Flüchtlingsheim Allende-Viertel II

»Wir sehnen uns nach Ruhe«

Zu Besuch im Asylbewerberheim im Allende-Viertel II

BERICHT, INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

(strassenfeger 3/2015)

Das neue Flüchtlingswohnheim in Köpenick ©Andreas Düllick

Ich gebe zu: Man ist schon ein wenig erschrocken, wenn man zum ersten Mal vor diesem Asylbewerberheim in der Alfred-Randt-Straße im Köpenicker Allende-Viertel II steht. Das hat weniger mit dem Objekt selbst zu tun, das Containerdorf sieht freundlich, farbenfroh und durchaus einladend aus. Nein, es ist die Auswahl des Platzes für das Flüchtlingsheim. Es steht wirklich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnblocks, Schulgebäuden und einem Jugendfreizeitklub. Der erste Gedanke ist: Kann das gut gehen oder provoziert das Konflikte mit den Anwohnern im Kiez?

Hygienecenter Bahnhof Zoo

»Manchmal muss man das Chaos ein wenig schütteln, und es werden Wunder daraus«

Neues Hygienezentrum für Obdachlose am Bahnhof Zoo

BERICHT & FOTOS: Andreas Düllick

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission am Zoo, ist stolz auf sein neues Hygiencenter ©Andreas Düllick

»Schön, jetzt jeden Morgen duschen zu können, ich wohne doch nur zwei Minuten entfernt«, strahlte Pam nach ihrem ersten Besuch. Pam ist 26, obdachlos und ihre »Wohnung« ist unter der Brücke um die Ecke. Duschen kann sie nun jeden Morgen im neuen Hygieneprojekt der Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten. Deshalb haben wir das gemacht. (Facebook-Eintrag von Dieter Puhl)

Hygienecenter Bahnhof Zoo

»Danke, Du gutes Herz!«

Duschen, Toiletten, Wäsche waschen und ein Friseur – im neuen Hygienezentrum am Bahnhof Zoo können obdachlose Menschen das erledigen, was für andere vollkommen normal ist

BERICHT & FOTOS: Andreas Düllick (strassenfeger3/2016)

Claudia Haubrich und Susanne Renners sind die “guten Seelen” des Hygienecenters ©2016 Andreas Düllick ©Andreas Düllick

Frank ist 49 Jahre alt, seit vier Monaten ist der Berliner obdachlos. Er hat einen Schulabschluss und eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer. Sein Mädchen hat ihn rausgeschmissen und die steht allein im Mietvertrag drin, berichtet er. Zum Schlafen geht er in Notunterkünfte wie die in der Lehrter Straße oder in Steglitz. Bevor das neue Hygienezentrum in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo aufmachte, hat er sich bei einem Kumpel gewaschen. Duschen konnte er da aber nicht jeden Tag. Seine Notdurft hat er auf öffentlichen Toiletten verrichtet, erzählt Frank. »Aber neulich musste ich mal mein großes Geschäft erledigen. Nicht Pinkeln, das kann man ja irgendwo in einer Ecke oder hinterm Busch. Die wollen ja schon 50 Cent haben für einmal Pinkeln oder so… Da bin ich ins Hotel Waldorf Astoria rein und habe gefragt, ob es möglich wäre, mal auf die Toilette zu gehen. Da hat mir der Concierge gesagt: Sehr gern, gehen Sie eine Etage tiefer. Wirklich vom Allerfeinsten. Du kommst da rein, Rasierwasser, Deo, Haarspray alles. Ich wollte da gar nicht mehr weg. Musikberieselung von oben… Geil. Aber das geht sicher nicht immer, und ich weiß ja auch, wo ich sonst hingehen kann. Aber ich hatte Magenprobleme. Ich habe mich so geschämt…«

Bundeskonferenz der Straßenkinder

Bundeskonferenz der Straßenkinder

(Pressemitteilung vom 12.06.2017/MOMO MEDIA)

Trietze aus Hamburg hält eine der Eröffnungsreden zur Konferenz

Das Jugendhilfesystem in Deutschland erreicht Jugendliche am Rande der Obdachlosigkeit oft nicht. Alleingelassen, auf der Flucht von zu Hause, tauchen Mädchen und Jungen in der Anonymität der Großstädte unter und gehen oft zwanghafte Beziehung ein, für ein Bett oder etwas zu Essen. Untereinander raten sie sich, das Jugendamt nicht um Hilfe zu bitten. Zu viele haben schlechte Erfahrungen gemacht und sehen sich nicht vertreten.

