswald kämpfen. Denn leider ist die Bewahrung dieser Bauten auch heute noch keine Selbstverständlichkeit, wie er in seinem Buch mahnend geschrieben hat. Dort beschreibt er auch sehr eindrucksvoll, wie er begann, diese historischen Fotos zu machen:

East Side Gallery – Protest

„Wowereit, das Denkmal bleibt!“

Der Kampf um die East Side Gallery

TEXT & FOTOS: Andreas Düllick

East Side Gallery ©Andreas Düllick

Es ist der 28. Februar 2013. An der Mühlenstraße in Berlin-Friedrichshain beginnen im Morgengrauen und ohne Ankündigung Abrissarbeiten an der Berliner East Side Gallery. Natürlich geschieht das Ganze mit Kalkül: Der Investor Maik Uwe Hinke („Living Bauhaus“), der auf dem Streifen hinter der ehemaligen Berliner Mauer ein Luxusapartmenthaus mit Spreeblick errichten möchte, weiß, dass er starken Protest zu erwarten hat. Deshalb wird die Aktion auch klammheimlich und unter dem Schutz eines starken Polizeiaufgebots gestartet. Hinkels Coup ist ein Skandal! Die überraschte Öffentlichkeit ist empört, und auch die Politik, insbesondere der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, reibt sich verwundert die Augen. Aktivisten organisieren in Windeseile Widerstand, die Landes- und Bezirks-Politik nimmt ziemlich widerwillig Verhandlungen mit Hinkel auf.

Superpenner

„SUPERPENNER“ – Seine Muskeln sind fester als sein Wohnsitz

Der Superhelden-Comic von Stefan Lenz war ein Scoop!

TEXT: Andreas Düllick MATERIALIEN: Stefan Lenz & Scholz&Friends

Cover des „Superpenner“ ©Stefan Lenz

Stell Dir vor, das Schicksal Berlins liegt in den Händen eines Obdachlosen – eines Obdachlosen mit Superkräften, dem „Superpenner“. Diese Heldengeschichte erzählte Anfang Januar 2014 ein ganz besonderes, professionell gemachtes Comic-Heft. Das Comic im Stil der legendären amerikanischen Superhelden-Hefte aus den 1960er Jahren war damals ausschließlich zusammen mit dem strassenfeger zu bekommen und sollte die Verkäufe von Berlins größter sozialer Straßenzeitung in ankurbeln und Spenden generieren. Gezeichnet hat den irren Comic der Berliner Werbegrafiker Stefan Lenz. Coloriert wurde der „Superpenner von Marc Rueda und Janina Görrissen vom ARTIL STUDIO.

Das ist die zauberhafte Story des Comics: Durch einen Zufall wird ein gewöhnlicher „Penner“ mit übernatürlichen Superkräften ausgestattet. Sein Zaubertrank: Bier. Sein Gegner: Die „Berliner Bestie“, der ultimative Bösewicht, der das Erbmaterial der fiesesten Berliner Kreaturen wie etwa Busfahrer, Öko-Muttis aus Prenzlauer Berg und besoffener Touris in sich trägt. Schließlich kommt es zum Duell mit der „Berliner Bestie“, das die ganze Stadt in Atem hält. Im dramatischen Finale geht „SUPERPENNER’s“ Biervorrat zur Neige. Ist damit Feierabend für ihn? Weit gefehlt, denn zum Glück gibt es ja noch „Spätkauf-Man“ und „GOSSEGIRL“… In den Nebenrollen: Alles, was die Stadt ausmacht, von „Herthinho“ bis zur digitalen Bohème à la Sascha Lobo.

Schallplatte lebt

»In die Hand nehmen, angucken, auflegen, reinhören!« Die Schallplatte war nie weg

BERICHT & FOTOS: Andreas Düllick

Tonarm mit Stahlnadel und Membran auf einer 25-cm-Schellackplatte (Quelle: Holger.Ellgaard/Wikipedia CC BY-SA 3.0)

Schwarz. Rund. In der Mitte ein Loch. Gold bzw. Platin sind sehr beliebt. Obwohl man die eher selten auflegt. Die Rede ist von der guten, alten Schallplatte. Platten-Freaks sagen: Vinyl liefert ein viel satteres, schöneres Klangbild als alle andere Tonträger. Bei der Platte wird nichts unterdrückt, sie rauscht und knackt, wunderbar. Alles ist echt, nichts technisch gefiltert. Und dann diese wunderbare Gefühl, wenn man sich eine Schallplatte auflegt: Du gehst an dein Plattenregal, wählst eine deiner Lieblingsscheiben aus, du nimmst das Cover in die Hand, ziehst die schwarze Vinylscheibe raus, legst sie auf den Plattenteller, schaust, ob sich irgendwelche störenden Fussel zeigen, bürstest die Platte sorgfältig ab, setzt schließlich die Nadel auf und senkst sie langsam ab. Dann setzt du dich in deinen Lieblingssessel, machst die Augen zu und genießt diesen wunderbaren Klang, der dann den Raum erfüllt. Wenn du Lust hast, nimmst du noch mal das Cover in die Hand und bewunderst die zumeist sehr hochwertige Gestaltung, liest dir die Songtexte durch… mehr geht nicht, was für ein luxuriöses Ritual. Herrlich!

