Bundeskonferenz der Straßenkinder

Bundeskonferenz der Straßenkinder

(Pressemitteilung vom 12.06.2017/MOMO MEDIA)

Trietze aus Hamburg hält eine der Eröffnungsreden zur Konferenz

Das Jugendhilfesystem in Deutschland erreicht Jugendliche am Rande der Obdachlosigkeit oft nicht. Alleingelassen, auf der Flucht von zu Hause, tauchen Mädchen und Jungen in der Anonymität der Großstädte unter und gehen oft zwanghafte Beziehung ein, für ein Bett oder etwas zu Essen. Untereinander raten sie sich, das Jugendamt nicht um Hilfe zu bitten. Zu viele haben schlechte Erfahrungen gemacht und sehen sich nicht vertreten.

Ständige Vertretung der Straßenkinder

»Ein warmes Essen auf dem Tisch und ein Dach über dem Kopf sind nicht selbstverständlich!«

TEXT: Andreas Düllick & Leonie Karnowsky  / FOTOS: Andreas Düllick (strassenfeger 17/2015)

Laura, Nadja, Habib, Flo und Sabrina sind Mitglieder der Ständigen Vertretung der Straßenkinder (v.l.nr.) ©Andreas Düllick

Am 25. und 26. September wird es in Berlin den 2. Bundeskongress der Straßenkinder geben. Die Ständige Vertretung der Straßenkinder (StäV) bereitet das Treffen derzeit ganz intensiv vor. Beim Karuna e.V. in Berlin gab es am 31. Juli ein Treffen der StäV. Thema u.a.: »Verhinderung von Jugendwohnungslosigkeit und der sozialen Exklusion von Straßenkindern.« Live dabei war ein Fernsehteam des Kinderkanals »KIKA«. Eine Woche später, am 8. August, diskutierte die StäV im »Justus Delbrück Haus, Akademie für Mitbestimmung” beim 115. Bürgerdialog der Bundesregierung (»Gut leben in Deutschland – Was uns wichtig ist«) darüber, was Lebensqualität in Deutschland für sie bedeutet. Sie diskutierten insbesondere über Mindestlohn, bezahlbaren Wohnraum, das Bildungssystem und über soziale Aspekte wie Geborgenheit, Vertrauen, Nächstenliebe und Zusammenhalt. In einer zweiten Gesprächsrunde fokussierten sie Aspekte zu Gesetzen und Recht sowie Finanzen. Mit dabei waren u. a. Chantal, Isi, Johnny, Habib, Dave, Sophia, Pia, Florian, Sabrina sowie Gabriele Schützler und Jörg Richert, die Geschäftsführer des Karuna e.V. Sie alle haben uns im Vorfeld des Kongresses Rede und Antwort gestanden.

Manuela – Interview (3. Straßenkinderkonferenz)

Manuela, Sozialarbeiterin im Projekt „Notschlafstelle 58“ in Essen

Andreas Düllick: Du bist auch in diesem Jahr wieder mit einer Gruppe von Jugendlichen der „Notschlafstelle 58“ in Essen hier zur Bundeskonferenz gekommen, Du warst ja auch schon vor zwei Jahren da. Warum kommt Ihr regelmäßig zu den Bundeskonferenzen der Straßenkinder?

Manuela, Sozialarbeiterin aus Essen auf der 3. Bundeskonferenz der Straßenkinder in Jamlitz ©Andreas Düllick

Hanna: “Mein Name ist Mensch!” (3. Straßenkinderkonferenz)

Hanna aus Hamburg hält eine Rede zur Eröffnung der 3. Bundeskonferenz der Straßenkinder

Hanna, Mitglied von MOMO – The Voice of disconnected Youth, hält eine Rede zur Eröffnung der 3. Straßenkinderkonferenz ©Andreas Düllick

„Mein Name ist Mensch!“ ist seit jeher das Motto unserer Konferenzen. Wir wollen damit ausdrücken, dass jedem Menschen, ganz egal welchen Beruf, Status oder Hautfarbe er hat, ihm oder ihr die gleichen Rechte und der gleiche Respekt gebührt.  Seit dem Flüchtlingsstrom 2015, freuen wir uns, neue Bewohner*innen in Deutschland  begrüßen zu können.

MOMO

MOMO – The Voice of disconnected Youth – eine Organisation von Jugendlichen für Jugendliche.

Wer wir sind:

Mit unserem Verständnis können wir Deinen Talenten eine Stimme geben. Eine Perspektive bilden, Hoffnung schenken, Freiheiten ausleben. Du machst Dir Gedanken über Deine Zukunft? – Wir haben es uns zur Lebensaufgabe gemacht, jungen Menschen eine Perspektive zu geben.

Hier findest Du Anerkennung für Deine Talente. In Zukunft bist Du Teil einer Gemeinschaft die Dir und anderen in jeder Lebenssituation Rückhalt gibt.

Du kannst Dich selbst engagieren und Deinen Bedürfnissen eine Stimme geben! MOMO – The Voice of disconnected Youth.

Kassem und die Straßenkinderkonferenz

„Wir wissen selbst am besten, was wir brauchen“

Rund 37.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben auf der Straße. Allein in Essen sind es ca. 160 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben. Diese Jugendlichen sind völlig entwurzelt und entkoppelt von ihren Familien und der „normalen“ Gesellschaft. Umso beeindruckender ist es, wie politisch aktiv einige von ihnen sind und versuchen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie haben Utopien und Projektideen entwickelt, an deren Umsetzung sie mit der Politik arbeiten wollen.

3. Bundeskonferenz der Straßenkinder – Trietze

3. Bundeskonferenz der Straßenkinder in Jamlitz

Trietze, Hamburg, Mitglied von MOMO – The Voice of disconnected Youth Rede zur Eröffnung der Bundeskonferenz

Trietze hält eine aufrüttelnde Rede zur Eröffnung der 3. Bundeskonferenz

Verdrängung und Verlust. Wachsende Probleme und fehlende Beteiligung. Ein ständiger Kampf um den Lebensmittelpunkt und einen Platz in einer Stadt ,die stetig wächst und in der keine Lücke unbenutzt bleiben darf ohne Kapital zu erbringen. In der Leben immer teurer wird, man sich nach und nach vor dem weniger privilegierten Teil der Gesellschaft zu verschließen versucht.

Gentrifizierung. Ein Thema, dass uns alle betrifft. Ein Wort, dem wir tagtäglich begegnen und das einige von Euch bestimmt schon einmal gehört haben. Vor allem in den großen Städten sind die Auswirkungen deutlich spürbar. Erst recht, wenn man wie die meisten der hier anwesenden Menschen zu dem weniger privilegierten Teil gehört. Zunehmend geht es in vielen Vierteln, in erster Linie in innerstädtischen Bereichen, nur noch um Verschönerung. Attraktivitätssteigerung durch Hotels, teure Restaurants, riesige Einkaufsmärkte, extravagante Galerien und teure Modeketten.