Ulrich Schneider – Über Armut

ZEIT ZU(M) HANDELN!

12,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als arm

Dr. Ulrich Schneider, Geschäftsführer Gesamtverband der Parität Opferrolle ablegen, Gegenstrategien entwickeln!

12,5 Millionen Menschen in Deutschland waren 2014 arm. Das sind 15,4 Prozent der gesamten Bevölkerung, bei den Kindern und Jugendlichen waren es sogar rund 19 Prozent. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat. Spitzenreiter war das Bundesland Bremen, das mit einer Armutsquote von 24,1 Prozent deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt liegt. Aber auch in Niedersachsen ist die Situation sehr ernst, dort betrug die Quote 15,8 Prozent, in der Landeshauptstadt Hannover gar 19,6 Prozent! (Region Osnabrück 14,8 Prozent, Landkreise Goslar und Göttingen 19,2 Prozent) Millionen von Menschen werden dadurch ausgegrenzt und in Subkulturen abgedrängt. Das ist das Ergebnis des aktuellen Armutsberichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der am 23. Februar vorgelegt wurde.

Andreas Düllick sprach mit Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, über Armut in Deutschland und speziell auch in Niedersachsen.

Arme Kinder

Kinderarmut in Deutschland wächst weiter – mit Folgen fürs ganze Leben

 

Justus-Delbrück-Haus, der Akademie für Mitbestimmung, Bahnhof Jamlitz ©Andreas Düllick

Trotz teils großer regionaler Unterschiede: Kinderarmut ist ein gesamtdeutsches Problem. (12.09.2016, Studie der Bertelsmann Stiftung)

Beengtes Wohnen, wenig Geld für gesundes Essen, Bildung, Hobbies oder Urlaub – für rund zwei Millionen Kinder und ihre Familien in Deutschland ist das Realität. Im Vergleich zu 2011 leben heute mehr junge Menschen von staatlicher Grundsicherung. Unsere neuen Veröffentlichungen zeigen: Die existierenden Maßnahmen reichen nicht aus, um Kinderarmut zu vermeiden, und Armutsfolgen werden bisher nur lückenhaft erforscht.

Trotz guter Wirtschaftslage wuchsen 2015 bundesweit 14,7 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in Familien auf, die Hartz IV beziehen.

Kassem und die Straßenkinderkonferenz

„Wir wissen selbst am besten, was wir brauchen“

Rund 37.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben auf der Straße. Allein in Essen sind es ca. 160 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben. Diese Jugendlichen sind völlig entwurzelt und entkoppelt von ihren Familien und der „normalen“ Gesellschaft. Umso beeindruckender ist es, wie politisch aktiv einige von ihnen sind und versuchen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie haben Utopien und Projektideen entwickelt, an deren Umsetzung sie mit der Politik arbeiten wollen.