Momentan geistern wieder so Aussagen von einer »Renaissance der Schallplatte« durch die Medien. Was für ein Quatsch, die Platte war doch nie wirklich weg! Zugegeben, Musikkassette, Compact Disk, mp3-Player haben ihr das Leben ganz schön schwer gemacht, kein Wunder, kosten die neuen Tonträger in der Herstellung wahrscheinlich viel weniger als eine Schallplatte. Aber tot? Nee, wohl kaum. Grund genug, mich mal auf eine kleine Zeitreise zu begeben, will sagen, in die guten alten Plattenläden zu schauen.

Kunstautomaten

Kunst statt Kippe – die wunderbaren Kunstautomaten des Lars Kaiser

INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

(6/2015)

Das ist ein Kunstautomat ©Andreas Düllick

Jeder kennt sie – Zigarettenautomaten. Ein paar Eurostücke rein, Kippen raus. Rauchen to go – sozusagen. Seit einigen Jahren gibt es Automaten, die sehen diesen Kippenautomaten sehr ähnlich, spucken aber etwas ganz Anderes aus: Kunst!

Lars Kaiser (40), Chef der Potsdamer Agentur »Kunsttick« hatte vor ein paar Jahren die Idee, ihm bekannte Maler zu bitten, alte Zigaretten-, Kondom- oder Kaugummiautomaten in Kunstwerke zu verwandeln. Die stellte er anfangs vor allem in Kneipen auf. Dann hängte er sie auch an Hauswände in Berlin, Potsdam, Neuruppin…

Vier Euro in den Münzschlitz gesteckt und schon kann man eine kleine Pappschachtel voll mit Kunst ziehen. Wie gesagt, Kunst to go oder Kunst für alle. Kaiser sucht immer nach ausrangierten Automaten, die seine Künstler dann aufbrezeln können. Andreas Dü̈llick machte sich in Berlin und Neuruppin auf die Suche nach Kunstautomaten und sprach mit Lars Kaiser über die smarte Idee der Kunstautomaten.

Banksy – 60. Berlinale

„Exit Through the Gift Shop“ – Streetart-Künstler Banksy & Mr. Brainwash

Text: Andreas Düllick

(6/2010)

Banksy (Quelle: www.banksyfilm.com)

Die Ratte im Business-Dress mit Regenschirm, intelligente Affen: Diese Streetart-Motive kennen viele; wer der Erfinder ist, wissen die wenigsten. Banksy, der wohl berühmteste Streetart-Künstler der Welt, zieht es vor, anonym zu bleiben. Und das aus gutem Grund, denn er hinterlässt seine Spuren überall dort, wo er es nicht darf. Auf so ziemlich alle Mauern und andere „repräsentativen“ Flächen dieser Welt hat er seine Botschaften gesprüht. Manche Menschen – vor allem Hausbesitzer – nennen das „Sachbeschädigung im großen Stil“. Deshalb steht er in vielen Ländern sicher ganz oben auf der Fahndungsliste der Polizei.

Die Ratte mit dem Regenschirm ist eines der berühmtesten Motive Banksys (Quelle: www.banksyfilm.com)

Nina Hagen

Nina Hagen über Sound, Konzerte, Familie, Religion und soziales Engagement

INTERVIEW: Andreas Düllick

strassenfeger Nr. 16/2012

(Quelle: Christliches Medienmagazin pro – Flickr: Nina Hagen, CC BY 2.0)

Sie gilt als die deutsche Godmother of Punk: Catharina „Nina“ Hagen, geboren am 11. März 1955 in Berlin-Friedrichshain.Bekannt wurde sie in der DDRals Sängerin der Gruppe „Automobil“ und „Fritzens Dampferband“. Ihr Song „Du hast den Farbfilm vergessen“ hat mittlerweile Kultstatus. 1976, nach der Ausbürgerung ihres Stiefvaters Wolf Biermann, reiste Nina Hagen aus der DDR nach England aus. Punk war angesagt. Sie zog dann nach Westberlin, wo sie richtig durchstartete. Als Punkrock-Sängerin sprengte sie regelmäßig alle Tabus und Moralvorstellungen. Als ihre besten Platten gelten das Album „Nina Hagen Band“ von 1977, die Platte „Unbehagen“, die 1979 in den Hansa-Tonstudios in Berlin eingespielt wurde, und die Gospel-CD „Personal Jesus“ (2010). Ende 2011 hat Nina die neue Platte „Volksbeat“ veröffentlicht. Ihre Lebensstationen sind genauso bunt und schillernd wie sie selbst: Sie lebte u.a. in England, in Los Angeles, in Paris, auf Ibiza und in Indien. Religiosität gehört zu ihrem Leben. Ebenso wie soziales Engagement. Andreas Düllick sprach mit der unfassbaren Nina Hagen.