Zahnarzt der Obdachlosen

„Wir schenken diesen Menschen wieder ein Gesicht!

Dr. Christian Bolstorff – Zahnarzt der Obdachlosen

INTERVIEW & Fotos: Andreas Düllick (strassenfeger 22/2015)

Dr. Christian Bolstorff hat ein großes Herz für Obdachlose ©Andreas Düllick

Der Zahnmediziner Dr. Christian Bolstorff kümmert sich seit vielen Jahren um Menschen, die durch das soziale Netz gefallen sind und unter Zahn- und deren Folgeerkrankungen leiden. Er ist Mitinitiator und Vorsitzender des 2001 gegründeten Vereins „Berliner Hilfswerk Zahnmedizin e. V.“ (BHZ), der eine zahnärztliche Versorgung von Wohnungslosen, Suchtkranken und erwachsen Menschen mit Behinderungen ermöglicht. Niedergelassene Ärzte wollen oft keine Obdachlosen in ihren Wartezimmern. Zudem haben viele Obdachlose gar keine Krankenversicherung. Der frühere Präsident der Zahnärztekammer behandelt jeden Dienstag in der Praxis der GEBEWO pro am Ostbahnhof Obdachlose.

“Antike Bauelemente” (Serie Gentrifizierung)

Wieder stirbt ein Stück Berlin

Wolfram Liebchen und seine »Antiken Bauelemente« in Moabit

BERICHT & INTERVIEW & FOTOS: Andreas Düllick

(strassenfeger 9/2015)

»Wir freuen uns über jedes Teil, und sei es noch so klein. Wunderbar ist es, beim Auseinandernehmen eines Ofens an der Rückwand eine Barockkachel zu finden, die weiterverwendet wurde, oder hinter dem Ofenrohr liegen noch Brot, Salz und ein Pfennig.«

Wolfram Liebchen ist ein Bewahrer. Er hat ein großes Herz für die schönen Gegenstände des Wohnens. Liebchen wurde 1956 in Berlin geboren. 20 Semester lang studiert er Soziologie, ohne viel Erfolg. Nebenher jobbt er als Schmuckverkäufer und Taxifahrer. Anfang der 80er Jahre beginnt er, historische Kostbarkeiten aus Abrisshäusern zu sammeln. Angefangen hat alles mit Kachelöfen, die wegen Modernisierungen aus den Häusern entfernt wurden. Mit Martin Bildau, einem ehemaligen Hausbesetzer aus der Wilsnacker Straße, hat Liebchen dann sein Geschäft »Antike Bauelemente« gegründet. Das Angebot wurde um Türen, Fenster, Beschläge, Kacheln und vieles andere mehr erweitert. Natürlich nur original Altberliner Bauelemente übrigens. Neben Hausbesitzern und Wohnungseigentümern zählten auch Requisiteure von Filmstudios – auch vom berühmten Studio Babelsberg – und Theatern, Kunst-Liebhaber, Künstler und Dekorateure. Zu seinen Kunden. Aber auch Touristen kamen gezielt vorbei, um das eine oder andere seltene Stück zu erwerben. Sein Gewerbe war ein Kleinod in Moabit, eine Fundgrube, eine innerstädtische Idylle.