66. Internationale Filmfestspiele Berlin

»Alle Menschen haben ein Recht auf Glück«

Die 66. Berliner Filmfestspiele

BERICHT: Andreas Düllick

Der rote Teppich ist ausgerollt

Der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ist ein ambitionierter Mensch: Seine Berlinale soll vor allem immer höchst politisch sein. Dies geht leider oft zu Lasten des Cineastischen. Dabei wäre es wunderbar, wenn die ausgewählten Filme beides zusammenbringen wurden: die tagesaktuelle Politik und die große Kinokunst. In den vergangenen Jahren hat das schon eher selten funktioniert. In diesem Jahr ist es noch schwieriger. Kosslick hat das Motto ausgegeben: »Alle Menschen haben ein Recht auf Glück.« Auf der Berlinale wollte er einen öffentlichen Diskurs über das aktuelle Flüchtlingsdrama. Deshalb hat sein Team gezielt Filme ausgesucht, die sich mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Kosslick dazu, dass die Berlinale sich schon immer für die Armen und Entrechteten engagiert habe. Das Filmfestival könne einen Beitrag dazu leisten, Menschen einen Blick in andere Leben, Situationen und Perspektiven zu gewähren, die sie sonst nicht zu Gesicht bekämen und so Empathie und Verständnis fördern. »Das ist die erste brutale Antwort auf eine ungebremste ökonomische Globalisierung.« In seiner Einschätzung der derzeitigen Weltpolitik mag Kosslick richtig liegen. In der Auswahl der Filme, nun ja…

Festivalchef Dieter Kosslick will eine politische Berlinale (Quelle: Wikipedia Commens)

65. Internationale Filmfestspiele Berlin

 »Als wir träumten« 

Wenn die Welt der Erwachsenen nach Kinderherzen greift

INTERVIEW: Andreas Düllick

»Ich erzähle Geschichten über Menschen. Es gibt eine Kraft der Menschlichkeit, die Leute über die Geschichten hinwegträgt. Auch durch die größten Unbilden. Das fasziniert mich.«

Der Regisseur Andreas Dresen im Interview  ©Andreas Düllick

Andreas Dresen war auf der 65. Berlinale mit seinem neuen Film »Als wir träumten« im Wettbewerb vertreten. Vorlage für den Film ist der wilde Roman des Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer. In der Beschreibung des Verleihs heißt es: »Als wir träumten« war der Stadtrand von Leipzig die Welt. Die DDR war weg und wir waren noch da. Pitbull war noch kein Dealer. Mark war noch nicht tot. Rico war der größte Boxer und Sternchen war das schönste Mädchen, doch sie hat mich nicht so geliebt, wie ich sie. Alles kam anders. Aber es war unsere schönste Zeit. Dani, Mark, Rico, Pitbull und Paul leben im Rausch einer besonderen Zeit. Jahre, in denen Gesellschaften und Systeme aufeinander prallen und alles, wirklich alles möglich scheint. Die Jungs sind dreizehn, als die Geschichte in der DDR beginnt, siebzehn, als sie im neuen Deutschland endet.« Das allein klingt schon spannend und aufregend. Und dann gibt es ja auch noch das wunderschöne Mädchen Sternchen… Grund genug für strassenfeger-Chefredakteur Andreas Düllick, den Regisseur Andreas Dresen am Rande der Filmfestspiele zum Interview zu treffen.

Flake – Feeling B

“Once upon a time…” – 25 years of Feeling B 

INTERVIEW: Andreas Düllick
(published in strassenfeger 2008) Translation by Murray for www.rammsteinpress.com

http://www.rammsteinpress.com/2014/07/15/youll-never-reach-the-top-25-years-of-feeling-b/

Feeling B is a legendary East-Punk band. The singer, Aljoscha Rompe, was one of the most dazzling figures of the Underground scene. His apartments at Fehrbelliner Straße and at Schönhauser Allee were important meeting places. The band was never well-behaved but always a bit different. Not ostensibly political, but then again, political enough through their anarchistic lifestyle. When they released their album, “Hea Hoa Hoa Hoa Hea Hoa Hea”, on the label Amiga in 1989, the GDR was already in its final death throes. What was going on with the band and in the East, can be learned from the book, “Mix Mir Einen Drink” (Schwartzkopf&Schwarzkopf): “Feeling B never rocked the GDR, but it played the soundtrack of its demise.”

It’s been 20 years since the end of the GDR, and not a lot of people know much about its alternative youth culture. Because of this, and so that the recordings of Feeling B wouldn’t rot away in his basement, Flake, the keyboardist of Feeling B and Rammstein, has published the CD, “grün und blau” with Motor Music. To this end, he made a beautiful book with old photos, documents and texts. On the Internet, it reads: “…a stroke of luck for anyone who’s nowadays interested in GDR punk, underground music and the process of the reunification. An important piece of German music history, that lives on to this day in a lot of bands, either content wise (Medieval Rock) or through the former musicians (Rammstein).”

Andreas Düllick talked to Flake about both bands, the East and the new record with the old Songs.