Ständige Vertretung der Straßenkinder

»Ein warmes Essen auf dem Tisch und ein Dach über dem Kopf sind nicht selbstverständlich!«

TEXT: Andreas Düllick & Leonie Karnowsky  / FOTOS: Andreas Düllick (strassenfeger 17/2015)

Laura, Nadja, Habib, Flo und Sabrina sind Mitglieder der Ständigen Vertretung der Straßenkinder (v.l.nr.) ©Andreas Düllick

Am 25. und 26. September wird es in Berlin den 2. Bundeskongress der Straßenkinder geben. Die Ständige Vertretung der Straßenkinder (StäV) bereitet das Treffen derzeit ganz intensiv vor. Beim Karuna e.V. in Berlin gab es am 31. Juli ein Treffen der StäV. Thema u.a.: »Verhinderung von Jugendwohnungslosigkeit und der sozialen Exklusion von Straßenkindern.« Live dabei war ein Fernsehteam des Kinderkanals »KIKA«. Eine Woche später, am 8. August, diskutierte die StäV im »Justus Delbrück Haus, Akademie für Mitbestimmung” beim 115. Bürgerdialog der Bundesregierung (»Gut leben in Deutschland – Was uns wichtig ist«) darüber, was Lebensqualität in Deutschland für sie bedeutet. Sie diskutierten insbesondere über Mindestlohn, bezahlbaren Wohnraum, das Bildungssystem und über soziale Aspekte wie Geborgenheit, Vertrauen, Nächstenliebe und Zusammenhalt. In einer zweiten Gesprächsrunde fokussierten sie Aspekte zu Gesetzen und Recht sowie Finanzen. Mit dabei waren u. a. Chantal, Isi, Johnny, Habib, Dave, Sophia, Pia, Florian, Sabrina sowie Gabriele Schützler und Jörg Richert, die Geschäftsführer des Karuna e.V. Sie alle haben uns im Vorfeld des Kongresses Rede und Antwort gestanden.

Obdachlos in Berlin

©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
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©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
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©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
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©2017 Andreas Düllick
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©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick
©2017 Andreas Düllick

 

Manuela – Interview (3. Straßenkinderkonferenz)

Manuela, Sozialarbeiterin im Projekt „Notschlafstelle 58“ in Essen

Andreas Düllick: Du bist auch in diesem Jahr wieder mit einer Gruppe von Jugendlichen der „Notschlafstelle 58“ in Essen hier zur Bundeskonferenz gekommen, Du warst ja auch schon vor zwei Jahren da. Warum kommt Ihr regelmäßig zu den Bundeskonferenzen der Straßenkinder?

Manuela, Sozialarbeiterin aus Essen auf der 3. Bundeskonferenz der Straßenkinder in Jamlitz ©Andreas Düllick

Heiner Keupp – Über Armut

Angst essen Seele auf oder der Sozialismus der dummen Leute

Opferrolle ablegen, Gegenstrategien entwickeln! ©Andreas Düllick

Interview mit Prof. Dr. Heiner Keupp

Düllick: Es gibt ein geflügeltes Wort: Die Bundesrepublik ist ein reiches Land. Man könnte also meinen, wunderbar, es geht uns allen super. Das scheint aber in der Realität so nicht ganz zuzutreffen, gerade wenn man sich heute auch Ihren Vortrag hier auf dem Armutskongress in Berlin angehört hat?

Prof. Dr. Heiner Keupp: Was ich beobachte und was ich auch empirisch belegen kann ist, es gibt eine hohes Angstpotenzial in diesem reichen Land. Erstaunlich! Wenn es einem so gut geht, wovor hat man dann eigentlich Angst? Die Angst kommt daher, dass viele von den Dingen, die sich in den vergangenen dreißig, vierzig Jahren im Zuge einer globalisierten, kapitalistischen Gesellschaft entwickelt haben, die Sicherheit, die vertrauten Abläufe vieler Menschen in Frage gestellt haben. Und sie erleben heute auch, dass man ganz schnell aus einem gesicherten Status abrutschen kann. Das hat man oft im eigenen Bekanntenkreis erlebt, dass jemand nach einer Trennung seine Wohnung verloren hat und in die Obdachlosigkeit reingerutscht ist. Das sind Ängste, die ein gefährliches Potenzial sein können. Das betrifft vor allem Menschen aus der Mittelschicht, die bislang einigermaßen gesicherte Lebensbedingungen hatten.